Schülerinnen und Schüler denken „Die Stadt von morgen“
Im Stadtentdecker-Projekt vermittelt die Architektenkammer Brandenburg in Schulen baukulturelles Wissen. Architektin Martina Nadansky berichtet über ihre Arbeit mit einer 6. Klasse in Potsdam-Babelsberg.
Die Klasse 6 b der Potsdamer Grundschule Bruno H. Bürgel entwickelte aus eigener Beobachtung heraus konkrete und umsetzungsnahe Vorschläge für drei Orte in Babelsberg. Besonders auffällig waren der realistische Blick auf Nutzungsmängel, der Wunsch nach Aufenthaltsqualität sowie das Verständnis für Gestaltungsmittel wie Beleuchtung, Material und Grün. Die Ergebnisse zeigen, wie ernsthaft und differenziert Schüler:innen Stadt wahrnehmen und weiterdenken.
Das Stadtentdecker-Projekt wurde im 1. Schulhalbjahr 2025/26 auch in Potsdam Babelsberg durchgeführt. Projektpartner waren die Brandenburgische Architektenkammer, die Stadt Potsdam sowie die Grundschule Bruno H. Bürgel mit 21 Schüler:innen der Klasse 6 b und ihrer Klassenlehrerin Sybille Kirsch. Projektbegleitende Architektin war Dipl.-Ing. Martina Nadansky.
Projektidee
Eine Projektidee kann aus verschiedenen Richtungen und Komponenten entstehen. Dabei ist es für die Schüler:innen sehr motivierend, wenn das Projektthema ihrem aktuellen Interesse entspricht und sie es selbst in der Diskussion entwickeln können. Wir haben also im Unterricht gefragt, welche Orte sie in Babelsberg als verbesserungswürdig erleben. Aus dieser Liste haben wir den Weberplatz (Station 1), den S-Bahnhof Babelsberg (Station 2) und das sogenannte Wäldchen an der Rudolf-Breitscheid-Straße (Station 3) ausgewählt. Aufgabe für die Schüler:innen war es, einen dieser drei Orte mit gestalterischen Mitteln zu verbessern und den Entwurf in Modell, Skizzen, Arbeitsmappen, Plakaten und Vortrag darzustellen. Der Projekttitel wurde in der Klasse in einer mehrheitlichen Abstimmung gefunden: „Die Stadt von morgen“.
Stadtspaziergang
Der Stadtspaziergang zu unseren drei Stationen sollte die räumliche Wahrnehmung stärken und die Ideenfindung anregen. In vorbereiteten Arbeitsmappen haben die Schüler:innen ihre Ideen und Skizzen zu den drei Orten eingetragen. Hierbei sind schon erste Konzeptansätze und Gruppenbildungen für die nachfolgende Arbeitsphase entstanden.
Modellbau
Für das Modell wurde kein Maßstab vorgegeben, die Wabenplatten im einheitlichen Format 50 x 70 cm gaben aber einen Rahmen vor. Am vierten Projekttag haben die Schüler:innen ihre Modelle mit einer professionellen Kamera und Fotoleuchten selbst inszeniert und fotografiert. In sieben Gruppen sind so diese Projekte entstanden: vier zum Weberplatz, zwei zum S-Bahnhof und ein Projekt zum Wäldchen.
Station 1: Weberplatz
Auf dem stadträumlich sehr attraktiven Weberplatz gibt es aktuell keine Angebote für Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren. Die Projekte spiegeln entsprechend die Wünsche der zehn- bis zwölfjährigen Schüler:innen nach Nutzungen zur erweiterten Freizeitgestaltung wider. Sie heißen „Grüne Oase“, „Snack + Stopp am Weberplatz“, „Weberspaß“ und „Webersportplatz“.
Station 2: Wäldchen
Das „Wäldchen“ ist aktuell eine bewaldete Restgrünfläche ohne Aufenthaltsqualität. Im Projekt „Rätsel-Wäldchen“ werden die Besucher:innen mit einem Rätsel-Parcours zum Thema „Wald“ spielerisch auf verschiedenen Wegen mit eingebauten Stopps durch das Wäldchen geführt.
Station 3: S-Bahnhof Babelsberg
Der denkmalgeschützte S-Bahnhof Babelsberg ist geprägt durch fehlende Aufenthaltsqualität für Wartezeiten, Schmutz und unangenehme Gerüche. Die beiden Projekte „Der neue Glanz des Bahnhofs“ und „S-Bahnhof Babelsberg: neu und besser“ wollen genau diese Defizite verbessern mit erstaunlich realistischen Maßnahmen wie Farbe, Beleuchtung, Mülleimern, Sitzgelegenheiten, Rampen und Aufzügen.
Öffentliche Präsentation
Die Vorträge für die öffentliche Präsentation wurden auch im Deutschunterricht geübt – sie gehören zu den Arbeitsmethoden von Planer:innen und ergänzen somit Modelle, Skizzen, Plakate und Arbeitsmappen.