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[ Dachfenster ]

Hohe Gaubenkunst

An der mecklenburg-vorpommerschen Ostseeküste hat sich eine Tischlerei auf Fledermausgauben spezialisiert und arbeitet dabei eng mit Architekten zusammen

Von Marion Goldmann

 Die Fledermausgaube ist die eleganteste Variante einer Dachgaube, denn ihre geschwungene Form fügt sich nahtlos in die Dachfläche ein. Planung und Ausführung einer optisch perfekten Fledermausgaube erfordern allerdings viel Erfahrung – eine Voraussetzung, die vielen Zimmereien heute fehlt. Selbst auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst an der mecklenburg-vorpommerschen Ostseeküste ist die Generation der Handwerker, die diese hohe Kunst fehlerfrei beherrschen, nahezu ausgestorben. Dabei ist der Bestand auf der rund 45 Kilometer langen Landzunge mit etwa 10.000 Fledermausgauben besonders hoch. Ein Teil davon ist erst in den letzten drei Jahrzehnten entstanden, als nach der Wende 1989 peu à peu die traditionellen Reetdächer saniert wurden und der Neubau von Gebäuden an der Ostseeküste zu boomen begann. Tischlermeister Erwin Mädche nutzte diese Entwicklung als Chance zur Gründung eines auf den Fledermausgauben-Fensterbau spezialisierten Handwerksbetriebes in Dierhagen.

Perfekte Wölbung: Die Verwendung großformatiger Trockenbauplatten ermöglicht eine stoßfreie und gleichmäßig geformte innere Auskleidung.

Alle Leistungen aus einer Hand

Das Fenster ist die Basis einer jeden Fleder­mausgaube. Der maßgeschneiderte Gaubenabbund, klassisch Kehlbohlenanlage genannt, der sowohl die Außenform des Daches als auch die Innenform definiert, setzt daran an. Bei großen Spannweiten hat die Fensterkonstruktion auch eine statisch lastabtragende Funktion. Steffen Paul, der heutige Inhaber und Geschäftsführer der noch immer familiengeführten Tischlerei Mädche, sagt: „Die bei uns hergestellten Fenster erhalten daher eine aussteifende Blende.“ Die handwerkliche Qualität setzt sich beim Gaubenabbund fort. Für die Bögen wird Fichte verwendet – eine Holzart, die sich durch ihr günstiges Verhältnis von Gewicht zu Festigkeitseigenschaften bestens als Bau- und Konstruktionsholz eignet und sich zudem gut lackieren lässt. „Wir definieren mit dem Abbund auch genau die Dachdeckung und mit der innen liegenden Sparschalung die Gipskartonbekleidung für den Innenausbau“, erläutert Steffen Paul.

Dass die Bekleidung des inneren Bogens heute eine weitere Komponente der Leistung ist, geht auf die Erfahrungen des Handwerksbetriebes zurück. Demnach neigen viele Trockenbauer zum Stückeln und massiven Spachteln der Platten mit mangelhaftem Ergebnis, mit dem der Bauherr meist unzufrieden ist. Die Tischlerei Mädche verwendet hierfür großformatige Platten, mit der sich stoßfreie und gleichmäßig geformte Flächen realisieren lassen. An diesem Beispiel wird zugleich deutlich, dass sich die Arbeiten an einer Gaube mehrere Gewerke teilen. Damit nicht die sprichwörtlichen vielen Köche den Brei verderben, will Steffen Paul mit seinem Komplettangebot diesem klassischen Prozedere entgegensteuern. „Ich biete für die Gauben diese Gewerke aus einer Hand und arbeite vom Entwurf über die Planung und Ausführung bis hin zum Trockenbau eng mit dem Architekten zusammen.“

Es beginnt damit, dass Steffen Paul auf Basis der Genehmigungsplanung die vorgeschlagene Fledermausgaube mittels CAD-Planung präzisiert und konstruktiv ausarbeitet. Seinen Entwurf stimmt er mit dem Architekten ab. Somit könne der Architekt wiederum sicher sein, dass die Gaube so wie geplant realisierbar ist. Und die Nachfrage nach diesem Angebot ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen.

Solide Grundlage: Eine optisch perfekte Gaube basiert auf einer präzisen Planung, Herstellung und Montage von Gaubenfenster sowie der anschließenden Kehlbohlenanlage.

Verschiedene Systeme im Angebot

Mittlerweile fertigt die Tischlerei Mädche pro Jahr etwa 40 Gaubensysteme von zwei bis zwölf Metern Breite. Längst sind die Projekte nicht mehr nur auf das heimische Gebiet begrenzt. Aktuell reicht der Radius von Hamburg bis Dresden. Eine bundesweite Lieferung ist aufgrund des hohen Vorfertigungsgrades ebenso möglich, zumal sich als Dachdeckung neben Reet auch Ziegel und Metall eignen. Interessant ist zudem, dass die Fledermausgauben zu 90 Prozent in Neubauten eingesetzt werden; darunter zunehmend auch bei mehrgeschossigen Gebäuden.

Aufgrund der langjährigen Praxis reicht das Spektrum heute von der Einzelfertigung bis hin zur Kleinserie. Steffen Paul hat inzwischen zahlreiche Konstruktionen in petto, die er quasi auf Knopfdruck abrufen kann. Seine Fenster sind durch das Institut für Fenstertechnik in Rosenheim CE-geprüft. Dank des speziellen Gaubenabbundes können problemlos EnEV-konforme Dämmstärken erreicht werden. Das Verhältnis schmaler, filigran anmutender Blenden zur Glasfläche ist ausgewogen. Für Fledermausgauben-Liebhaber mit begrenztem Budget ist seit wenigen Jahren auch ein kostengünstiges System verfügbar, das die Aufnahme eines industriell hergestellten Fensters ermöglicht.

Nicht zuletzt ist Steffen Paul noch eine Besonderheit wichtig. Er hat ein Insektenschutzgitter entwickelt, das die Optik der Gaube nicht beeinträchtigt. Es ist so passgenau angefertigt, dass es sich flächenbündig in den außen liegenden umlaufenden Fensterfalz mit einer Toleranz von nur einem Millimeter einschmiegt. Für Wartung oder Reinigung ist es zudem werkzeuglos herausnehmbar.

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