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[ Nachwuchs-Kolumne #210 ]

Landschaftsarchitektur: Exkursion in neue Welten

Reisen bildet: Das erlebt DAB-Kolumnistin Luisa Richter immer wieder auf Exkursionen mit der Uni: Was man von Italien lernen kann, was von Dänemark besser nicht, und warum ein unscheinbares Gehölz in Berlin eine Besonderheit ist.

Von Luisa Richter

Ich bin gerade von meiner Uni-Exkursion nach Norditalien zurückgekommen – die wohl schönste Exkursion meines Studiums der Landschaftsarchitektur. Da ich in diesem Semester kein Entwurfs-Studio belege, habe ich die Exkursion als Wahlpflichtfach mit dem Schwerpunktthema Vegetation gewählt. Wir haben verschiedene mediterrane Baumarten kennengelernt, die bei uns als „Klimabäume“ in die Straßen gepflanzt werden. Neben verschiedenen Projekten haben wir uns auch Naturstandorte mit verschiedenen Vegetationstypen angeschaut.

Bei uns an der TU Berlin ist die Exkursion ein normaler Bestandteil des Semesters in der Landschaftsarchitektur. Jedes Studio – an anderen Unis heißt das Projekt – hat eine einwöchige Exkursion, deren Zeitpunkt für alle gleich ist und keine weiteren Veranstaltungen in diesem Zeitraum stattfinden. Durch mein Engagement in der BuFaLa (Bundesfachschaft Landschaft), ist mir aufgefallen, dass dies an anderen Unis ganz anders geregelt ist. Ein wirklicher Vorteil der TU Berlin.

Exkursionen sind ein Kopfsprung in gute Praxis

Warum sind Exkursionen ein so wertvoller Bestandteil unseres Studiums der Landschaftsarchitektur? In erster Linie, um sich an Vorbildern orientieren zu können. In einem Studio, das sich um den Park auf dem Velodrom in Berlin gedreht hat – haben wir uns in der Exkursionswoche verschiedenste Dachbegrünungen angeschaut. Als unser Entwurfsgebiet in einem anderen Studio am Wasser lag und wir uns mit dem Zusammenspiel von Wasser und Freiraum beschäftigt haben, sind wir in der Exkursionswoche durch die Niederlande gereist und konnten so verschiedenste Eindrücke sammeln.

Auch wenn ich Urlaube mach, kann ich diesen analysierenden Blick nicht ablegen. Letztes Jahr war ich in Kopenhagen und habe dort oft zitierte und gelobte Projekte angeschaut – das gleiche nun dieses Jahr in New York (was ihr hier nachlesen und ansehen könnt).

Doch neben dem Spaß, den man natürlich bei einer solchen Reise – oder auch Exkursion – hat, können wir unfassbar viel über Landschaftsarchitektur lernen: Wie gehen andere mit starken Regenfällen um? Wie versuchen andere Vandalismus zu verhindern? Wie werden Pflanzen in anderen Ländern eingesetzt? Wie werden Freiräume woanders gepflegt?

Blick nach nebenan – und in die Vergangenheit

Wir müssen nicht für jedes Problem die Lösung allein entwickeln. Nicht nur dauert das viel länger, sondern es ist auch gar nicht möglich. In so stark verdichteten Städten, wie wir sie in Deutschland haben, gibt es nicht viele Möglichkeiten Massen an Regenwasser „verschwinden“ zu lassen. Der Blick nach Kopenhagen lohnt hier. Das Problem des „das haben wir schon immer so gemacht, deshalb können wir jetzt nicht anders bauen“ lässt sich beim Blick über den Tellerrand leicht entkräften, mutigere Länder in unserer Nachbarschaft haben trotz fehlender jahrelanger Erfahrung einfach probiert, mal anders zu bauen.

Wie Camilla van Deurs, die Stadtarchitektin für Klimaschutz der Stadt Kopenhagen beim letzten DAT gesagt hat: Wir sollten uns an guten Vorbildern ein Beispiel nehmen und uns an deren „Best-practice“ Projekten orientieren, wenn wir unsere Städte in absehbarer Zeit klimafit machen wollen.

Übrigens kann uns auch ein Blick auf unsere ältesten Parkanlagen dabei helfen, für die Zukunft zu entwerfen. Was schon einige hundert Jahre überstanden hat, wird auch in der Zukunft bessere Voraussetzungen haben als frisch angelegte Freiräume.

Ein Reisebüro für Landschaftsarchitektur

Selbst was wir nicht wollen, können wir von anderen lernen. Wir sollten in der Landschaftsarchitektur niemals aufhören über unseren Tellerrand zu schauen und uns selbst zu hinterfragen. Viele Büros machen daher Exkursionen, um sich anderswo Projekte anzuschauen. Mit einem wehmütigen Blick auf die vergangene Uni-Exkursion frage ich mich aber, ob ich jemals so beeindruckende Büroausflüge miterleben werde. Notfalls gründe ich ein Reisebüro für Landschaftsarchitektur – quasi Uni-Exkursionen für Erwachsene.

 


Luisa Richter absolvierte ihren Bachelor in der Landschaftsarchitektur an der Technischen Universität Berlin und studiert dort nun im Master weiter. Sie engagiert sich in der Bundesfachschaft Landschaft.

Die Nachwuchs-Kolumnen des DAB schreibt ein junges Team, weitere Autor:innen sind Fabian P. Dahinten, Johanna Lentzkow und Lorenz Hahnheiser.

2 Gedanken zu „Landschaftsarchitektur: Exkursion in neue Welten

  1. Sehr geehrte Frau Richter,
    habe ich etwas überlesen. Ich finde in dem Artikel keine Aussage, was man von Dänemark besser nicht übernehmen sollte, wie am Anfang des Artikels angekündigt

    Antworten
    • Sehr geehrter Herr Leo,

      wir freuen uns über Ihre Aufmerksamkeit. Die Redaktion hatte den Artikel zwar eigentlich nicht als Suchspiel definiert, aber die „Auflösung“ finden Sie in der Bildergalerie.

      Antworten

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