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[ Digitale Modelle ]

Interaktive Raummodelle: Architektur virtuell präsentieren

Wie präsentiere ich mein gebautes Projekt digital am realistischsten? Über Fotos und Filme hinaus bieten interaktive 360°-Modelle nach Art des beliebten „Street View“ ganz neue Möglichkeiten

Virtuelles Raummodell eines Büros
Im interaktiven Modell (hier die Büros der Firma Leonhard von blocher partners) kann vom Grundriss aus direkt in den Raum navigiert werden. Weiter unten im Beitrag können Sie es ausprobieren! Foto: typenraum

Dieser Beitrag ist unter dem Titel „Immersive 360°-Raummodelle“ im Deutschen Architektenblatt 12.2022 erschienen.

Von Simone Kraft

Was wäre, wenn man sich durch reale Räume bewegen könnte, ohne vor Ort sein zu müssen? Natürlich ersetzt nichts das direkte Erleben eines Raumes am eigenen Körper, ihn mit allen Sinnen zu durchlaufen, zu erleben, zu fühlen. Nicht immer ist dies jedoch möglich. Dann können immersive digitale Raummodelle einen „Fast als ob“-Eindruck verschaffen. Diese 360°-Modelle basieren auf Fotografien und wirken beinahe wie Videos, unterscheiden sich jedoch grundlegend von beidem.

Anderes Erleben als mit Fotos oder Videos

Denn während Fotografien statische Momentaufnahmen sind, können Videos zwar einen zusammenhängenden Gesamteindruck der vier Wände geben, der Betrachterstandpunkt bleibt jedoch ebenfalls statisch fix. Auch im bewegten Bild läuft, filmisch gesprochen, eine Vielzahl einzelner fotografischer Aufnahmen in Sequenz ab, die sich erst in der menschlichen Wahrnehmung zu einem visuellen „Fluss“ fügen.

Anders die immersiven 3D-Raummodelle: Wie man es von Google Street View kennt, kann man sich hier interaktiv per Mausklick durch Räume bewegen, seinen Standpunkt verändern, die Blickachse variieren. Man scrollt durch den digitalisierten Raum, kann sich drehen, nach oben und unten wenden, vor- und zurückgehen, teilweise sogar Details heranzoomen, wie man es in der Realität nicht könnte. Möglich ist dies am Bildschirm oder auch, noch einen Schritt weiter, mit VR-Brille.

Büro der Firma Leonhard von blocher partners
Im virtuellen Modell kann man sich mit dem Mauszeiger frei durch die Büros der Firma Leonhard bewegen.

Neue Kommunikationsebene mit Zusatzinformationen

Ein Büro, das schon seit über drei Jahren in der Kommunikation auf die Anwendung immersiver Raummodelle setzt, ist blocher partners. „Virtuelle 360°-Rundgänge sind mehr als nur eine unterhaltsame Ergänzung zur klassischen Projektdokumentation“, berichtet Angela Kreutz, Partnerin und Head of Corporate Communication des Büros. „Wir setzen das neue Format gerne ein, um statische Räume interaktiv erlebbar zu machen. Es bietet auch die Möglichkeit, eine ganz neue Kommunikationsebene zu eröffnen.“ Sie erklärt: „Weiterführende Informationen und multimedialer Content lassen sich attraktiv an den entsprechenden Touch-Points einbinden, ganz egal ob Text, Fotos, Videos oder Weblinks. So lassen sich die originären Leistungen der Architektur in ein neues Format integrieren.“

Mittlerweile setze man die Technologie etwa auch für Workspaces und Veranstaltungszentren ein, da so nicht nur die Innenarchitektur optimal in Szene gesetzt werden könne, sondern sich auch architektonische Umbaumöglichkeiten in den Innenräumen allgemein verständlich veranschaulichen ließen.

<<< Jump Mark: 360 >>>
Probieren Sie es hier selbst aus!

Die Technik dahinter: 360°-Kamera und Software

Erstellt werden solche Modelle mithilfe spezieller Software und Hardware. Die wesentlichen Grundschritte sind einfach umschrieben: Eine 360°-Kamera erfasst einen realen Innenraum in einem 3D-Panoramascan von verschiedenen fixen Standorten aus. Die Aufnahmen werden dann von der Software zum maßgenauen digitalen Abbild zusammengefügt. Dank passender Apps, etwa Matterport Capture, kann sogar das eigene Smartphone zum Aufnahmegerät werden.

Einfacher ist es allerdings, einen Profi mit den Aufnahmen zu beauftragen. Bei blocher partners übernimmt dies die Schwestergesellschaft des Büros, typenraum, die schon seit Mitte der 2000er-Jahre auf Kommunikation für Objekte, Marken und insbesondere Räume spezialisiert ist und für das Büro alles begleitet, was die gebauten Räume betrifft, von der gesamten Objektfotografie bis zu den 3D-Rundgängen.

3D-Modell mit Zusatzinformationen über Videos
Das 3D-Modell kann Zusatzinformationen wie Links, Videos oder Bildunterschriften enthalten.

Was kosten interaktive Raummodelle?

Wie jede neue Technologie bedeuten immersive 3D-Modelle allerdings einen nicht unbeträchtlichen Kostenfaktor, der bei der Software beginnt und bei Zeit- und gegebenenfalls sogar Personalkosten im eigenen Haus endet. Wer selbst Hand anlegen möchte, kann zumindest die Software schon recht günstig erwerben: Ein Anbieter wie Matterport bietet gestaffelte Abonnements mit unterschiedlichen Leistungspaketen an, die bei neun Euro im Monat beginnen. Im Schnitt werden für ein Business-Paket rund 60 Euro monatlich fällig. Auch eine eingeschränkte Gratis-Version ist verfügbar. Hinzu kommen die Kosten für die Hardware, also die 360°-Kamera.

Individuelles Raumerlebnis

Für wen also lohnt sich die neue Technologie? Sind Fotografien, Modelle und Pläne nicht ausreichend für die Darstellung und Vermittlung von Architektur? „Virtuelle Touren, wie wir sie anbieten“, erläutert Angela Kreutz, „haben gegenüber klassischen Materialien wie Fotos und Plänen viele Vorteile. Sie vermitteln ein lebendiges und individuelles Raumerlebnis und geben dem Nutzer die Gelegenheit, sich die Räume selbst zu erschließen – jederzeit und überall sowie auf allen Endgeräten.“ Man könne die Gebäude und Räume nicht nur aus allen Blickwinkeln betrachten, sie gäben dem Nutzer auch das Gefühl, vor Ort zu sein, und lüden zum aktiven Erkunden der virtuellen Umgebung ein, schließt Kreutz.

Besuchen Sie hier ein weiteres Projekt von blocher partners:

Architektur zeit- und ortsunabhängig vermitteln

Hinzu kommen Aspekte, die sich nach der Pandemie-Erfahrung und mit Blick auf den Klimawandel hervorheben lassen: In 3D können sich Räume zeit- und ortsunabhängig erleben lassen, man muss nicht mehr reisen, spart Zeit und Energie und vermeidet Emissionen. Außerdem kann das 3D-Modell weitergedacht werden, sodass neue kommunikative Möglichkeiten denkbar sind: Es lassen sich etwa weitere Informationen integrieren wie „Bildunterschriften“, die beim Mouseover aufscheinen und den Raumspaziergang noch interaktiver werden lassen.

Zudem kann das maßstabsgetreue Modell vermessen werden. Darüber hinaus lassen sich auch BIM-Daten integrieren und Informationen verfügbar machen – vorstellbar ist hier vom Immobilienkunden über das Facility-Management bis hin zu virtuellen Meetings vieles.

Für wen lohnen sich interaktive Raummodelle?

Abzuwägen bleibt freilich, für welche Bauten und Verwendungszwecke so etwas geeignet ist. Angela Kreutz hebt hervor, dass das digitale Navigieren dafür sorgt, dass der Betrachter das Gefühl für einen Raum bekommt, ihn kennenlernen kann. Im Alltag gebe es dafür viele Einsatzmöglichkeiten: „Makler und Projektentwickler können sich ein zusätzliches Kundenpotenzial erschließen. Der Endverbraucher macht sich ohne großen Aufwand ein Bild und der Architekt besucht Räume, die er sonst aus Zeitgründen nicht besuchen könnte“, so Angela Kreutz. „Und für uns als Architekturbüro hat sich damit ein weiteres Geschäftsfeld eröffnet, da unsere Agentur die Leistung auch für externe Kunden, zum Beispiel aus dem Immobilienbereich, anbietet.“

Dr. Simone Kraft ist Fachjournalistin und ­Expertin für Architektur-Kommunikation

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