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[ Nachwuchs-Kolumne #112 ]

Praktikum auf der Baustelle: Akademiker:innen ins Handwerk!

Wer nach dem Architekturstudium nicht nur entwerfen, sondern auch bauen will, sollte das Bauhandwerk kennenlernen. Doch ein Baupraktikum gibt es an vielen Unis gar nicht mehr

Ein verzweifelter Architekt beugt sich auf einer Baustelle über seinen Plan.
Baufehler machen unglücklich, sind teuer und schlecht für die Umwelt.

Von Lorenz Hahnheiser

Über 50 Prozent des Abfalls in Deutschland entfallen auf die Bereiche Bau und Abbruch. Ein Teil davon ist auf Baufehler zurückzuführen. Moderne BIM-Methoden versuchen, diese durch eine vernetzte Planung vorzubeugen. Menschliches Versagen kann dabei dennoch nicht ausgeschlossen werden. Ein Verständnis für die Praxis auf der Baustelle hilft uns Planer:innen Fehler zu verhindern und Entwürfe nicht zu verkomplizieren. Hat Handwerk aber überhaupt noch einen Platz in der architektonischen Ausbildung?

Es gibt keine Baustelle, die reibungslos läuft

Auf einer Party erzählte mir ein Sanitärtechniker, er habe in einem Bad dreimal die Installation neu machen müssen, weil der Architekt die nötigen Abstände nicht beachtet hatte und die zukünftigen Eigentümer:innen Änderungswünsche einbrachten. Die sollten mitten im Geschehen auf der Baustelle natürlich noch umgesetzt werden. Hier wurde noch die Elektrik umgelegt, da war ein Lüftungsrohr noch nicht bedacht. Die Umplanung von Architekt:innenseite übertrumpfte die im Prozess von den Gewerken getroffenen Absprachen. Solch ein Vorgehen frustriert nicht bloß das Handwerk, es verschwendet vor allem Ressourcen.

Wer plant, sollte auch die Baupraxis kennen

Die ideale Baustelle hat eine vorausschauende, nachfragende Planung und eine aufmerksame Aufsicht. Um eine flüssige Kommunikation mit und zwischen den Gewerken zu ermöglichen, müssen Architekt:innen auf der Baustelle auch fähig sein, die Perspektive der anderen Akteur:innen einzunehmen. Änderungswünsche der Kund:innen zu antizipieren und im richtigen Moment das eigene baupraktische Wissen infrage stellen können, braucht selbstverständlich Berufserfahrung.

Im Studium können Design-and-Build-Kurse oder erste eigene Projekte helfen, zu einem besseren Verständnis zum handwerklichen Detail zu finden. Aber was ist eigentlich aus dem Praktikum auf der Baustelle geworden?

Was ist aus dem Baupraktikum geworden?

An vielen Hochschulen ist im Bachelor gar kein Praktikum mehr nötig und für den Master reichen in der Regel drei Monate im Architekturbüro. Nur wenige Unis fordern explizit ein Praktikum auf der Baustelle. Eigentlich müssten praktizierende Architekt:innen einmal in allen Gewerken mitgearbeitet haben. Dann könnte im richtigen Moment das entsprechende Handwerk gefragt werden, ob die Planung für plausibel gehalten wird – oder wahrscheinlich ausgerissen und neugebaut werden muss. Die Bauwelt würde sicher ein gutes Stück effizienter mit Ressourcen umgehen.


Lorenz Hahnheiser hat sein Bachelor-Architektur Studium an der Leibniz Universität Hannover abgeschlossen, nutzt die Zeit vor dem Master für erste Bauerfahrungen und engagiert sich bei der Nachwuchsorganisation nexture+.

Die Nachwuchs-Kolumnen des DAB schreibt ein junges Team, weitere Autor:innen sind Johanna Lentzkow, Fabian P. Dahinten und Johanna Ziebart.

Wie sind Eure Erfahrungen als Architektur-Studierende oder Berufseinsteiger? Hinterlasst uns einen Kommentar auf dieser Seite oder schreibt uns unter DAB-leserforum@handelsblattgroup.com.

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