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Dark Matter: wo Licht, Sound und Raum zusammentreffen

In Berlin verdichtet Christopher Bauder 15 Jahre seiner Arbeit erstmals an einem festen Ort. Die Reise führt von intimen kleinen Lichtkompositionen über begehbare interaktive Objekte bis hin zu raumfüllenden, audiovisuellen Lichtshows. Die Ausstellung bleibt zwar, wird sich über die Zeit aber verändern.

Von Lars Klaaßen

Der Künstler Christopher Bauder, bekannt für seine Werke, die Bewegung und Raum zelebrieren, hat sich nun fest verortet. Seine Installationen aus Licht, Klang und geometrischen Formen beeindruckten meist auch aufgrund ihrer weit ausgreifenden Dimensionen, traten bislang aber immer nur temporär in Erscheinung. Etwa am 9. November 2014 – zum 25-Jährigen des Mauerfalls: 8.000 leuchtende Ballons stiegen entlang des ehemaligen Todesstreifens als sich verflüchtigende Lichtgrenze in den Himmel über Berlin.

Dark Matter Grafik der Räume
In sieben Räumen und dem Foyer sind die Arbeiten von Christopher Bauder zu sehen. Grafik: Till Beckmann

Dark Matter ist erste dauerhafte Präsentation

Mit Dark Matter hat Bauder sich nun in Berlin-Lichtenberg eine bleibende Adresse für seine Kunstwerke geschaffen, von denen einige noch nie gezeigt wurden. Die Dauerinstallation öffnete im Frühsommer 2021: ein Parallelkosmos aus raumgreifenden Lichtinstallationen in dem die Grenzen zwischen realer und digitaler Welt verschwimmen.

Eine so groß dimensionierte Arbeit wie etwa Skalar, die im Kraftwerk Berlin zu sehen war, erwartet die Besucherinnen und Besucher in der Ausstellung nicht. Stattdessen werden sie in dunkle, teils kleine Räume geführt, wo fokussierte Destillate erfahrbar werden, die sich mit Licht und Bewegung auseinandersetzen.

Sieben unterschiedliche Räume

Die sinnliche Reise führt auf 1000 Quadratmetern eines ehemaligen Fabrikgeländes durch sieben pechschwarz gestrichene Innenräume. Darin verschmelzen Licht, Bewegung und Klang zu emotionalen Choreografien aus leuchtenden Formen und Farben: von intimen kleinen Lichtkompositionen über begehbare interaktive Objekte bis hin zu raumfüllenden, audiovisuellen Lichtshows mit weltweit einzigartigem 3D-Soundsystem. Jeder Raum entfaltet dabei eine ganz eigene individuelle Atmosphäre.

Christopher Bauder vor Lichtkunstwerk
Christopher Bauder, Foto: Josue Casasola

Lichttechnik und Software selbst entwickelt

Das Konzept für Dark Matter hat der Lichtkünstler Bauder, wie schon bei früheren Installationen, mit seinem Designstudio WHITEvoid entwickelt. Einen Großteil der für die künstlerisch erwünschten Effekte nötigen Lichttechnik haben Bauder und sein Team selbst entwickelt. Mit der Firmenausgründung Kinetic Lights wird dieses Know-how inzwischen vermarktet. Im Wesentlichen sind es hängende Leuchtelemente (oder auch Spiegel) in unterschiedlichsten Formen, die mit Hilfe von computergesteuerten Motorseilwinden synchronisiert in Bewegung versetzt werden. Über eine eigene Software kann jeder Lichtpunkt einzeln in Lichtfarbe und Position programmiert werden.

Sound präzise auf den Raum ausgerichtet

Den Sound liefern die Berliner Audio-Spezialisten von Holoplot: in Studioqualität für den gesamten Publikumsbereich. Akustische Beams können per Mausklick konfiguriert sowie präzise dreidimensional im Raum nur dorthin projiziert werden, wo Sound gewünscht ist. Auch lebensechte, exakt lokalisierbare Klangobjekte lassen sich erzeugen.

„Die Ausstellung ist ein lebender Organismus, der sich über die Zeit verändern und wandeln wird“, erläutert Bauder. „So werden immer wieder neue wechselnde Installationen die Dunkelheit der Ausstellungsräume erhellen.“ Dark Matter bleibt also trotz fester Adresse flüchtig und immer in Bewegung – eine Vision, die nur für kurze Momente reale Formen annimmt.

Dark Matter Lichtdecke in Wellenform
LIQUID SKY, Foto: WHITEvoid

Raum 1: Liquid Sky

Liquid Sky besteht aus über 800 einzelnen Lichtpunkten, die in ihrer Gesamtheit eine zusammenhängende Oberfläche bilden. Durch die Verspiegelung des Raumes entsteht ein endloser Lichthorizont, der wie ein Himmel aus flüssigem Licht zu funkeln scheint.


Dark Matter schwarze Kugeln an Seilen
INVERSE, Foto: WHITEvoid

Raum 2: Inverse

Inverse vereint 169 bewegte schwarze Kugeln zu einer lebendig scheinenden Einheit. Monochromatisch, teilweise bedrohlich in seiner Anmutung, hebt sich das düstere Ensemble dabei scherenschnittartig vom hellen Hintergrund ab.


Dark Matter hängende Ringe
CIRCULAR, Foto: WHITEvoid

Raum 3: Circular

Circular ist ein hypnotisches Ballett aus drei Lichtringen, die in der Leere der Dunkelheit einen schwerelosen Tanz aufführen. Im Einklang mit der elektronischen Partitur befinden sie sich dabei in einem kontinuierlichen Wechselspiel von Einheit und Individualität.


Dark Matter Tonleiter mit Besuchern
TONLEITER, Foto: WHITEvoid

Raum 4: Tonleiter

Tonleiter ist eine mit Sensoren erweiterte Haushaltsleiter, die sich in ein echtes Musikinstrument verwandelt. Drei vermeintlich gewöhnliche Leitern wurden wörtlich zu Tonleitern umfunktioniert: Tritt man auf eine Sprosse oder berührt sie mit der Hand, entsteht Klang oder Rhythmus, der von Stufe zu Stufe variiert. Die Summe des Ganzen kann sich zu einem clubartigen Sound auswachsen. (Auch für Kinder zu empfehlen)


Dark Matter Leuchtstoffröhren als Feuer
BONFIRE, Foto: Ralph Larmann

Raum 5: Bonfire

Bonfire simuliert mit den Mitteln moderner Technologie eine ganz archaische Institution: das Freudenfeuer. Die Installation samt Liegestühlen erzeugt mit digitaler Technik die Illusion des wohligen Gefühls, gemeinsam mit Freunden an einem Lagerfeuer unter sternenklarem Himmel zu sitzen.


Dark Matter weiß strahlender Berg
POLYGON PLAYGROUND Foto: WHITEvoid

Raum 6: Polygon Playground

Polygon Playground übersetzt ein im Computer erzeugtes Objekt auf einen Kletterberg in den realen Raum. Eine nahtlose 360-Grad-Projektion bespielt die Oberfläche wie eine digitale Haut, die über Sensoren auf die Bewegungen der auf- und absteigenden Besucher*innen reagiert. (Auch für Kinder zu empfehlen)


Dark Matter blau leuchtende Dreiecke
GRID, Foto: WHITEvoid

Raum 7: Grid

Im größten Raum werden Kinetik, Licht und elektronische Musik zu der riesigen, audiovisuellen Raumskulptur Grid komponiert, die über den Besuchern zu schweben scheint. Die audiovisuelle Installation versinnbildlicht das immer stärkere Verschmelzen des Digitalen mit dem Physischen, ist dabei präsent und flüchtig zugleich.


Dark Matter

Köpenicker Chaussee 46
10317 Berlin – Lichtenberg
(Nicht zu verwechseln mit dem Kraftwerk Mitte in der Köpenicker Straße, wo Skalar gezeigt wurde)

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