DABonline | Deutsches Architektenblatt
Menü schließen

Rubriken

Services

Menü schließen

Rubriken

Services

Zurück
[ Software ]

Digitale Feuer-Ware

Für Flucht- und Rettungspläne sowie für Brandschutzkonzepte eignen sich CAD- oder Grafikprogramme nur bedingt. Spezielle Software verspricht weniger Arbeit und mehr Sicherheit

Von Marian Behaneck

Häufig werden Flucht- und Rettungspläne oder Brandschutzkonzepte mit im Büro vorhandener CAD-, Grafik- oder Office-Software erstellt. CAD-Programme bieten dafür wichtige Funktionen, wie die automatische Raumkonturerkennung oder transparente Farbflächen. Der Geschoss-Schemaplan lässt sich aus den Planungsdaten generieren und die Symbolik (sofern nicht optional erhältlich) online herunterladen und gegebenenfalls individuell anpassen. Doch es können sich schnell Fehler einschleichen, weil spezielle Funktionen, wie die automatische Erstellung von Planlegenden, Vorlagen oder Plausibilitätsprüfungen, fehlen. Außerdem braucht man häufig länger als nötig. Fehlen etwa normgerechte Brandschutzsymbole oder funktioniert die Raumkonturerkennung nicht, werden Flucht- und Rettungspläne schnell zum Geduldspiel.

Spezielle Software für Flucht- und Rettungspläne sowie für Brandschutzkonzepte unterstützt Planer dagegen bei der korrekten Erstellung. Eingabemasken und strukturierte Abfragen sorgen dafür, dass Wichtiges nicht vergessen wird, kontextbezogene Hilfetexte erläutern Abfragen, Vorgabewerte beschleunigen die Eingabe. Flucht- und Rettungsplansoftware bietet vor allem im Hinblick auf eine normgerechte Planerstellung (Symbolik, Schrift-/Symbolgrößen, Farben etc.) und eine automatische Legenden- oder Übersichtsplan-Generierung Vorteile.

Wegweisend: Im Ernstfall verhindern Feuerwehr-, Flucht- und Rettungspläne sowie ausgeklügelte Brandschutzkonzepte Schlimmeres.

Flucht- und Rettungspläne Schritt für Schritt

So unterschiedlich Programme für die Flucht- und Rettungsplanung im Einzelnen auch sind – die prinzipielle Vorgehensweise ist ähnlich: Zunächst wird der Gebäudegrundriss entweder mit den Zeichen- und Konstruktionswerkzeugen des Programms (Wände, Türen, Fenster, Treppen etc.) gezeichnet oder es wird ein vorhandener Grundriss per DXF-, DWG-, teilweise auch PDF-Schnittstelle importiert und – auf den späteren Planstandort bezogen – ausgerichtet. Teilweise können auch gescannte Grundrisse als Zeichenvorlage eingelesen werden. Allerdings müssen Räume beziehungsweise Flächen dann „nachgezeichnet“ werden, was teilweise auch für importierte DXF-/DWG-Pläne gilt. Danach werden die Fluchtwege gekennzeichnet. Da „transparente“ Farben verwendet werden, bleiben darunterliegende Planinformationen erkennbar. Aus einer übersichtlich strukturierten, individuell erweiterbaren Bibliothek für Rettungs- und Brandschutzzeichen werden danach die entsprechenden Symbole entnommen und in den Plan eingefügt. Automatismen achten dabei darauf, dass die Symbole stets eine zum gewählten Maßstab passende Größe haben und immer aufrecht stehen. Abschließend werden automatisch oder manuell erstellte Planlegenden und Verhaltenstafeln eingefügt. Ein Übersichtsplan, ein Planstempel, ein Firmenlogo sowie ein Planrahmen komplettieren den Flucht- und Rettungswegeplan. Automatismen und Programm-Assistenten rationalisieren die Planerstellung. Auch die Planlegenden-Generierung ist einfach: Dazu werden vorbereitete, fertig beschriftete Standard-Legenden in den Plan eingefügt und dem aktuellen Plan angepasst. Eleganter ist eine automatisch generierte Legende, die alle im Plan verwendeten Symbole berücksichtigt. Das spart Zeit und vermeidet Fehler. Der fertige Plan kann zur Korrektur auf Windows-Druckern ausgegeben werden. Für den Planaushang empfiehlt es sich allerdings, einen professionellen Druckereibetrieb oder einen Online-Druckservice zu beauftragen, dem sich per PDF-Exportfunktion die Daten in der Regel reibungslos übermitteln lassen. Dieser gibt die Pläne mit lichtbeständiger Druckfarbe auf verzugsfreiem Material, wie laminiertem Papier oder Folie, aus und rahmt sie.

Brandschutzkonzepte erfordern Flexibilität

Brandschutzkonzept-Software muss vorgegebenen Strukturen folgen, damit Wichtiges nicht vergessen wird, zugleich aber auch flexibel sein. Der Stammdateneingabe (Entwurfsverfasser, Bauherr, Bauvorhaben, Grundstücks- und Gebäudedaten etc.) folgt die brandschutztechnische Einstufung des Objektes, bei der Flächen, Geschosse, Grenzabstände, die Nutzungsart und andere Spezifikationen abgefragt werden. Danach wird ein Musterkonzept erzeugt, das anschließend an das konkrete Projekt individuell angepasst wird. Bereits bearbeitete oder noch offene Punkte werden ebenso gekennzeichnet wie Abweichungen, die sukzessive abgearbeitet werden können. Erläuternde Texte lassen sich ebenso einfügen wie eigene Bilder, Grafiken oder Pläne, die man durch Symbole, Kommentare oder Linien ergänzen kann. Die Anwenderangaben werden ausgewertet und auf Konformität mit allen relevanten Regelwerken überprüft und validiert. Danach wird der aus einem Erläuterungsbericht mit Textteil, einer tabellenförmigen Festlegung von Anforderungen, Planunter­lagen und Abbildungen bestehende Brandschutznachweis generiert. Eine Vorschaufunktion macht die wahlweise ein- oder zweiseitige Druckausgabe (Duplexdruck) komfortabler. Der fertige Brandschutznachweis kann als PDF-Dokument oder im RTF-Textformat exportiert werden, sodass er per E-Mail versandt oder mit Textverarbeitungs-Programmen weiterbearbeitet werden kann.

Programme im Überblick

Das Marktangebot für die verschiedenen Aufgaben ist sehr unterschiedlich: Es gibt etwa zehn Programme für die Erstellung von Flucht- und Rettungsplänen. Dagegen fand sich für die Erstellung von Brandschutzkonzepten nur ein Programm, der Brandschutznachweis von Weise Software. Dabei ist der Bedarf vorhanden – gehören doch Brandschutznachweise zu den aufwendigen Planerleistungen. Allerdings sollte die Software mit ihrer vorgegebenen Struktur nicht nur Standardobjekte abdecken, sondern so offen und flexibel sein, dass man damit beispielsweise auch Industriebauten oder Denkmalschutzobjekte nachweisen kann. Ansonsten greifen Planer doch lieber zu Office-Werkzeugen.

So unterschiedlich wie das Angebot ist auch der Bedienkomfort. Die Raumkonturerkennung innerhalb importierter DXF-/DWG-Pläne funktioniert bei einigen Programmen problemlos. Bei anderen müssen Räume beziehungsweise Flächen „nachgezeichnet“ werden. Unterschiedlich ist auch die Planlegenden-Generierung: Während einige Programme die Legenden automatisch aus der aktuellen Zeichnung erzeugen, muss bei anderen eine „Standardlegende“ individuell angepasst werden. Erhebliche Unterschiede gibt es auch im Preis, der zwischen 250 und über 2.500 Euro liegt, wobei bei modularen CAD-Aufsätzen, wie dem DDS-FR oder ViCADo.flucht+rettung, die Kosten für das jeweilige CAD-Programm hinzukommen. Die folgende Kurzvorstellung aktueller Programme erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit (Produktübersicht am Textende):

Die aus einer meist individuell erweiterbaren Bibliothek ausgewählten Symbole und Brandschutzzeichen lassen sich häufig per drag & drop in den Plan einfügen.

Das Programm Feuerwehr-, Flucht- und Rettungspläne kommt ohne CAD-Basissoftware aus, denn es enthält einen eigenständigen Zeichnungseditor inklusive einer Symbol-Bibliothek mit allen Symbolen nach DIN 23601 und DIN 4844-2. Ein DXF-/DWG-Import von bereits vorhandenen Plänen ist bis einschließlich AutoCAD 2010 möglich. Auch das Programm Fluchtplan enthält einen eigenen Zeichnungseditor inklusive DXF/DWG-Import und kompletter Symbolik, um Flucht- und Rettungspläne sowie Feuerwehrpläne normgerecht und mehrsprachig erstellen zu können. Vom gleichen Anbieter stammt die Software Brandschutznachweis, mit der Brandschutznachweise nach Gebäude- oder Höhenklassen und Sonderbauten für alle 16 Bundesländer erstellt sowie komplexe Nachweise nach Muster-Industriebaurichtlinie bearbeitet werden können. Die rund 650 Symbole umfassende Datenbank Flucht, Rettung, Feuerwehr erweitert das hochbauspezifische CAD-Programm CasCADos um die Möglichkeit, normgerechte Flucht- und Rettungspläne erstellen zu können. Fluchtplan plus gehört ebenfalls zu den „Komplettprogrammen“: Mit dem integrierten Zeichnungseditor und alternativem DXF-Import lassen sich Flucht- und Rettungs- und Feuerwehrpläne generieren, wobei diverse ­Automatismen, wie die Legendengenerierung, die Bearbeitung beschleunigen. MegaCAD Feuerware ist eine auf der 2-D- CAD-Software MegaCAD basierende Applikation zum Erstellen von Feuerwehrplänen, Flucht- und Rettungsplänen, Feuerwehrlaufkarten etc., die über 450 normgerechte Symbole enthält. SPIRIT BrandSP ist eine CAD-Software für die Erstellung von Flucht- und Rettungsplänen, Feuerwehrplänen sowie Plänen für Brandschutzkonzepte. Alle genutzten Symbole nach DIN EN ISO 7010 und DIN 14034-6, Zeichenstile und Bauteile werden in einer Legende zusammengefasst. Tenado Protect ist ebenfalls eine auf einem 2-D-CAD-Programm (Tenado CAD) basierende Lösung für die Generierung normgerechter Flucht- und Rettungspläne, Alarm-, Meldeanlagen-, Feuerwehr- und Katastrophenschutzpläne, Hydrantenkarten und Feuerwehrlaufkarten. ViCADo.flucht+rettung schließlich ist ein Zusatz-Objektkatalog, mit dem sich die 3-D-CAD-Software ViCADo für die Architektur- und Ingenieurplanung um die Funktion der Flucht- und Rettungsplan-Generierung erweitern lässt.

Marian Behaneck ist freier Fachjournalist in Jockgrim (Pfalz).

 

 

Regelwerke, Quellen und Literaturhinweise

[1] DIN ISO 23601: Sicherheitskennzeichnung – Flucht- und Rettungspläne (ISO 23601:2009), Beuth/Berlin, Dezember 2010

[2] DIN 4844-1: Graphische Symbole – Sicherheitsfarben und Sicherheitszeichen –  Teil 1: Erkennungsweiten und farb- und photometrische Anforderungen, Beuth/Berlin, Juni 2012

[3] DIN 4844-2: Graphische Symbole – Sicherheitsfarben und Sicherheitszeichen –  Teil 2: Registrierte Sicherheitszeichen, Beuth/Berlin, Dezember 2012

[4] DIN 14034-6: Graphische Symbole für das Feuerwehrwesen – Teil 6: Bauliche Einrichtungen, Beuth/Berlin, März 2013

[5] ArbStättV: Verordnung über Arbeitsstätten (Arbeitsstättenverordnung – ArbStättV), Beuth/Berlin, August 2004

[6] ASR A 1.3: Technische Regeln für Arbeitsstätten – Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung, Beuth/Berlin, Februar 2013

[7] ASR A 2.3: Technische Regeln für Arbeitsstätten – Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan, Beuth/Berlin, August 2007

[8] DIN EN ISO 7010: Graphische Symbole – Sicherheitsfarben und Sicherheitszeichen – Registrierte Sicherheitszeichen (ISO 7010:2011), Beuth/Berlin, Dezember 2012

[9] DIN 14095: Feuerwehrpläne für bauliche Anlagen, Beuth/Berlin, Mai 2007

[10] DIN 14096: Brandschutzordnung – Regeln für das Erstellen und das Aushängen, Beuth/Berlin, Mai 2014

 

Weitere Infos im Web*

www.bgbau-medien.de                     Aushilfen und Formulare, Sicherheitszeichen

www.baua.de                                     Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit

www.feuertrutz.de                             Verlag für Brandschutzpublikationen

www.safetyconsult.de                        Dienstleister mit vielen Infos

www.DABonline.de                          DABthema Brandschutz

Produkte und Anbieter*

Brandschutznachweis                                     www.weise-software.de

Feuerwehr-, Flucht- und Rettungspläne        www.weka.de

Fluchtplan                                                       www.weise-software.de

Fluchtplan Plus                                              www.hnc-datentechnik.de

Flucht, Rettung, Feuerwehr                           www.firstinvision.de

MegaCAD Feuerware                                    www.megatech.de

SPIRIT BrandSP                                               www.softtech.de

Tenado Protect                                              www.technobox.de

ViCADo.flucht+rettung                                  www.mbaec.de

 

* Auswahl, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, Stand: 06/19

Schreibe einen Kommentar