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[ Nachwuchs-Kolumne #186 ]

„Der Kies muss weg“: Ein Buch für bessere Gärten

Schottergärten und Kiesschüttungen verschandeln Einfamilienhaussiedlungen erheblich. Und sie haben noch mehr Nachteile. Tjards Wendebourg schreibt gegen die Steinwüsten an. Eine Buchbesprechung.

Ein Schottergarten voller Kies, in der eine bunte Figur in Katzenform steht.
Paradox: Soll die kunterbunte Katze den konsequent grauen Vorgarten voller Schotter etwas farbenfroher machen?

Von Luisa Richter

Ich bin in einem Berliner Vorort aufgewachsen. Zahlreiche Einfamilienhäuser sind über die Jahre dort entstanden. Gerade bei den weihnachtlichen Besuchen denke ich mir bei so einigen Vorgärten voller Kies: „Ach Mensch, die wertvolle Fläche hätte man lieber anders gestalten sollen. Und kann man das überhaupt ‚Gestaltung‘ nennen?!“ Oft reihen sich großzügige Kiesschüttungen an breitgepflasterte Einfahrten und dies wiederholt sich Straße um Straße.

So ging es wohl auch Tjards Wendebourg, als er das Buch „Der Kies muss weg“ geschrieben hat. Ein Buch, das meine sehr gartenaffine Mama gekauft hat, um besser gegen die vermeintliche „Vorgartengestaltung“ argumentieren zu können. Ihr schallendes Lachen, als sie der gesamten Familie vorlas, ein Landschaftsgärtner hätte eine Beschwerde eines Kunden bekommen, sein Rasen sei umgefallen. Wie sich herausstellte sei dem Kunden die Notwendigkeit des Mähens nicht bekannt gewesen, schreibt Tjards Wendebourg: „Klingt absurd, ist aber so passiert.“

Ein humorvoller Weg aus der Steinwüste heraus

Mit viel Humor und einer Prise Sarkasmus erläutert Tjards Wendebourg in „Der Kies muss weg“ auf knapp hundert Seiten, wie es überhaupt dazu kam, dass derartige Steinwüsten zu einem Trend werden konnten. Daraufhin erläutert er, welche Probleme damit einhergehen und stellt schließlich alternative Gestaltungen vor.

Außerdem ermahnt der Autor die Fachwelt, denn viel zu oft empfehlen Gärtner:innen den vermeintlich pflegeleichten Garten mit Kies. Wie kann es dazu kommen? Hier möchte ich direkt aus dem Buch zitieren: „Jungen Menschen das Pflanzenwissen vorzuenthalten, nur weil es zu viel Arbeit bedeutet, es zu erlangen, ist gerade so, als würden Medizinerinnen und Mediziner im Studium nur noch die zehn wichtigsten Krankheiten und Symptome studieren, um am Ende ihren Abschluss zu schaffen.“

Schottergarten mit kunstvoll geformten Bäumen
Auch einzelne Pflanzen machen eine Schotterfläche noch nicht zum Garten. Ein Garten muss natürlich begrünt sein. So definieren es Bauordnungen und Gerichtsurteile.

Mit Postkarte und QR-Code gegen Kies

Für viel Belustigung sorgt in meiner Familie auch die praktische Postkarte am Ende des Buches „5 steinharte Argumente gegen Kies- und Schottergärten“, mit QR-Code zum Ausdrucken, damit noch mehr Nachbarn mit Umgestaltungstipps beglückt werden können. Die Karte führt auf, dass ein Schottergarten oder Kiesgarten

  1. nicht pflegeleicht ist, da sich Samen und Algen schnell ansiedeln.
  2. zum Artensterben beiträgt, da Lebensräume für Insekten und somit auch für Vögel verloren gehen.
  3. den Klimawandel verstärkt, da sich besonders dunkle Steine im Sommer stark erhitzen und die Umgebungstemperaturen erhöhen. Häufig sterben dann die wenigen verbliebenen Pflanzen durch die erhöhte Sonneneinstrahlung ab.
  4. einsam macht, da Kies- und Schotterschüttungen wenig einladend wirken, während mehr Grün für Entspannung und Wohlbefinden sorgt.
  5. zu mehr Vandalismus führt, da viele kleine Steine gerade Kinder auf dumme Gedanken bringen können und sie perfekte Wurfgeschosse darstellen.

Echte Kiesgärten waren anders gemeint

Tjards Wendebourg zeigt in seinem Buch auch, dass simple Kiesschüttungen und echte Kiesgärten, eigentlich nichts miteinander gemein haben. So geht der Kiesgarten auf Beth Chatto aus dem südenglischen Elmstead zurück. Sie entwickelte 1960 aus einem verwilderten Ödland mit magerem Kiesboden einen Garten mit trockenheitsliebenden Pflanzen.

Während in Beth Chattos „Gravel Garden“ der Kies kaum wahrnehmbar unter den üppigen Stauden liegt, könnte der Trend, in den deutschen Vorgärten lebensfeindliche Steinwüsten zu schaffen, kaum weiterer von diesem Vorbild entfernt liegen. Anhand dieses Missverständnisses greift der Autor mögliche alternative Pflanzungen auf und zeigt humoristische Werbeanzeigen von GaLa-Bauunternehmen, die für eine Rückumwandlung der Vorgärten werben. Er beendet das Buch mit zehn starken Gegenargumenten, die als Schützenhilfe für die Überzeugung der Verwandtschaft oder Nachbarschaft dienen können.

Blühende Landschaften

Das Buch ist eine wirklich gute Lektüre, um den nächsten Verwandtschaftsbesuch mit starken Argumenten gegen Kies und Schotter zu begegnen. Es ist aber auch einfach eine gute Geschenkempfehlung für den nächsten Geburtstag oder die nächste Gartensaison.

Um es mit Tjards Wendebourgs Worten zusammenzufassen: „Man kann natürlich abwarten, bis uns Naturkatastrophen oder die Gesetzgebung zwingen, den Mist mit dem Schotter zu lassen, oder selbst die Initiative ergreifen und sich schon jetzt einen schönen und blühenden Vorgarten zulegen.“

Das Buchcover von "Der Kies muss weg!"Tjards Wendebourg
Der Kies muss weg!
Gegen die Verschotterung unserer Vorgärten
Ulmer, 2020
96 Seiten, 12,95 Euro
als E-Book 9,99 Euro

 

 

 


Luisa Richter absolvierte ihren Bachelor in der Landschaftsarchitektur an der Technischen Universität Berlin und studiert dort nun im Master weiter. Sie engagiert sich in der Bundesfachschaft Landschaft.

Die Nachwuchs-Kolumnen des DAB schreibt ein junges Team, weitere Autor:innen sind Fabian P. Dahinten, Johanna Lentzkow und Lorenz Hahnheiser.

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