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[ Innenarchitektur ]

Wie sieht das ideale Büro aus?

Mal abgesehen von Homeoffice, wollen immer mehr Unternehmen ihre Büroräume an moderne Arbeitsweisen anpassen. Doch es ist nicht damit getan, das alte Ideal durch ein neues zu ersetzen

roter Büroraum
Eine Arbeitskoje von REWE digital in Köln. Entwurf: Lepel & Lepel

Die Blaupause ist tot! Unsere Erfahrung mit der Schaffung neuer Arbeitswelten für Unternehmen mit hohem Digitalisierungsgrad zeigt, dass das alte Ideal des optimalen Büros als Vergleichsmuster nicht mehr trägt. In der Praxis sind die Erwartungen neuer Bauherrinnen und Bauherren zu Beginn oft von der Vorstellung „irgendwie offener Zonen“ und schriller Lounges geprägt. Der Schritt zu einer eigenständigeren Betrachtung ist jedoch einfacher, seitdem nicht nur in Architektur-, sondern auch in Managementmagazinen das Thema des individuellen Office propagiert wird. So verstehen viele im Laufe des Planungsprozesses, dass die Innenarchitektur ein gewichtiges Element für die Positionierung ihres Unternehmens ist, und eine sich fortschreibende Idee, also die Gestaltwerdung eines Gedankens.

Selbstbild einer Firma analysieren

Wenn wir das Selbstbild einer Firma analysieren, gewinnen wir deutlich mehr Aussagen über die DNA des Unternehmens als durch Momentaufnahmen in Form aktueller Bedürfnisse. Dabei arbeiten wir mit den Begriffen Strategie, Atmosphäre und Komfort.

Strategie betrifft die spezifische Arbeitsweise einer Firma und die Idee von ihrer Zukunft. Hier beantworten sich Fragen nach der gewünschten Kommunikation, der Verbindung von Analog und Digital und dem gesellschaftlichen Beitrag, den das Bürogebäude leisten soll. Die Strategie bestimmt letztendlich, wer im Unternehmen wofür Verantwortung übernimmt. So definierte sich beispielsweise „REWE digital“ (Foto) zunächst als externer Thinktank. Die Ansiedlung in einem anderen Stadtteil als dem des Mutterkonzerns unterstrich nicht nur eine eigene Kultur, sondern half auch, einen eigenen Arbeitsstil zu etablieren: agil, digital, schnell.

Die Atmosphäre wiederum betrifft das real erlebbare Umfeld. Das Ziel sind hier eigentlich immer Räume, die so gestaltet und ausgestattet sind, dass sie zu kollegialem und sozialem Miteinander einladen. Konkret sieht das branchen- und nutzerspezifisch dann sehr unterschiedlich aus: von chaotisch bis clean.

Komfort schließlich bedeutet nicht nur Bequemlichkeit am Arbeitsplatz. Der Raum soll ein Werkzeug für kreative und kommunikative Prozesse sein: funktional und schön. Er soll den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Angemessenheit und Wertschätzung vermitteln. Gute (Design-)Qualität, gesunde Baustoffe und nachhaltige Produkte gehören dabei zum erwartbaren Standard. Die Zeiten des luxuriös ausgestatteten Chefbüros und des nachlässig gestalteten Arbeitsbereichs sind definitiv vorbei. Der Stolz vieler Unternehmen ist heute das Team. Dies spiegelt sich in der Qualität der Durcharbeitung aller Arbeitsbereiche wider.

Architektonische Form für unternehmerisches Ideal

Aus der individuellen Idee – unserer als Architektinnen und Architekten und der des Unternehmens – entsteht das Idealbild des besten Büros für Mitarbeitende, Unternehmen und Gesellschaft. Idee und Ideal gründen sprachlich im griechischen Wort für „Gestalt“: Wir geben also die architektonisch gestaltende Antwort auf die unternehmerische Positionierung. Der individuellen Idee der Bauherrinnen und -herren steht dabei unsere eigene generelle Idee von „gut“ gegenüber: angemessen, freundlich, nachhaltig und flexibel, eine „Architektur der ­Freiheit“. Wenn sich diese mit der der Bauherrenschaft deckt, man sich vertraut und einander begeistern kann, entstehen die besten Ergebnisse: nachhaltig, schlau und schön, bestenfalls mit hohem Identifikationspotenzial. Letzteres ist umso höher, je klüger und gezielter die Nutzerinnen und Nutzer in die Planungen einbezogen werden.

So wurde beispielsweise bei EY Berlin in einem frühen Projektstadium eine „Social Innovation Group“ gegründet. Gezielt wurde dort vom Bauherrn, von den Nutzenden und uns als Planenden gemeinsam das ­geeignete Format der Mitarbeiterinnenbeteiligung aufgesetzt. Im Ergebnis schlugen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Lieblingsorte in der Stadt vor, um das Konzept „Diversity“ mit dem urbanen Kontext zu verbinden. Die Atmosphäre und Merkmale der Lieblingsorte übersetzten wir in Farb- und Materialcodes, die nun für besondere Bereiche den Ton angeben. Auf die Beratung zu solchen Prozessen verwenden wir zunehmend mehr Energie, was sich im Ergebnis auszahlt.

Für Architektinnen und Innenarchitekt­en, die sich grundlegend und gründlich mit Aufgaben auseinandersetzen und den Anspruch haben, ein originäres Werk zu schaffen, sind die Zeiten günstig, auf gleichgesinnte Auftraggeberinnen in sich massiv wandelnden Unternehmen zu treffen.

Monika Lepel, Innenarchitektin, Inhaberin Lepel & Lepel, Köln

 

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