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Ekkehard Fritz, Fachberater bei Bauder, über das Dämmen bei der Sanierung geneigter Dächer

Ekkehard Fritz ist staatlich geprüfter Holztechniker und leitet den Fachbereich Steildach der Firma Paul Bauder in Stuttgart.
Ekkehard Fritz ist staatlich geprüfter Holztechniker und leitet den Fachbereich Steildach der Firma Paul Bauder in Stuttgart.

Interview: Marion Goldmann

Welche Gründe veranlassen Bauherren und Immobilienbesitzer in erster Linie zur Sanierung von Steildächern?

Der Grund für eine Sanierung ist meistens der Wunsch oder die Pflicht zur Senkung eines zu hohen Energieverbrauchs. In der Regel ist der Baubestand dabei älter als 20 Jahre und die Wärmedämmung entspricht nicht den gesetzlichen Bestimmungen der Energieeinsparverordnung (EnEV). Wenn die Wärmedämmung nicht dem heutigen Stand der Technik entspricht, sind die Heizkosten zu hoch und der Wohnkomfort lässt zu wünschen übrig. Auch ein Dachausbau lohnt sich bei den heutigen Möglichkeiten und kann ein guter Anlass für eine Sanierung sein.

Ausgangspunkt einer jeden Sanierung ist die Bestandsaufnahme. Worauf kommt es dabei besonders an?

Die Dachkonstruktionen und der Dachaufbau sind sehr unterschiedlich und erfordern stets objektbezogene Lösungen. Die Bestandsaufnahme ist von zentraler Bedeutung, denn sie bildet die Basis für die Planung der passenden Sanierungslösung. Eine Kostenschätzung in der Altbausanierung ist aber schwierig, selbst bei umsichtiger Vorkalkulation. Die Untersuchung der Bausubstanz ist zeitintensiv, muss aber sein, denn sonst lässt sich die optimale technische Lösung nicht erarbeiten. Oftmals, vor allem bei älteren Gebäuden, ist eine Öffnung des Dachs von innen oder außen nötig, um später während der Maßnahmen böse Überraschungen zu vermeiden. Das ist aufgrund der in der Regel verbauten Dachstühle mühsam. So sind die Folgekosten für notwendige Reparaturen oder Ersatzmaßnahmen meist nur schwer zu schätzen. Es verlangt schon eine Meisterleistung des Architekten, diese Balance zu finden, damit der Bauherr zufrieden ist.

Welche Ziele verfolgt der Bauherr?

Einer Umfrage der Bausparkasse LBS zu den wichtigsten Zielen einer Sanierung aus dem Jahr 2012 zufolge steht der Wunsch nach dem Senken von Energie-kosten an erster Stelle. Das deckt sich mit unseren Erfahrungen. Den zweiten Platz nimmt die Steigerung des Wohnkomforts ein, der sich allerdings als Nebeneffekt aus einer verbesserten Dachdämmung ohnehin ergibt. Im Zuge einer Investition wollen Bauherren dann möglichst noch Fördermittel nutzen.

Welches Dämmniveau soll demnach angesetzt werden? EnEV oder möglicherweise mehr?

Nach EnEV 2014 gilt für zu sanierende geneigte Dächer ein U-Wert von 0,24 W/(m²·K). Beim Neubau liegt die Messlatte deutlich höher, und der Bauherr fragt sich, warum er ein schlechter gedämmtes Dach bekommen soll. Zu Recht, denn auch bei der Sanierung macht es durchaus Sinn, einen langfristig sinnvollen U-Wert zu erreichen, da die Nutzungszeit nicht nur neuer, sondern auch sanierter Dächer 30 bis 40 Jahre und länger beträgt. Das lohnt sich für Einsparung und Wohnwert. Wir plädieren deshalb für einen U-Wert von 0,14 W/(m²·K) als Minimum für eine langfristige, bezahlbare Lösung.

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Anschluss Sparrenauflager

Ein Detail, zwei Lösungen
Zur Herstellung der luftdichten Schicht müsste die Folie um jeden Sparren herum aufwendig eingeklebt werden. Alternativ können die Sparrenenden (links) abgeschnitten werden, so dass sich die Folie jetzt leicht und sicher verlegen und an die Außenwand anschließen lässt. Danach werden an die Enden der bestehenden Sparren kurze Stichsparren angesetzt. Traufe und Ortgang werden auf diese Weise außerdem extrem schlank ausgebildet, so dass die Wärmedämmung in dieser Ebene praktisch verschwindet und das Erscheinungsbild des Gebäudes durch die zusätzliche Dämmung kaum beeinträchtigt wird. Eine andere Möglichkeit zur Herstellung von Dachüberstand oder Gesims ist, einfach die Konterlatte, wie im rechten Bild dargestellt, auslaufen zu lassen.

Bei Altbauten ist es oft schwierig, die daraus resultierenden Dämmstoffdicken umzusetzen. Wie lässt sich dieser Zielkonflikt lösen?

Je nach Dämm-Methode und Dämmstoff, zum Beispiel mit einer wärmebrückenfreien Aufsparrendämmung aus PIR, lassen sich auch in der Sanierung Werte bis zum Passivhaus erzielen. Die erforderliche Dämmstoffdicke hängt von der Wärmeleitfähigkeit des Dämmstoffs ab. Bei der U-Wert-Zielgröße von 0,14 W/(m²·K) benötigt man mit dem BauderPIR-Dämmstoff der WLS 023 gerade einmal 16 Zentimeter. Das bringt in der Verarbeitung vor allem von Details, von Anschlüssen an Traufe, Ortgang, Dachüberstand und so weiter viele Vorteile. Denn je dünner, desto besser. Im Vergleich zu allen handelsüblichen Dämmstoffen schneidet PIR dabei am besten ab. Mineral- oder Steinwolle oder Holzfaser haben mit 035 bis 045 oder mehr eine wesentlich schlechtere WLS, dadurch werden doppelte Aufbauhöhen und mehr benötigt. Ganz zu schweigen vom bis zu achtfachen Gewicht. Da stößt nicht nur der Dachdecker an seine Grenzen, sondern auch die Statik muss gegebenenfalls nachgebessert werden.

Die Dächer vieler Bestandsgebäude verfügen bereits über eine Zwischensparren-Dämmung aus Mineralwolle und sollen jetzt nachgerüstet oder erneuert werden. Wie geht man damit um?

Eine alte Mineralfaserdämmung, die sauber eingebaut und voll funktionsfähig ist, wo sich beispielsweise zwischen Dämmstoff und Sparren keine Fugen gebildet haben, das Material trocken ist und kein Marderfraß festgestellt wird, kann weiter genutzt werden, wenn der Hausbesitzer das akzeptiert. Das erspart dem Bauherrn Ausbau- und Entsorgungskosten und auch viel Schmutz auf der Baustelle. Der neue Dämmstoff darüber muss so bemessen sein, dass sich die Taupunktebene im neuen Aufbau befindet. Das erfolgt üblicherweise mit einem bauphysikalischen Berechnungsprogramm. Wer ein schnelles Ergebnis benötigt, kann folgende Faustformel anwenden: Die Dicke der alten Dämmung, zum Beispiel acht Zentimeter, plus Additionsfaktor vier, ergibt zwölf Zentimeter für die zusätzlich neu zu verlegende Dämmung. Die Zahl des Faktors hängt von der Art des Dämmstoffs ab; vier steht für Polyurethan der WLS 023. Dieser Aufbau ergibt dann einen U-Wert von 0,14 W/(m²·K) und gewährleistet zugleich die Tauwasserfreiheit der Konstruktion. Eine schadhafte alte Dämmung muss in jedem Fall raus.

Die Dämmung ist aber nur eine von mehreren Funktionsschichten. Für einen energetisch wirkungsvollen Aufbau ist vor allem die Luftdichtheitsschicht entscheidend.Was ist zu tun, wenn bereits eine vorhanden ist?

Die Luftdichtigkeitsschicht ist häufig vorhanden, aber leider in vielen Fällen nicht funktionstüchtig, womit sie nicht mehr den heutigen Anforderungen an eine luft- und strömungsdichte Schicht entspricht. Ratsam und üblich ist es daher, eine neue Luftdichtheitsschicht über den Sparren zu verlegen, die gleichzeitig den großen Vorteil hat, in der Bauphase Schutz vor schlechter Witterung zu bieten.

Die Luftdichtheitsschicht muss aber nicht nur luftdicht in der Fläche, sondern auch im Detail sein?

In der DIN 4108, Teil 7, sind die Anforderungen an die Luftdichtigkeit definiert. Entsprechend diesen Vorgaben müssen Details luftdicht ausgeführt werden. Das ist nicht immer ganz einfach, aber als Dachspezialist bieten wir hier zahlreiche auch objektbezogene Detaillösungen an. Damit lässt sich eine luftdichte Sanierung sicher realisieren.

Welchen Einfluss hat die Art des Dämmstoffs auf den sommerlichen Wärmeschutz?

In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde klar nachgewiesen, dass die Art des Dämmstoffs so gut wie keinen Einfluss auf den sommerlichen Wärmeschutz hat. Wie sehr der Innenraum aufgeheizt wird, hängt maßgeblich von der nächtlichen Lüftung sowie der Lage und der Verschattung der Fenster ab. Deshalb ist es besonders wichtig für Architekten, bei der Planung der Sanierung bereits an eine gute Verschattung zu denken.

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