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[ Nachwuchs-Kolumne #28 ]

Im Architekturbüro: Die Größe macht einen Unterschied

Die meisten angehenden Architekt*innen machen Ihre ersten praktischen Berufserfahrungen in kleinen und mittleren Büros. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, warum das so ist. So unterschiedlich die großen Player unter den Architekturbüros auch sein mögen, verbindet auch sie etwas reizvolles

Wenn man an Entscheidungen in einem Architekturbüro zumindest beteiligt ist, versteht man einige Zusammenhänge besser, als wenn man die Entscheidung nur mitgeteilt bekommt

Von Fabian P. Dahinten

Während des Studiums in einem Architekturbüro zu arbeiten, ist auf jeden Fall eine gute Idee. Nicht nur, dass man sich etwas nebenbei verdienen kann. Man lernt auch den späteren Berufsalltag schon früh und realistisch kennen und ist nach fünf Jahren Studium nicht völlig überrascht, wie viel Zeit man statt mit Skizzenpapier mit Excel verbringt. Aber welche Bürogröße eignet sich gut für den Jobeinstieg? Ist es das kleine Büro mit zehn bis 20 Mitarbeitenden, das mittlere Büro mit bis zu 50 Mitarbeitenden oder doch der Architektur-Konzern mit mehreren Standorten?

Ich habe durch mein Fachabitur sogar schon vor dem Studium begonnen in einem kleinen Architekturbüro in meiner Geburtsstadt zu arbeiten. Insgesamt fünf Jahre war ich dort und habe eine Menge gelernt. Gerade auch weil ich immer wieder unterschiedliche Aufgaben bekommen habe und früh viel machen durfte beziehungsweise musste. Zwölf Jahre und sechs Büros später, muss ich feststellen, dass ich stets in kleinen und mittelgroßen Büros geblieben bin. Inzwischen frage ich mich, ob es nicht einmal an der Zeit wäre, ein größeres Büro kennen zu lernen.

Flache Hierarchien sind gut für den Lerneffekt

Schon bei gleichgroßen Büros waren die Unterschiede teilweise sehr groß. Das fängt bei der Strukturierung an: Gibt es eine flache Hierarchie oder mehrere Entscheidungsebenen, ist das gerade für den Lerneffekt entscheidend. Denn wenn man an Entscheidungen zumindest beteiligt ist, versteht man einige Zusammenhänge besser, als wenn man die Entscheidung nur mitgeteilt bekommt. Daher schätze ich es immer sehr, wenn mein Chef oder meine Chefin, mich beim Abwägen teilhaben lässt.

Neben der Unternehmenskultur ist auch der persönliche Bezug in einem kleinen Büro ganz anders. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, wieso ich bisher nur bei kleineren Büros gelandet bin. Ich hatte mich nie auf eine Stelle beworben, sondern wurde immer von den Inhaber*innen angesprochen, ob ich Lust hätte, dort zu arbeiten. Bei einem größeren Büro ist das schon komplizierter. Ohne eine Bewerbung geht es da nicht.

Auch die meisten der Follower von @DABonline.de auf Instagram arbeiten in kleinen Büros. Eine Umfrage dort ergab, dass es 84 Prozent sind und nur 16 Prozent in größeren Büros arbeiten.

Think big: kreative Prozesse im Architekturbüro initiieren

Ich habe gefragt, wieso das so ist: @bauer_natalia meinte zum Beispiel, dass sie vorher in einem Büro mit 80 Mitarbeitenden gearbeitet hat und nun in einem Büro mit 30 Kolleg*innen ist. Sie empfindet das kleinere Büro als familiärer und rücksichtsvoller. @rebekkagsn spricht sich ebenfalls für ein kleineres Büro aus und findet, dass sie dort abwechslungsreichere und verantwortungsvollere Aufgaben bekommt.

Der Trend scheint also ziemlich deutlich zu sein, doch warum sind dann gerade die großen Büros so erfolgreich? Foster und Partner hat 1.300, BIG über 400 oder Snøhetta bis zu 500 Mitarbeitende. Allein diese drei Beispiele sind wohl unterschiedlicher von ihrer Unternehmenskultur, wie man es sich kaum vorstellen kann. Doch alle haben sie eins gemeinsam: Trotz ihrer Größe schaffen sie es, kreative Prozesse zu initiieren – und zwar auf hohem Niveau.

Fabian P. Dahinten studierte Architektur an der Hochschule Darmstadt und startet nun ins Berufsleben.

Hier findet ihr alle Nachwuchs-Kolumnen von Fabian.

Wie sind eure Erfahrungen als Architektur-Studierende oder Berufseinsteiger? Hinterlasst uns einen Kommentar auf dieser Seite oder schreibt uns unter DAB-leserforum@handelsblattgroup.com

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