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[ Online vor Ort ]

Tag der Architektur 2020 trotz Corona

Aufgrund der Corona-Einschränkungen blieben persönliche Eindrücke am Tag der Architektur 2020 oft verwehrt. Von Wohnräumen, über Schulen bis hin zu Büros rückten in diesem Jahr Online-Präsentationen in den Vordergrund. Die digitalen Instrumente eröffneten auch neue Möglichkeiten

Von Lars Klaaßen

Verschlossene Häuser und öffentlicher Raum fast ohne Menschen: Der Tag der Architektur fand 2020 aufgrund der Corona-Einschränkungen unter erschwerten Bedingungen statt. Am 27. und 28. Juni luden die Architektenkammern deshalb nur eingeschränkt zu persönlichen Veranstaltungen ein, und offerierten stattdessen verstärkt Online-Angebote, um gute Gebäude und lebendige Stadträume unter dem Jahresmotto „Ressource Architektur“ zu entdecken.

Anstelle von Bustouren und Stadtspaziergängen zu ausgewählten Architekturobjekten hat etwa die Architektenkammer Baden-Württemberg vier aktuelle, für den Tag der Architektur 2020 produzierte Videoclips mit Beispielen für gelungene Stadtgestaltung auf ihrer Website angeboten. Dass auch Online-Angebote Besucher anzieht, zeigt die Statistik: Seit dem Aktionstag, dem 27. Juni, bis Mitte Juli wurden rund 3.600 Seitenaufrufe verzeichnet.

Einer der Videoclips stellt das Modellquartier Neckarbogen in Heilbronn vor: Dort ist über Konzeptvergabe ein Ensemble von Wohnungen und Gewerbe entstanden, in dem sich die Menschen wohlfühlen. Der Film macht deutlich, welche Ideen hinter dem Projekt stehen und mit welchen Mitteln sie zur Umsetzung kamen – sei es die Fassadengestaltung, die generationenübergreifende Struktur der dort lebenden Personen oder die konsequente Mobilitätsplanung. Flankierend zu den vier Videoclips findet sich ein Gespräch von Kammerpräsident Markus Müller mit der international tätigen Stadtplanerin Dita Leyh als weiteres Filmangebot auf der Website. Gemeinsam beleuchten sie wichtige und sinnvolle Instrumente, die helfen, Städte und Kommunen zeitgemäß weiterzuentwickeln.

Flyer Tag der Architektur 2020Präsenz ja, aber eingeschränkt

Wo Präsenzveranstaltungen stattfanden, war der Zulauf deutlich geringer, als in den vergangenen Jahren. So geht die Architektenkammer Sachsen, hochgerechnet auf Rückmeldungen von rund der Hälfte aller teilnehmenden Architekten, von insgesamt rund 2.500 Besuchern aus. Im Freistaat wurde der Tag der Architektur überwiegend im gewohnten Format als „Live-Programm“ statt. Einige Objekte waren nur online im Programm vertreten, eine Schule kann auch nach wie vor via Videobeitrag besucht werden.

Zum Teil wurde das Angebot in Sachsen auch kurzfristig optimiert. Die Stadt Meißen organisierte zum Beispiel eine Vortragsveranstaltung und anschließende Führungen unter dem Titel „30 Jahre Stadtsanierung ‚Historische Altstadt‘ Meißen“, da die eigentlich angemeldeten Objekte geschlossen bleiben mussten. Die Architektenkammer Sachsen präsentierte als Rahmenprogramm die Ausstellung „Nachhaltig in die Zukunft“ mit den Einreichungen zum Sächsischen Staatspreis für Baukultur 2019 im Hauptbahnhof Chemnitz. Diese ist noch bis zum 16. August dort zu sehen, erste Eindrücke davon gibt ein Video wider.

Web-Angebote über den Tag der Architektur hinaus

Trotz Einschränkungen und mit Abstand konnte auch in Berlin vor Ort beispielhafte Architektur und Baukunst besichtigt werden. Dort erläuterten rund 70 Mitglieder der Architektenkammer Berlin ihre neuesten realisierten Gebäude oder Außenräume. Unter anderem wurde die Erweiterung der Lichtfabrik in Kreuzberg vorgestellt: ein Projekt zwischen Denkmal- und Milieuschutz auf der einen und maximaler Nutzungsflexibilität auf der anderen Seite, zwischen lokalem Kreuzberg und globaler Gesellschaft, zwischen digitalem Planen und analogem Bauen.

In diesem Jahr fanden die Führungen in kleineren Gruppen statt. Teilnehmende Büros öffneten zudem ihre Türen und luden in Gärten und Höfe ein. Im Nachhinein noch abrufbar sind sowohl ergänzende Web-Angebote als auch alle Gespräche, die zum Auftakt des diesjährigen Tags der Architektur geführt wurden.

Architektur mit Blog, Videos und 360°-Panoramen

Aufgrund der Lockerungen Ende Mai hatte die Architektenkammer Thüringen allen Teilnehmern freigestellt, unter Beachtung der geltenden Schutzbestimmungen auch Führungen vor Ort anzubieten. So wurden an acht der 49 Objekte auch Präsenz-Besichtigungen angeboten. An diesen acht Orten wurden insgesamt rund 500 Besucher gezählt, was in den Vorjahren etwa dem normalen Durchschnitt von Besuchern pro Objekt entsprach. Mit 160 Besuchern, die sich auf mehrere Führungen über acht Stunden hinweg verteilten, zählte die meisten Gäste das um einen Anbau erweiterte Atelierhaus Peter Keler in Bad Berka, saniert und umgebaut vom Erfurter Büro Herrschmidt-Architektur.

Auf der Website der Architektenkammer Thüringen informierten sich in der „TdA-Woche“ rund 10.000 Besucher und gingen auf virtuelle „Architektour“. Alle Teilnehmer waren im Vorfeld aufgerufen, das bestehende digitale Angebot aus Fotos und Texten zu erweitern. Rund ein Drittel der beteiligten Architekturbüros und Bauherren steuerte ein zusätzliches Angebot bei. Die meisten produzierten eigens Videoclips beziehungsweise Kurzfilme. Es gab auch einen Blog zur Planungs- und Bauphase mit 360°-Panoramen und Videos aus der Entstehungsphase. Der Architekt Rüdiger Weingart stellte das Objekt „Optiker Zacher“ in Erfurt mittels eines digitalen Rundgangs über ein 3D-Modell vor.

Drohnen verschaffen neue Perspektiven

Die Bayerischen „Architektouren 2020“ wurden in diesem Jahr erstmals digital präsentiert. Ausgewählt hat der unabhängige Beirat aus allen Einreichungen 241 Vorzeigeprojekte. Kurzbeschreibungen und Fotos sind online abrufbar (Architektouren und Jahr 2020 auswählen). Alle Projekte wurden zudem analog in einer besonderen Corona-Booklet-Edition mit weißem Umschlag und in einer kleineren Auflage veröffentlicht. Dieses ist jedoch bereits vergriffen. Für 50 Projekte haben die Architektinnen, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplanerinnen kurze Videoclips produziert und zur Verfügung gestellt (erkennbar am Videosymbol hinter den Projekten). Hierbei wurden auch Drohnen genutzt. Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr präsentiert darüber hinaus gemeinsam mit der Bayerischen Architektenkammer rund 60 ausgewählte Projekte aus den Bereichen Staatlicher Hochbau, Wohnraumförderung und Städtebauförderung, die Teil der diesjährigen Architektouren sind, in einer digitalen Ausstellung.

In Brandenburg hatte eine Jury 30 Projekte ausgewählt, darunter ein schwimmendes Haus, ein mit dem Klimapreis ausgezeichnetes Holzhaus, einen Wandelgang in Wittstock, einige Schulen und Kitas sowie Freianlagen. Die ausgewählten Projekte werden in diesem und im nächsten Jahr auf der Kammer-Webseite präsentiert. Es werden mehr Fotos gezeigt und Links zu Videos ergänzt, Führungen aber erst im Jahr 2021 stattfinden. Die ausgewählten Objekte und die, die 2021 dazukommen, sollen zusätzlich in einer neuen Broschüre ausführlich mit Bildern und Text präsentiert werden. Die Broschüre wird das faltbare Plakat, das es die Jahre zuvor gab, ersetzen.

Architektur-Projekte in Eigenregie erschließen

Auch die Architektenkammern in Bremen und Niedersachsen verzichteten in diesem Jahr auf Führungen vor Ort. Eine Broschüre mit allen insgesamt 123 Objekten in Bremen und Niedersachsen kann hier kostenfrei heruntergeladen werden. Mit diesem Leitfaden können Interessenten sich konkrete Projekte wie etwa das FahrradRepairCafé im Fahrradmodellquartier Alte Neustadt Bremen oder das Johann-Jacobs-Haus in der Obernstraße in Eigenregie erschließen. Weitere Beiträge stehen bis Dezember auch auf YouTube und Instagram.

Einen ähnlichen Weg beschritt man in Nordrhein-Westfalen. Dort boten viele Architekturbüros auf ihren Websites Informationen zu den Objekten, die am Tag der Architektur vorgestellt werden sollten, die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen vernetzte sich mit diesen Angeboten über ihre Webseite und auf Social-Media-Kanälen. Sie wies in ihrer Online-Datenbank zudem auf ergänzende Infos hin. Zudem wurde der Katalog zum Tag der Architektur auch in diesem Jahr mit einer Auflage von 10.000 Stück gedruckt und an Interessierte verteilt.

Virtuelle Führung mit dem Architekten

Einen digitalen Zugang der besonderen Art hat der Architekt Christian Trost in Soest für seinen „Neubau einer Kindertagesstätte mit U3-Betreuung“ kreiert – in Form einer 360°- Präsentation: Die Besucher werden vor dem Objekt durch den Architekten begrüßt und haben dann die Möglichkeit, sich in verschiedene Bereiche der Kita zu klicken. Dort hört man jeweils auf der Tonspur die Erläuterungen des Architekten und kann sich zeitgleich optisch um die eigene Achse drehen. Auf diese Weise wird der gesamte Baukörper – Innen- und Außenraum bis hin zu einer Vogelperspektive – im Bild und mit fachlichen Vertiefungen erlebbar.

Um die Projekte beim Tag der Architektur auch ohne persönliche Besuche erlebbar zu machen, schaltete die Architektenkammer Rheinland-Pfalz am 26. Juni rund 30 kurze Videoclips auf ihrer Website online. Neben Videos, die in Eigenregie entstanden, konnten professionelle Drehs über die Geschäftsstelle in Mainz vereinbart werden. Die acht von der Architektenklammer Saarland für den Tag der Architektur ausgewählten Projekte konnten bis zum 10. Juli auf einer gesonderten Website besucht werden. Nach wie vor steht ein gemeinsames Booklet mit den Projekten aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland für den Download zur Verfügung.

Nächstes Jahr hoffentlich wieder persönlich

Anstatt durch offene Türen und Führungen werden auch die 31 eingereichte Projekte in Schleswig-Holstein ausschließlich digital über eine neu eingerichtete Online-Galerie präsentiert. Die Website der Architekten- und Ingenieurkammer dient so als zentrale Anlaufstelle. Hier finden Interessierte neben den Daten und Bildern der Projekte viele Zusatzinformationen zu den Architektur- und Ingenieurbüros, die teilgenommen haben. Alle Teilnehmer von 2020 erhalten in Schleswig-Holstein die Möglichkeit ihr Projekt im kommenden Jahr, gemeinsam mit den ausgewählten Projekten von 2021, vorzustellen und für Besucher zu öffnen.

Einen Überblick zum Tag der Architektur 2020 bietet die Bundesarchitektenkammer hier. Dort wird auch auf die Portale der Landesarchitektenkammern verwiesen.

 

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