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[ Interview ]

Virtuelles Architekturbüro: Corona gut gemeistert

In Werner Thums Architekturbüro wurde auch vor Corona oft im Home-Office gearbeitet. Investitionen in die IT und eine gute Organisation haben sich nun ausgezahlt.

Werner Thum in seinem Büro
Werner Thum, Leiter von comBauplan

Herr Thum, Sie betreiben seit fast fünfzig Jahren ein mittelgroßes Architekturbüro in Stuttgart. Wie haben die Einschränkungen der vergangenen Wochen die Arbeit in Ihrem Büro beeinträchtigt?

Die Corona-Krise hat sich auf unsere Arbeitsabläufe nicht merklich ausgewirkt. Wir haben bereits seit 2012 vorweggenommen, was nun überall gefordert wird: die Digitalisierung des Betriebs. Die 14 Mitarbeiter meines virtuellen Büros können mit ihren Rechnern schon seit Jahren dort arbeiten, wo es ihnen am besten passt, und sind trotzdem voll miteinander vernetzt.

Warum haben Sie diesen Schritt bereits „ohne Not“ so konsequent vollzogen?

Weil es für die Mitarbeiter und den Betrieb die bessere Lösung ist. Kolleginnen und Kollegen, die sehr gute Arbeit leisten, wohnen bis zu 20 Kilometer weg. Die machen sich auf den Weg ins Büro und müssen kurz darauf den halben Weg zurückfahren, weil sie dort eine Baustelle besuchen. So etwas frisst unnötig Zeit und kostet Benzingeld, das man sich sparen kann. Wege, die man nicht zurücklegt, schonen zudem die Umwelt. Dazu kommt die soziale Komponente: Wer hier arbeitet und Kinder hat, ist auch mal froh, wenn ein Teil der Arbeit von zu Hause aus erledigt werden kann. Der Bedarf an Bürofläche hat sich durch die Digitalisierung um zwei Drittel reduziert. Insgesamt haben alle Beteiligten einen Gewinn an Arbeits- und Lebensqualität.

War die Umstellung problematisch?

Eine gute IT braucht man als Architekt ohnehin. Unser Leistungsspektrum hat seinerzeit fast automatisch zum virtuellen Büro geführt. 3D-Ausführungsplanung, sichere Kostenberechnung, Ausschreibungen und Vorbereitung sowie Mitwirkung bei Vergabeverhandlungen, Bauleitung, Projektleitung und -steuerung, ganz zu schweigen vom BIM: Unsere Arbeitswelt ist bereits durch und durch digitalisiert. Auch als wir noch alle im selben Büro saßen, haben wir uns selten persönlich getroffen, sondern saßen quasi zufällig nahe beieinander. Bei Leistungsphase 6 bis 9 und BIM muss man die totale Daten-Information haben, sich aber nicht am gleichen Ort austauschen. Den verbleibenden, gering notwendigen, persönlichen Austausch haben wir bei einem einzigen gemeinsamen Termin im Büro pro Woche. Ansonsten treffen wir uns, falls nötig, über FaceTime oder Skype.

Aber macht es nicht einen Unterschied, ob man sich ein Büro teilt oder alle weit verstreut sitzen?

Ganz entscheidend ist hierbei gute Organisation. Der jederzeit uneingeschränkte Zugriff auf alle Daten und Informationen ist nicht bloß eine technische Frage. Die Daten müssen für jeden eindeutig nachvollziehbar strukturiert, alle Arbeitsschritte und -methoden aufeinander abgestimmt sein. Das erfordert eine Disziplin aller Beteiligten, die aber schnell zur Routine wird. Eine total durchorganisierte Leistungsstruktur, definierte Leistungsprogramme, klare, transparente Datenanlagen und -pflege: Das sind ja ohnehin Voraussetzungen für die Arbeit eines guten Architekturbüros. Wer eine solche Leistungsdisziplin als Architekt konsequent umsetzt, kann damit auch Bauherren und weitere Projekt- und Planungsbeteiligte missionieren. Für die durchgängige Anwendung von BIM ist das sowieso unabdingbare Voraussetzung. In Amerika und Nordeuropa hat man damit schon Routine. Hierzulande ist das mehr oder weniger ein spontanes Experiment – vielleicht „fördert“ die Corona-Krise auch in dieser Hinsicht das Disziplinieren beziehungsweise Weiterdenken der Planungs- und Projektbeteiligten.

Werner Thum leitet seit 1970 sein eigenes Büro in Stuttgart, seit 1986 als comBauplan

Hier berichten wir, wie Großbüros wie Stefan Behnisch, Eckhard Gerber oder Eike Becker auf die Krise reagieren. Mehr Beiträge finden Sie auch in unserem Schwerpunkt Kreativ durch die Krise

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