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[ Literaturtipps ]

Bauhaus zum Lesen – Teil 2

Wie die Ideen des Bauhauses international wahrgenommen und weiterentwickelt wurden, wie die Gärten des Bauhauses aussahen, ein umfassendes Standardwerk und ein Fokus auf Dessau

Von Christina Gräwe

Bauhaus vernetzt

Zu „imaginieren“ bietet der Duden eine Vielzahl an Synonymen an; in diesem Kontext trifft es „sich vergegenwärtigen“ sicherlich gut: Das Projekt bauhaus imaginista führt vor Augen, welche Ausstrahlung die Bauhaus-Ideen international hatten, wie sie sich im jeweiligen kulturellen und gesellschaftlichen Umfeld verändert, angepasst und verselbständigt haben. Um der Rezeptionsgeschichte des globalen Bauhauses auf die Spur zu kommen, hat das Team um die Herausgeber, Autoren und Kuratoren Marion von Osten und Grant Watson ein mehrjähriges Forschungsprojekt initiiert. Seit 2018 untersuchen sie an acht Orten auf vier Kontinenten welche internationalen Netzwerke mit dem Bauhaus bis 1933 existierten und wie sich Nachwirkungen bis heute ablesen lassen. Dazu fanden und finden Ausstellungen, Symposien und Archivbesuche statt, es entstehen Publikationen.

In diesem opulenten Buch, das die gleichnamige Ausstellung im Rahmen von „100 Jahre Gegenwart“ im Haus der Kulturen der Welt, Berlin, begleitet, fließen die bisherigen Erkenntnisse zusammen. Die Initiatoren haben einen interessanten Ansatz gewählt, der erfrischenderweise nicht die hinlänglich bekannten Bauhausobjekte zeigt. Sie gliedern Buch und Ausstellung in vier Kapitel; jedem ist ein Gegenstand zugeordnet, anhand dessen Vergangenheit und Gegenwart zusammengebracht werden sollen.

„Corresponding With“ erforscht mit Hilfe des Bauhaus-Manifests die Bauhaus-Pädagogik im Vergleich zu zwei verwandten Schulen in Indien. „Learning From“ zieht Paul Klees Zeichnung eines Berberteppichs zur Untersuchung von bildnerischen Methoden außereuropäischer Kunst der Moderne heran. Im Kapitel „Moving Away“ ist es die Collage „ein bauhausfilm“ von Marcel Breuer, mit der die Anpassung und Weiterentwicklung von Gestaltungsansätzen nach 1933 beleuchtet wird. Und in „Still Undead“ geht es um die Geschichte von Licht- und Klangexperimenten; Ausgangspunkt dafür sind die „Reflektorischen Lichtspiele“ von Kurt Schwerdtfeger. Eine knappe Besprechung kann den Anspruch und die Komplexität des Themas nicht erfassen – die 312 reich bebilderten Seiten dieses großformatigen Buchs helfen detailliert weiter. Die Ausstellung ist noch bis 10. Juni 2019 zu sehen.

Marion von Osten, Grant Watson (Hg.)
bauhaus imaginista
Scheidegger & Spiess, 2019
312 Seiten, 58 Euro

Bauhaus gärtnerisch

Immer wieder ein beliebtes Spiel: Gibt man bei Wikipedia die Stichworte „Bauhaus“ und „Garten“ ein, landet man im entsprechenden Einkaufszentrum, das sich frühzeitig den berühmten Namen gesichert hat, und nicht bei Fachliteratur. Sind Landschaftsarchitekten leiser? Oder lief die Freiraumgestaltung bei den Architekten des Neuen Bauens so selbstverständlich mit, dass sie keiner eigenen Erwähnung bedurfte? Die meisten Forschungen und Veröffentlichungen jedenfalls klammern das Thema aus. Und das, obwohl die moderne Außenraumgestaltung wie die Häuser mit der Tradition brach, Siedlungshäuser mit handtuchschmalen Nutzgärten zur Selbstversorgung versehen wurden und auch Flächen mit Erholungscharakter strengeren Konzepten folgten. Nicht zu vergessen die oftmals enge Verknüpfung von Architektur und Außenraum, den die Moderne auszeichnet.

Die Landschaftsarchitektin und inzwischen emeritierte Professorin Dorothea Fischer-Leonhardt nimmt sich dieses Defizits an. Schon 2005 erschien ihr Buch zu den „Gärten des Bauhauses“. Für die Publikation grenzte die Autorin die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit auf die Dessauer „Highlights“ ein: das Bauhausgebäude selbst, die Meisterhäuser, die Siedlung Törten und das Kornhaus (das anders als die anderen nicht von Walter Gropius, sondern von Carl Fieger stammt). Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen reichert Fischer-Leonhardt mit bisher unveröffentlichtem Material aus US-amerikanischen Archiven an. Sie zeigt, wie die Veränderungen von Architektur und Außenraum Hand in Hand geplant und welche speziellen Lösungen für die ganz unterschiedlichen Gebäude gefunden wurden. Außerdem fand eine gründliche Erfassung der heutigen Vegetation statt und konnte mit der ursprünglichen Kartierung verglichen werden.

Um die zeithistorischen von den neuen Fotos zu unterscheiden, ist ein genauer Blick notwendig, denn die Bebilderung ist ausschließlich Schwarz-Weiß; der Gesamteindruck ist tatsächlich etwas spröde. Aber die Bildunterschriften helfen hier weiter, und so sind interessante Vergleichsstudien möglich. Wer sich (nicht nur im Bauhausjahr) nicht ausschließlich auf die Architektur, sondern auch auf das Zusammenspiel mit ihrer unmittelbaren Umgebung einlassen möchte, ist mit der jüngst erschienen dritten Auflage des Buchs gut beraten.

Dorothea Fischer-Leonhardt
Die Gärten des Bauhauses. Gestaltungskonzepte der Moderne
jovis Verlag, dritte Auflage, 2019
176 Seiten, 32 Euro

Bauhaus umfassend

Ein echtes Schwergewicht, nicht geeignet als Bettlektüre, weder inhaltlich noch physisch: „Bauhaus“ heißt schlicht das umfangreiche Buch, das bereits seit 2016 in einer überarbeiteten Auflage vorliegt. Es beleuchtet Bekanntes; wie soll das auch anders sein bei der überbordenden Fülle an Publikationen rund ums Bauhausjubiläum. Das Buch hat aber auch den Anspruch, das Bauhaus sehr breit darzustellen, und das bedeutet, neue Schichten des vermeintlich Bekannten freizulegen und auch bisher wenig beleuchtete Facetten zusammenzutragen.

Beides gilt für die textliche wie für die bildliche Ebene; gerade Letztere bietet viel selten oder auch noch nie veröffentlichtes Material und damit Blicke hinter die Kulissen. Bauhausvoyeure kommen auf ihre Kosten; eines der Unterkapitel heißt: „Bauhaus intim“. Ein Thema von sehr, sehr vielen: Um der herausfordernden Aufgabe gerecht zu werden, haben die Herausgeber das Buch streng und detailreich zugleich gegliedert. Unter „Themen“ fallen die Grundlagen und Nachwirkungen der Bauhausschule, aufgefächert in geschichtliche, philosophische und politische Aspekte sowie ihr internationales Nachleben. Außerdem bietet hier „Leben und Alltag“ seltene Exkurse etwa zur Musikgeschichte des Bauhauses, esoterische Strömungen werden nicht ausgeklammert, und mit einer Zitatensammlung kommen Originalstimmen zu Wort.

Das große Kapitel „Werk“ widmet sich – teils durchaus kritisch – zahlreichen einflussreichen Persönlichkeiten am Bauhaus und im Anschluss sehr gründlich den verschiedenen Werkstätten. Dem „Theorie“-Teil mit drei Essays zur kritischen Betrachtung der Bauhausrezeption, zur Moderne-Reflektion und zur Bildgestaltung heute folgt ein umfangreicher Dokumentationsteil. Bauhaus umfassend also.

Jeannine Fiedler, Peter Feierabend (Hg.)
Bauhaus
h.f.ullmann, 2016
640 Seiten, 49,90 Euro

Bauhaus fokussiert

Es musste nicht erst der 100-jährige Geburtstag heraufdämmern, um über das Bauhaus zu reflektieren. Das geschah immer wieder, nicht zuletzt wegen der weitreichenden, auch internationalen Inspirationen, die die Schule hinterlassen hat, obwohl sie schon im jugendlichen Alter von 14 Jahren abgewickelt wurde. So auch 2007, kurz nachdem das bekannteste Gebäude der drei Bauhaus-Stationen, das Dessauer, nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wiedereröffnet worden war. Zehn Jahre stand es da schon auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes.

Der Titel kündigt es an: Das Buch stellt den Standort Dessau in den Vordergrund. Nicht ohne jedoch in einer knappen und dennoch sehr informativen Einleitung auf die Vorgeschichte, auf die Stationen Weimar und Berlin sowie auf die drei Bauhausdirektoren Walter Gropius, Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe einzugehen, die mit ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten den Charakter der Schule maßgeblich bestimmten: Unter Gropius verschmolzen Handwerk, Kunst und Industrie, Hannes Meyer stellte soziale Fragen über künstlerische und Mies van der Rohe rückte die Architektur in den Mittelpunkt. Das tut im Hauptteil auch das Buch anhand eines fotografisch und textlich begleiteten Spaziergangs durch das Haus: zunächst zur Festebene, dann über Treppenhäuser und Brücke zum Nordflügel, von dort zum Ateliergebäude („Prellerhaus“) und schließlich zum Werkstattflügel. Woran dann passend das Kapitel „Ausbildung“ anschließt, das die Besonderheiten des Studienaufbaus erläutert und neun Werkstätten – wieder in Bild und Text – vorstellt.

Während der Dessauer Zeit erlebte das Bauhaus seine produktivste Zeit. Wie es mit dem Bauhaus nach der kurzen Berliner Phase nach 1932/33 weiterging, erfahren wir am Ende des Bands, wo auch die unterschiedlichen Lebenswege der Bauhäusler mit Kurzportaits nachverfolgt werden. Das Buch bietet einen fundierten Überlick auch oder vielleicht gerade für Bauhaus-„Einsteiger“; der erzählerische Stil und die detaillierten Fotos bringen einem das Thema unangestrengt nahe.

Stiftung Bauhaus Dessau (Hg.)
Bauhaus Dessau. Architektur – Gestaltung – Idee
Jovis Verlag, 2007
144 Seiten, 25.00 Euro

 

Weitere Buchempfehlungen finden Sie in Teil 1 unseres Überblicks

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