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[ Schwerpunkt Generationen ]

Bauaufgabe Hospiz

Einfach, aber würdevoll: Hospiz Kieler Förde in Kiel

Blick in die gemeinschaftlichen Bereiche des Hospizneubaus in Kiel.

Text: Walter Meyer-Bohe

Gebäude für die Sterbebegleitung mit einem funktional durchdachten Betriebsablauf sind selten, weil neue Hospiz-Einrichtungen meistens aus Um- und Anbauten oder Sanierungen alter Krankenhäuser oder Pflegeheime entstanden sind. Das führte fast immer zu Kompromissen in Bezug auf Erschließung, Statik, Grundrissgestaltung und die komplizierten Installationsforderungen. Die Betreuung reicht von der Aufnahme der Patienten – „Gäste“ genannt – bis zum Abschied und ist erst in jüngster Zeit zu komplexen Organisationsformen zusammengewachsen.
Auch in Kiel sollte das neu gegründete Hospiz zunächst in einer großen Villa nahe dem Universitätsklinikum untergebracht werden. Doch nach einigen gescheiterten Versuchen entschloss sich die Baukommission zur freihändigen ­Vergabe an das Büro Erich Schneekloth und Partner in ­Lütjenburg als Generalplaner. Dessen Arbeit begann 2010, die Fertigstellung war im Februar 2012. Entstanden ist ein eingeschossiges T-förmiges Gebäude. Das Ost-West-­orientierte Bettenhaus enthält 18 Apartments, jedes mit eigenem Sanitärraum. Neben dem Bett für den Kranken kann ein zweites für einen Angehörigen aufgestellt werden.

Für Hospize eignen sich Neubauten oftmals besser als umgewandelte oder ergänzte Altbauten. Denn die speziellen Anforderungen an einen Hospizbetrieb lassen sich besser individuell und eigens dafür geplanten Räumen erfüllen.

Den Krankenzimmern  sind Terrassen nach Osten oder ­Westen zugeordnet. Bei Bedarf und Unterbelegung können die Pflegeeinheiten auch als Apartments an Angehörige ­vergeben werden.
Der  zweigeschossige Querriegel mit jeweils gerundeten Kopfzonen enthält die Funktionsräume wie Heimaufsicht, Heimleitung, Wirtschaftsräume und nicht zuletzt den Raum der Stille – einen ökumenisch genutzten Andachtsraum, der den Konfessionen für Abschiedsgottesdienste und den Kranken und Angehörigen als stiller Rückzugsort dient. Die einfache, aber würdevolle Ausstattung des Raumes mit seinen schmalen vertikalen Fensterschlitzen trennt ihn von dem umgebenden Betrieb ab. Im Obergeschoss sind vor allem Sitzungs- und Verwaltungsräume untergebracht. Von der Eingangshalle gelangt man in den Aufenthalts- und Verwaltungsbereich. Der Aufenthaltsraum mit Freiterrasse bietet allen Kranken rollstuhlgerechte Plätze an Vierertischen. Für die Kinder von Besuchern gibt es eine Spielecke.

Die Verweildauer der „Gäste“ beträgt durchschnittlich 25 Tage. An das Pflegepersonal werden höchste  Anforderungen gestellt. Im Laufe eines Jahres sterben etwa 180 Gäste.

Prof. Walter Meyer-Bohe ist Architekt und Autor in Kiel.

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