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[ Farben ]

„Dogmatische Konzepte gibt es nicht“

Die Wirkung farbiger Fassaden wird auch von ihrer Umgebung beeinflusst, sagt der Farbgestalter Christian Brandstädter.

Christian Brandstädter hat Malerei studiert und ist seit zwölf Jahren als Farbgestalter selbstständig.

Interview: Marion Goldmann

Wie werden Architekten und Farbplaner ein Team?

Die Gründe sind vielfältig, meistens aber bringt der Bauherr Architekt und Farbplaner zusammen. Er erhofft sich einfach ein optimales Ergebnis. Architekten gehen je nach persönlicher Intention sehr unterschiedlich mit dem Thema Farbe um. Meine Aufgabe sehe ich darin, Alternativen aufzuzeigen, eigene Vorstellungen zu entwerfen, professionell darzustellen und zu begründen.

Verfolgen Sie bei Gestaltungen im städtischen Raum ein ­bestimmtes Konzept?

Nein, ein Rezept gibt es nicht und darf es auch nicht geben. Unterschiedliche Gebäudeformen und Nutzungen verlangen ein differenzierendes Vorgehen. Farbplanungen von Gebäuden in städtischen Lagen sollten das gebaute Umfeld mit einbeziehen. Im Zusammenspiel mit der Architektur bezieht sich Farbe immer auf ein Material, auf eine Form und einen Raum, die wiederum alle miteinander in Beziehung zueinander treten. Nach meinem Empfinden sollten einzeln stehende Wohnhäuser ­weniger farbig sein. Für Wohnquartiere bieten sich übergreifende Farbkonzepte an, die die Häuser in eine Beziehung stellen. Ich meine auch, dass zu viele helle Gebäude ein Stadtbild eher stören. Wohnviertel mit schönen alten Klinkerfassaden wie in Hamburg sollten unbedingt erhalten bleiben.

Was heißt für Sie nachhaltige Farbgestaltung?

Auch Farben sind modischen Strömungen unterworfen. Daher verbinde ich die Nachhaltigkeit von Farbkonzepten mehr mit gestalterischer Entwurfsqualität und fachgerechter handwerklicher Umsetzung. Interessant sind für mich Gebäude, deren Fassaden nicht ausschließlich aus farbigen Putzflächen bestehen. Durch Kombination mit anderen Materialien, wenn auch nur punktuell eingesetzt, wird vielfach die Architektur aufgewertet. Die Auswahlmöglichkeiten sind groß: Glas, Metalle, Holz, Klinker, Keramik oder Plattenbaustoffe – der Markt bietet zahlreiche Produkte.

Moguntia-Höfe in Mainz: neue Wohnbebauung um den ehemaligen Mahlturm der Gewürzfabrik von Klemmke Architekten, Mainz. Farbkonzept: Christian Brandstädter, Wiesbaden.

Fassadenflächen verwittern mit der Zeit. Berücksichtigen Sie diesen Prozess bei ­Ihren Konzepten?

Trotz großer Fortschritte in der Pigmentforschung und -herstellung verändern sich im Laufe der Jahre viele Fassadenmaterialien und Farboberflächen durch Bewitterung. Wenn die von der Industrie vorgegebenen Rahmenrichtlinien zur Verarbeitung ein­gehalten werden, sind Fassadenfarben sehr langlebig und ändern ihr Aussehen über lange Zeiträume höchstens durch die natürliche Verschmutzung. Inwieweit Fassaden „sauber“ sein sollten, wird von der Gesellschaft recht unterschiedlich empfunden. Was für die einen ein Versicherungsfall ist, werten andere als ehrwürdige Patina.

Es gibt eine Fülle an Farbprodukten. Was ist für Sie entscheidend?

Welches Farbprodukt an die Wand kommt, entscheidet in der Regel der Bauherr gemeinsam mit dem Architekten. Der Preis spielt ebenfalls eine Rolle. Mein Part besteht darin, auf Grundsätzliches hinzuweisen. Zum Beispiel dann, wenn dunkle oder intensive Farbtöne mit einem Helligkeitsbezugswert unter 20 Prozent auf gedämmten Fassaden verwendet werden sollen. Das kann bei hohen Außentemperaturen wegen der thermischen Aufheizung kritisch werden. Hier sollten nur spezielle WDVS-Systeme zur Anwendung kommen. Es ist auch so, dass helle Flächen eher zur Algenbildung neigen als dunklere. Und es gibt Sympathien von Kunden für bestimmte Produkte und Hersteller. Wir entwerfen dann mit den jeweiligen Farbtonfächern, deren Töne wir in unseren Rechnern ­kalibriert haben.

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