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[ Projektmanagement ]

Alles im Blick

Wer sich die Projektleitung zutraut, hat gute Möglichkeiten sich zu positionieren.

Nils Hille, Fred Wagner

Kaum vorstellbar, aber wahr: Da gibt es einen guten, lukrativen Auftrag, aber keinen Architekten, der ihn annehmen will. Genau das hat Thomas Neulen, selbst vom Fach, erlebt. Als Berater für einen Freizeitparkbetreiber suchte er vor nicht einmal zehn Jahren einen Architektenkollegen, der die Bauprojektleitung eines komplett neuen Parks übernehmen könnte. „Doch die haben sich das alle nicht zugetraut. Und schließlich hat ein Bauingenieur den Auftrag bekommen“, erinnert er sich.

Mittlerweile hat Neulen in Hannover das florierende Büro „1010 Architektur“ mit sechs Mitarbeitern und dem Schwerpunkt Projektmanagement. Für ihn rentiert sich der konsequente Blick über den Entwurf hinaus, auch auf die wirtschaftlichen Aspekte eines Neu- oder Umbaus. „Durch die zunehmende Komplexität des Bauens erleben wir noch einmal verstärkt, dass Generalplaner als zentrale Ansprechpartner insbesondere von großen Firmen gesucht werden“, sagt Neulen. Viele Unternehmen haben in der Vergangenheit ihre Bauabteilungen verkleinert oder geschlossen. Wenn dann größere Aufgaben anstehen, ist der Bauherr überfordert und ein Projektmanager gefragt. „Architekten sind dafür grundsätzlich sehr geeignet“, sagt Neulen.

Das sieht auch Ole Arand von Arand Architekten aus Berlin so, der sich seit Jahren neben der Objektplanung auch mit Projektmanagement- und Steuerungsleistungen einen Namen gemacht hat. Arand: „Architekten verfügen einerseits über Planungskompetenz, zum anderen sind sie meist als Generalisten ausgebildet, die die Fachbeiträge anderer Disziplinen integrieren können. Kommen dann noch Bauleitungs- oder Überwachungserfahrungen hinzu, sind die methodischen und inhaltlichen Voraussetzungen da, um als Steuerer zu arbeiten.“ Weitere hilfreiche Kompetenzfelder seien kaufmännisches Denken, Erfahrungen im Vertragsrecht sowie Organisationsvermögen.

Arand hat die Erfahrung gemacht, dass sich Projektmanager auch intensiv mit dem Thema Qualität beschäftigen müssen. „Kosten und Termine werden bei einem Bauvorhaben schnell erkannt, aber auch schnell wieder vergessen. Was bestehen bleibt – oder eben nicht – ist die Qualität. Und die fängt weit früher als bei der Architektenplanung oder gar der Bauausführung an“, sagt der Berliner Projektmanager. Über eine hohe Qualität werde bereits bei der Projektidee, der Projektvorbereitung und der Auswahl des Teams entschieden.

Entwickeln und steuern lernen

Für Neueinsteiger sieht Arand gute Chancen: „Es gibt eine Tendenz, die delegierbaren Bauherrenaufgaben immer mehr in die Hände von Projektsteuerern zu legen. Ich empfehle jedem Neueinsteiger eine ­vorherige Weiterqualifizierung in Bauprojektmanagement.“

Entsprechende Strategien und vieles mehr lernen Architekten zum Beispiel bei der Kammer Niedersachsen. Gemeinsam mit Thomas Neulen und anderen Fachleuten hat die Fortbildungsakademie den zehntägigen Lehrgang „Baulenkung“ entwickelt (www.baulenkung.de). Er findet im kommenden Herbst bereits zum siebten Mal statt und ist in drei Module aufgeteilt: Immobilienprojektentwicklung, Projektsteuerung und Wert­ermittlung. „Jedes Modul ist auch einzeln buchbar“, erklärt Susanne de Vries, Architektin in der Kammer.

„Das bietet sich an, wenn man den Lehrgang in der kompakten Version nicht neben der Arbeit schafft und die Module über mehrere Jahre verteilen will.“ Viele bisherige Teilnehmer hätten schon Projekte geleitet und wollten ihre Arbeit professionalisieren. Aber auch für Einsteiger sei das Angebot geeignet, um eine neue oder erweiterte Berufsperspektive zu entwickeln.

Die Akademie der Kammer in Nordrhein-Westfalen bietet ebenfalls Seminare zum Thema Planungs-, Bau- und Projektmanagement in eintägigen Veranstaltungen an. Weiterbildungsveranstaltungen auch in anderen Ländern findet unter www.architekten-fortbildung.de, wer dort die Stichworte „Projektmanagement“ und „Projektleitung“ eingibt.Fachwissen im Baumanagement unterrichtet die Bauhaus-Weiterbildungsakademie in Weimar. Das Studium ­dauert ein Semester und endet mit dem Zertifikat „Bauprojektmanagement“. Diplomstudiengänge zum Projekt­management bieten unter anderen die Fachhochschulen Bielefeld und Gießen-Friedberg sowie die Weimarer Akademie an.

Florian Kluge unterrichtet an der RWTH Aachen Projektmanagement in der Architektur und rät Bildungswilligen: „Hier muss man immer beachten, dass bei solchen Angeboten nur Methodenwissen vermittelt wird, aber kein Fachwissen. Wer solche Angebote wahrnehmen will, sollte bereits ein guter Architekt oder Ingenieur mit entsprechenden Kenntnissen sein.“ Kluge hat zum Thema ein Buch geschrieben (siehe rechts) und warnt vor der Annahme, dass diejenigen die besten Projektmanager seien, die seit Jahren aus dem Bauch heraus Projekte leiten, ohne Methodenwissen zu besitzen. Kluge: „Daran krankt unsere Branche. Das Thema müsste viel stärker in die Studiengänge integriert werden, sowohl bei Architekten als auch bei Landschaftsarchitekten. Die wenigsten haben in ihrer Ausbildung gelernt, wie man ein Projekt vernünftig organisiert und strukturiert bearbeitet.“


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