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[ Nachwuchs-Kolumne #76 ]

Vorsicht beim Architektur-Fernstudium: nicht kammerfähig!

Architektenkammern erkennen ein Fernstudium in der Regel nicht an. Vor der Immatrikulation sollte man sich deshalb immer informieren, ob der Abschluss „kammerfähig“ ist

Junge Menschen grüßen sich online
Sag auf Wiedersehen zur Kammermitgliedschaft, wenn du dich für Architektur im Fernstudium einschreibst.

Von Fabian P. Dahinten 

Stell dir vor du studierst Architektur und darfst anschließend keine Architektin oder Architekt werden. Das kann tatsächlich passieren, denn nicht jeder Studiengang qualifiziert einen für die Architektenkammer. Aber keine Angst, die meisten Studiengänge die „Architektur“ heißen sind auch „kammerfähig“, das heißt dass du nach Abschluss des Masterstudiums und nach Abschluss der Praxisphase den Kammerbeitritt beantragen kannst.

Doch es gibt eben auch Angebote mit denen dir die Türen zur Kammerwelt verschlossen bleiben, das gilt vor allem beim Fernstudium. Ausschlagebend ist dafür vor allem: Das Studium der Architektur enthält einen recht hohen praktischen Anteil mit Übungen und Exkursionen. Viele Inhalte wie Entwurf und Gestaltung, Zeichnen und Malen, plastisches Gestalten, Modellbau, Bauaufnahme und Vermessungskunde lassen sich digital nicht gut vermitteln, auch wenn das während der Pandemie irgendwie versucht werden musste.

Wo finde ich heraus, ob mein Studiengang kammerfähig ist?

Es gibt außerdem Angebote fürs Fernstudium, die zum Beispiel nicht die Mindeststudienzeiten nach den Architektengesetzen der Länder erfüllen. Bei Architektur ist das ein mindestens vierjähriges Vollzeitstudium. Die Architektenkammern der Länder sind im Sinne des Verbraucherschutzes verpflichtet, den Titelschutz unter anderem an Qualität und Umfang der Ausbildung zu knüpfen. Es gibt bisher aber keine bundeseinheitliche Liste, welcher Studiengang dir die Kammertür öffnet und welche nicht. Daran arbeitet zum Beispiel nexture+, das Nachwuchsnetzwerk der Innen:Architekt:innen.

Bei der Frage, was kammerfähig ist, kommt es auch auf die Kombination des Bachelors und des Masters an. Um sicherzugehen, ist daher der beste Weg, bei eurer angedachten künftigen Architektenkammer nachzufragen – sofern ihr schon wisst, in welches Bundesland es euch später verschlägt. Nicht jede Architektenkammer lässt die gleichen Studiengänge zu. Wieso es generell gut ist, schon im Studium mit der Architektenkammer in Kontakt zu kommen, erfahrt ihr in Kolumne 73.

Hat Corona dem Fernstudium eine Tür geöffnet?

Obwohl ich meinen Master schon in der Tasche habe, wird mir fast wöchentlich auf Instagram Werbung für das eine oder andere Fernstudium der „Architektur“ angezeigt. Nach einem solchen Fernstudium droht jedoch ein böses Erwachen, denn der Eintritt in die Architektenkammer bleibt damit verwehrt. So wird es sicherlich einigen gehen, denn darauf hingewiesen wird in der Werbung für solch ein Fernstudium nicht.

Gerade nach Corona lässt sich ganz neu darüber sprechen, ob ein Fernstudium kammerfähig sein sollte oder nicht. Hat Corona gezeigt, dass es eben doch möglich ist, Architektur über den Bildschirm zu vermitteln? Im Zuge der Pandemie habe ich dabei geholfen, an meinem damaligen Fachbereich die digitale Lehre zu konzipieren und aufzubauen. Als Lehrbeauftragter erlebe ich sie wöchentlich mit und meine noch studierenden Freunde erzählen mir offen, wie es Ihnen in der präsenzfreien Lehre daheim am Schreibtisch geht.

Es war an der Zeit, die Architekturlehre in die digitale Welt zu bringen. Das kann auch einem Fernstudium ähneln. Einige Aspekte sind wirklich eine nachhaltige Bereicherung, zum Beispiel Onlinevorlesungen. Statt auf der Treppe in überfüllten Hörsälen zu sitzen, lässt es sich auch zu Hause mit dem Laptop konzentriert zuhören.

Corona hat uns aber auch die Grenzen der präsenzfreien Lehre gezeigt. Gerade wenn es um Korrekturen, Besprechungen und Teamarbeit geht. Das Gespräch zweier Köpfe über der Skizzenrolle lässt sich nicht gänzlich digital ersetzen. Architektur im Fernstudium? Aus meiner Sicht: Nein!

Was denkt ihr? Schreibt mir gerne auf Instagram, was ihr dazu denkt.


Fabian P. Dahinten studierte Architektur an der Hochschule Darmstadt startet nun ins Berufsleben und engagiert sich bei der Nachwuchsorganisation nexture+.

Hier findet ihr alle Nachwuchs-Kolumnen von Fabian.

Wie sind eure Erfahrungen als Architektur-Studierende oder Berufseinsteiger? Hinterlasst uns einen Kommentar auf dieser Seite oder schreibt uns unter DAB-leserforum@handelsblattgroup.com

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