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DAM Preis 2021: Sieger steht fest

Die nominierten Projekte sind eine bunte Mischung an Architekturauffassungen und Bauaufgaben – vom geerdeten Landratsamt bis zur gestapelten Freizeitoase.

Anders als 2020 mit David Chipperfields James-Simon-Galerie war für den DAM Preis 2021 kein alles überstrahlender Favorit erkennbar, was keineswegs mit einem geringeren Qualitätsniveau zu tun hat. Zwar finden sich Gebäude, die in der öffentlichen Diskussion standen, wie das neue Bauhaus Museum in Dessau von Addenda Architects aber auch alltägliche aber nicht minder anspruchsvolle Bauaufgaben, etwa die Memminger Kita von heilergeiger Architekten unter deren Außenhaut aus Polycarbonat eine alte Villa steckt oder die von Allmann Sattler Wappner revitalisierte Großstruktur an der Schwanthaler Höhe in München.

Am 29. Januar wurde schließlich der Sieger verkündet. Zur Wahl standen noch vier hochinteressante Finalisten: ein Job-Center mit Dachgewächshaus, eine Schauspielschule in umgebauten Opern-Werkstätten, ein Wohnhaus aus industrieller Vorfertigung und eine gestapelte Freizeitlandschaft.

Die vier Finalisten beim DAM Preis 2021

SIEGERPROJEKT: WERK 12, München

ARGE MVRDV & N-V-O NUYKEN VON OEFELE ARCHITEKTEN

Das WERK 12 steht auf dem ehemaligen Pfanni-Gelände nahe des Münchner Ostbahnhofs. Das Areal entwickelt sich seit einigen Jahren zu einem experimentierfreudigen Stadtviertel. Umlaufende breite Balkonstege und Kaskadentreppen charakterisieren das Gebäude nach außen; seinen frisch-frechen Auftritt erhält es durch riesige Buchstaben mit Comics entlehnten Lautmalereien an der Fassade. Die Bilder des niederländischen Expo-2000-Pavillons tauchen nicht von ungefähr vor dem geistigen Auge auf: Er animierte den Bauherren zu dem Auftrag. Innen weist der fünfgeschossige Bau eine hohe Flexibilität für verschiedenste Nutzeransprüche auf. Durch eingezogene Galerien in den hohen Räumen entstehen zusätzliche Ebenen. Offene Installationen und Sichtbeton prägen das Innere. Ein Fitnessstudio belegt drei Etagen, eine davon mit Pool. Dazu kommen verschiedene Gastronomienutzungen und Büroflächen.

Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, Berlin

O&O BAUKUNST

Die neue Ernst-Busch-Hochschule fasst alle zuvor verstreut gelegenen Dependancen an einem Ort zusammen. Die Architekten haben dafür die ehemaligen Opern-Werkstätten aus den Fünfzigerjahren um einen Bühnenturm und eine Caféteria erweitert, die als neue Bauteile an den Bestand andocken: Der Bühnenturm lässt durch eine Holzlattenverkleidung die dahinterliegende Schicht aus Polycarbonatplatten hindurchschimmern, die Caféteria ist ein mit gelochtem Streckmetall verkleideter Flachbau. Im Bühnenturm sind zwei akustisch abgekoppelte Probensäle übereinander gestapelt; über die Etagen des Altbaus verteilen sich Werkstätten, eine Bibliothek und kleinere Probenräume. Mittig im Haus liegt eine Sichtbeton-Treppenskulptur zur vertikalen Erschließung. Das Innere wurde neu geordnet, bestimmend für die ästhetische Wirkung der breiten Korridore ist eine klare Zäsur: Bis zur Höhe von 2,30 Meter wurde saniert, alles darüber roh belassen.

Verwaltungsgebäude mit gebäudeintegriertem Dachgewächshaus, Oberhausen

KUEHN MALVEZZI

Zentral am Markplatz von Oberhausen ist die ungewöhnliche Kombination aus einem Verwaltungsgebäude mit einem Gewächshaus auf dem Dach entstanden. Verbunden werden die beiden Elemente durch einen vertikalen Garten. Auf dem unprätentiös und zugleich kraftvoll auftretenden Eckgebäude aus Backstein mit raumhohen Fenstern thront die luftige Gewächshausstruktur, deren gezacktes Dach ein wenig an Eisberge erinnert. In den unteren Etagen ist die Agentur für Arbeit untergebracht, oben baut ein engagiertes Gärtnerteam in ausgedehnten Glashallen Obst, Gemüse und Zierpflanzen an. Zudem forscht die Fraunhofer Gesellschaft in einem Teil des Gewächshauses. Die Erschließung des Dachs erfolgt separat aus einem Gartenhof über eine Stahlkonstruktion, die mit Kletterpflanzen und Pflanztrögen begrünt ist. Den oberen Abschluss bildet ein Steg mit Panoramablick über Oberhausen.

Wohnregal, Berlin

FAR FROHN & ROJAS

Das »Wohnregal« ist ein Beispiel großer Experimentierfreude: Die Architekten haben die seriellen Produktions- und Konstruktionsweisen aus dem Industriebau auf ein Eckwohnhaus übertragen und seiner Nachbarschaft einen Betonbaustein an die Seite gestellt, der sich zugleich einpasst, irritiert und neugierig macht. Die Schmalseite besteht aus einem offenen, nur durch ein Stahlnetz gesicherten Treppenhaus. Es wird in den fünf Obergeschossen beidseits von kleinen Loggien gerahmt. Die langen Seiten zur Straße und zum Hof hingegen sind raumhoch mit Schiebelementen verglast. In den ganz unterschiedlich großen Wohnungen mit fließenden Grundrissen kommt das Baukastensystem aus π-Decken, Balken und Stützen noch einmal voll zur Geltung. Dabei scheinen durch die Toleranzfugen die Balken auf den Stützen regelrecht zu schweben.

 

 

Auf der Website zum DAM Preis 2021 finden Sie darüber hinaus alle nominierten Projekte. Diese sind auch versammelt in:

Yorck Förster, Christina Gräwe, Peter Cachola Schmal (Hg.)
Architekturführer Deutschland 2021
DOM publishers, 2020
224 Seiten, 28 Euro

 

 

 

 

 

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