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[ Ratgeber ]

Drohnen für Architekturbüros: kaufen oder mieten?

Foto-Drohnen können bei Vermessung, Schadenssuche oder bei der Vermarktung von Architektur helfen. Aber technisch und rechtlich ist einiges zu beachten

Von Leila Haidar

Mit einer Fotodrohne schafft man Perspektiven, die dem Betrachter sonst nicht möglich sind. Von schlecht einsehbaren Gebäudebereichen, für Schadensgutachten, zur Dokumentation von Baufortschritten bis hin zur spannenden Vogelperspektive, die die Einbettung einer Immobilie in ihre Umgebung zeigt. Oder es kann auf den Meter genau ein Fensterblick erstellt und in CAD-Entwürfe gerendert werden, noch bevor der Grundstein gelegt wurde.

„Seit gut zwei Jahren setzen wir Drohnen auf Baustellen ein. Etwa um Gelände topografisch zu vermessen oder mit einem Inspektionsflug zu prüfen, ob alle Arbeiten wie vorgesehen abgeschlossen wurden“, erzählt Jörg Renter, der als Teamleiter beim Bauunternehmen Goldbeck unter anderem für 3D-Realitätserfassung zuständig ist. Die Drohnen stammen vom Hersteller DJI und sind mit einer stabilisierten Kamera sowie GPS ausgestattet. Schlüsselfertige Hallen, Parkhäuser, Büroimmobilien oder Schulen sind die Kernkompetenz des Generalübernehmers mit Hauptsitz in Bielefeld.

Schadensaufnahme oder Vermessung auch an schwer zugänglichen Stellen

Inspektionsflüge haben laut Renter den großen Vorteil, dass keine Gerüste und Absturzsicherungen notwendig sind, um schwer erreichbare Orte zu untersuchen. Den ferngelenkten Fluggeräten entgeht dabei keine beschädigte Stelle auf Dächern oder an Fassaden. Das Kamerabild kann – live oder nachträglich am PC – herangezoomt werden, um auch wenige Millimeter kleine Bereiche zu erkennen.

Bei der topografischen Vermessung zeigen sich beim Bauen im Bestand Vorteile: Soll ein Gebäude saniert oder erweitert werden, sind häufig schwer zugängliche Bereiche auf dem Grundstück zu vermessen. Auch 3D-Modelle lassen sich so erstellen. Mehr und mehr dokumentieren Goldbeck-Bauleiter auch Baufortschritte mithilfe von Drohnen-Fotoaufnahmen.

Fotograf Rosenthal
Der Fotograf Thomas Rosenthal hat sich auf Luftaufnahmen mit Drohnen spezialisiert.

Drohnenbilder für das Marketing

Spezialist für ästhetische Gebäudeaufnahmen ist Thomas Rosenthal. Der gelernte Fotograf macht Luftaufnahmen von Gebäuden vor allem für Marketingzwecke, als Grundlage für Renderings und als Vorbereitung für virtuelle 360-Grad-Rundgänge in Objekten, die zwar schon in der Vermarktung sind, aber noch nicht fertiggestellt. Auf seiner Webseite drohnen-fotografie.de bekommt der Interessent einen guten Eindruck, welche Blickwinkel aus der Luft möglich sind.

Viele Risiken und Vorschriften

Ob es sich für einen Architekten lohnt, eine eigene Drohne mit Kameraausrüstung zu kaufen, sei nicht pauschal zu beantworten. „Es gibt zahlreiche rechtliche und praktische Aspekte, wenn man aus der Luft fotografieren möchte“, berichtet Rosenthal. Die Nähe zu Bahnanlagen, Krankenhäusern mit Hubschrauberlandeplätzen und Flughäfen etwa, Sicherheitsbestimmungen, Flughöhe, Witterungsbedingungen, Privatsphäre und Datenschutz. (Eine Checkliste von drohnenflughannover.de macht deutlich, dass Drohnen keinesfalls mehr ein unreguliertes Tätigkeitsfeld sind.) „So ein Spielzeug kann überraschend schnell zum gefährlichen Geschoss mit erheblichem Verletzungsrisiko werden“, so Rosenthal.

Anschaffung einer Drohne gut überlegen

Allein das Handling der Hochleistungsakkus, die bei falscher Behandlung gerne mal Feuer fangen, sei nur etwas für Erfahrene. „Für denjenigen, der nur ein, zwei Fotoprojekte im Jahr macht, ist es zu aufwändig, sich in die Thematik einzuarbeiten. Da ist es günstiger und weniger zeitintensiv, den Auftrag nach außen zu geben“, so der Mittfünfziger mit mehr als 30 Jahren Berufserfahrung. Ab 400 Euro pro Einsatz fangen seine Preise an. Wer mehr Fotos möchte, zahlt dazu. Weitere Leistungen wie Videoaufnahmen, Fotobearbeitung, Renderings und so weiter kosten ebenfalls extra. „Dafür kann ich mit meinem geschulten Auge oft mehr rausholen, als lediglich das, was die Drohne kann“, gibt sich der Fotograf selbstbewusst.

Drohnenführerschein erforderlich

Bei Goldbeck besitzen 17 Mitarbeiter aktuell einen „Drohnenführerschein“, um die sieben Fluggeräte des Unternehmens fachgerecht zu steuern. Für den Kenntnisnachweis absolvierten die Ingenieure eine zweitägige Ausbildung in einem Drohnenflugzentrum mit anschließendem Test. Den Nachweis braucht man speziell für das sichere Bedienen in dicht bebautem Gebiet für Drohnen ab 2 kg Gewicht, was die meisten Modelle schon wegen der Kamera überschreiten. Innerstädtisch sei auch der Aufwand für einen Vermessungs- oder Inspektionsflug wesentlich höher als auf dem platten Land.

Architekten sind anspruchsvolle Kunden

Seit acht Jahren bietet Fotograf Rosenthal Drohnen-Fotografien an. In den letzten Jahren seien die Flugobjekte zunehmend günstig geworden, sodass die Konkurrenz steigt. „Wobei man differenzieren muss: Es gibt immer einen Studenten mit fliegender Digicam, der die Aufnahme billiger anbietet. Aber ein echter Fotograf mit Profi-Ausrüstung und einem geschulten Auge ist was anderes“, so Rosenthal. Eines hat er in der Zusammenarbeit mit Gebäudeplanern gelernt: „Architekten sind anspruchsvolle Kunden, weil sie selbst Ahnung von kreativen Projekten haben, aber in dieser Konstellation entstehen oft die besten Ergebnisse.“

Akku hält nicht lange durch

Die Akkulaufzeiten sind bis heute der Knackpunkt, wenn es um das Fotografieren aus der Luft geht. Während Spielzeug-Drohnen fünf bis zehn Minuten fliegen, hält die Batterie von Profi-Drohnen, wie sie die Firma Goldbeck und der Fotograf Thomas Rosenthal einsetzen, etwa 20 Minuten. Dann muss die Energiequelle getauscht werden. Daher ist jede Drohne mit zwei Reserve-Akkus ausgestattet. Alle 100 Ladezyklen werden diese ersetzt. Grundsätzlich wird die Akkulaufzeit und damit die Flugdauer vom Gewicht des Flugobjekts beeinflusst. Wer beispielsweise große Kameras, Teleobjektive oder zusätzliche Scheinwerfer mitnehmen möchte, muss auf längere Laufzeiten verzichten.

High-End-Geräte, wie sie für den militärischen Einsatz konzipiert wurden, bieten deutlich mehr Komfort und lohnen sich preislich nur für den regelmäßigen Einsatz. Bei der Parrot ANAFI USA zum Beispiel hält eine Akkuladung 32 Minuten. Das Gerät wurde ursprünglich für Ersthelfer und den Aufklärungs-Einsatz in Kriegsgebieten entwickelt. In Deutschland unterstützt sie unter anderem Feuerwehrleute, Gutachter und Inspektionsexperten, die beispielsweise die Sicherheit von beschädigten Gebäuden beurteilen müssen.

Leila Haidar ist freie Wirtschaftsjournalistin für Tageszeitungen und Fachmagazine aus Stuttgart.

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