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Architektur als (un)endliche Ressource?

Das Imaginieren und Vorausdenken ist unser ureigener Beitrag zu einem Bauvorhaben

Andreas Wohlfarth Präsident der Architektenkammer Sachsen
Andreas Wohlfarth, Präsident der Architektenkammer Sachsen

Seit Wochen beherrscht das Corona-Virus die Medien und verdrängt dabei andere wichtige Themen: die Bekämpfung des Klimawandels und die Vereinbarkeit unserer Tätigkeit mit dem Erhalt einer intakten Umwelt, subsumiert unter den Begriff der Nachhaltigkeit.

Regelmäßig ist vom Problem der „begrenzten Ressourcen“, vom „Ressourcenverbrauch“ oder deren Zerstörung die Rede, im Bauwesen bezogen auf verwendete Materialien und den Energiebedarf für Bau und Betrieb. Dabei hat sich eine eigentlich fehlerhafte Verwendung des Begriffs „Ressourcen“ eingeschlichen – das Wort stammt vom lateinischen „resurgere“ ab, was so viel bedeutet wie „sich wieder erheben, erneuern, wiedererstehen“. Diese Begrifflichkeit findet sich wieder bei wiederverwendbaren Baustoffen oder bei den erneuerbaren Energien, trifft aber gerade nicht auf die bisher gemeinhin verwendeten Materialien und Energieträger zu. Praktisch jede Bautätigkeit ist ein Eingriff in die Natur, den wir mitverantworten.

Dabei verfügen gerade wir durchaus über eine Ressource, die diese Bezeichnung zu Recht trägt, da sie sowohl unerschöpflich ist als auch sich immer wieder erneuert: Es ist unsere schöpferische, geistige Arbeit, die wir Architektinnen und Architekten ja gemeinhin als Kern unserer Tätigkeit sehen. Kreativität, clevere funktionelle Ideen und das Streben nach schöner Gestaltung verbrauchen sich ebenso wenig wie technisches Know-how und fundiertes Wissen um die Wechselwirkung von Mensch und gebauter Umgebung.

Dieses Imaginieren und Vorausdenken ist unser ureigener Beitrag zu einem Bauvorhaben. Die Baumaterialien sind es nicht, dafür sind Industrie und Händler zuständig; deren Verarbeitung ist es auch nicht, das ist Sache der Ausführungsbetriebe. Die Finanzierung von Bau und Betrieb eines Gebäudes muss der Bauherr sicherstellen. Wir benötigen all diese Akteure zur Umsetzung von Planung, sonst bleibt sie ein theoretisches Konstrukt.

Aber: Wir sitzen an einer Schlüsselstelle, weil wir diese Einzelteile zu einem funktionierenden Ganzen zusammenführen und dabei eine Hebelwirkung auf die genannten Bereiche ausüben. Unsere Planung entscheidet darüber, welche Materialien in welcher Menge eingesetzt werden und ob dabei der ökologische Fußabdruck beachtet wird. Wir beeinflussen maßgeblich die Baukosten und die späteren Betriebsaufwendungen. Gleichzeitig ist eine gute und verantwortungsvolle Gestaltung die beste Voraussetzung dafür, dass sich ein Gebäude als resilient gegenüber geänderten Anforderungen oder vergänglichen Moden erweist, und lange Lebensdauer ist ein entscheidender Faktor für die Nachhaltigkeit.

Kurzum: Mit der Verwendung unserer geistigen Ressourcen bestimmen wir auch den verantwortungsvollen Umgang mit den sogenannten „endlichen Ressourcen“. Im Idealfall entsteht dabei gute Architektur, die auch gesellschaftliche Verantwortung übernimmt. Gerade in Zeiten des Corona-Lockdowns machen viele Menschen die Erfahrung, welchen Wert Architektur – die eigene Wohnung, aber auch öffentliche Gebäude, Grünflächen und der Stadtraum – für die eigene Lebensqualität darstellt und wie schwer schon der zeitweise Verlust wiegt.

Deshalb werden wir trotz Einschränkungen zum Tag der Architektur lokal, digital und online zeigen, was wir können und was wir im letzten Jahr dazu beigetragen haben, dass die Ressource Architektur sich nicht erschöpft, sondern wächst und gedeiht.

Andreas Wohlfarth, Präsident der ­Architektenkammer Sachsen

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