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[ Inspiration ]

Architektur beginnt im Kopf

Erinnerte architektonische Situationen als Fundus, aus dem wir schöpfen


Thomas Kölschbach, Architekt und Stadtplaner, Emmingen-Liptingen

 

Nachdenken über angemessene Antworten

Das Wort Inspiration, lateinisch inspiratio, also „Beseelung“, „Einhauchen“, bedeutet allgemeinsprachlich eine Eingebung, etwa einen unerwarteten Einfall oder einen Ausgangspunkt künstlerischer Kreativität. Begriffsgeschichtlich liegt die Vorstellung zugrunde, dass einerseits Werke von Künstlern, andererseits religiöse Überlieferungen Eingebungen des (nicht notwendig personal verstandenen) Göttlichen seien“ – so Wikipedia.

In Wirklichkeit entstehen Ideen in unserem Kopf. Nämlich dann, wenn unser Gehirn Erinnerungen zu einem neuen Gedanken verknüpft. Wir alle wissen, wie es in einer Kirche riecht, wie Popcorn schmeckt oder wie ein Kneippbad sticht. Wir wissen das, weil wir diese Dinge mit persönlichen Erfahrungen verknüpfen, bewusst oder unbewusst. Ähnlich verhält es sich mit Räumen und deren Wahrnehmung. Wir alle sammeln durch unsere gebaute Umwelt Eindrücke. Die Summe dieser später erinnerten architektonischen Situationen bildet den Fundus, aus dem wir als Architekten schöpfen. Wenn man so will, ist er die Quelle unserer Inspiration. Das Sammeln hat in diesem Zusammenhang weniger mit Verwahren als mit Bewahren von Dingen und Sich-darüber-bewusst-Werden zu tun. Doch der architektonische Bezug auf die eigenen Erinnerungen birgt auch die Gefahr des Beliebigen. Das Wort Atmosphäre wird heute inflationär benutzt, um über nicht getätigte Aussagen zu architektonischen Fragen hinwegzutäuschen. In unserer täglichen Arbeit spielt die Inspiration durch oben beschriebene Bildwelten und das Zurückgreifen auf zuvor Gesehenes eine große Rolle. Wir verstehen sie weniger als die Bestätigung des Klischees, romantisch über die Dinge zu sinnieren, sondern eher als das Nachdenken über angemessene Antworten auf gestellte Aufgaben, seien es Datschen, Schulen oder Museen.

Julia Naumann, Max Wasserkampf, Architekten, Weimar

Tja, wie komme ich auf die besten Ideen?

  1. Durch Rotwein (klappt in der Regel am schlechtesten).
  2. Durch Architekturgeschichte, zumindest manchmal.
  3. Im Schlaf. Es gibt die Geschichte von dem Regisseur, der sich ein Notizblöckchen neben sein Bett legte, um die genialen Ideen aufzuschreiben, die ihm in der Nacht kamen. Am nächsten Morgen stand auf dem Block: „Boy meets Girl …“ Es ist aber immer gut, ausgeruht an die Sache heranzugehen.
  4. Im Museum. Das funktioniert eher als grundsätzliche Inspiration, im konkreten Fall nützt es meist wenig.
  5. Beim Sport. Aber nur ­draußen: Sauerstoffaufnahme ist tatsächlich hilfreich.

Susanne Haase, Architektin, Langenfeld

 

Weitere Gedanken, Erfahrungen und Reisetipps unserer Leser finden Sie in unserem Schwerpunkt Inspiration!

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