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[ Interview ]

„Die Arbeitsstruktur muss sich ändern“

Beim Deutschen Architektentag wird Claudia Meixner mit Ihnen über Haltung und Unabhängigkeit in der Architektur diskutieren. Kerstin Kuhnekath traf sie vorab zum Gespräch über ihre persönliche Haltung.

Ist Architektur für Sie eine Möglichkeit, um Statements zu setzen?

Auf jeden Fall! Architektur ist Ausdruck der Gesellschaft. Sie kann Haltungen und Werte widerspiegeln. Deshalb hat man mit Architektur tatsächlich die Möglichkeit, Statements zu setzen.
 
Sie haben zwei Wohnhochhäuser in Frankfurt gebaut. Eignet sich das Hochhaus für die Verdichtung der Stadt?

Ja. Das Wohnhochhaus ist eine Möglichkeit für die Verdichtung der Stadt, da es mit Grund-und-Boden-Ressourcen schonend umgeht. Ein Hochhaus ist zwar zunächst von den reinen Baukosten her nicht günstig. Allerdings könnte man in hochpreisigen Lagen die Einsparung durch den geringen Grundstücksanteil gegenrechnen.

Reicht denn die vorhandene Infrastruktur vor der Haustür für die höhere Anzahl an Bewohnern auf einem Fleck?

Nein, die Infrastruktur muss der steigenden Bewohnerzahl angepasst werden. Deshalb ist mit einer höheren Dichte ein Umdenken in Mobilitätsfragen und die Steigerung der Aufenthaltsqualität der öffentlichen Räume – auch der Grünräume – notwendig.

Sollte ein Hochhaus autark funktionieren und verschiedene Funktionen vereinen? Also: Wohnmaschine reloaded?

Ja und nein. Das Hochhaus kann wunderbar verschiedene Funktionen unter ein Dach bringen, aber nicht im Sinne der Wohnmaschine. Auch ein Hochhaus sollte Teil der Stadt sein, nicht autark sein und sich nicht von seinem Umfeld abschotten. Wie kann es integriert werden und die Stadt beleben? Mit dieser Frage setzen wir uns sehr intensiv auseinander.

Im Architektur-Studium finden sich Frauen und Männer zu gleichen Teilen. In der Führungsebene der Büros sind aber gerade mal zehn Prozent Frauen. Eine erschreckend kleine Zahl. Was glauben Sie, warum das so ist?

Die zentrale Frage für die gleichberechtigte Integration von Frauen und Männern in das Berufsleben ist immer noch die der Familienplanung. Das erfolgreiche Arbeiten in der Führungsebene ist immer auch mit großem Einsatz verbunden. Es ist sehr schwer, dies mit Familie unter einen Hut zu kriegen. Aber die Bedingungen verbessern sich. Uns ist es in unserem Büro sehr wichtig, jungen Eltern die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie zu ermöglichen.

Merken Sie selbst, dass Unterschiede gemacht werden zwischen Ihnen und Ihren Partnern?

Nein, ich habe nicht das Gefühl, dass es Unterschiede gibt aufgrund der Tatsache, dass ich eine Frau bin. Wir verteilen unter uns Partnern die Aufgaben so, wie es am besten für die jeweilige Aufgabe oder den Bauherrn ist.
In Bezug auf die Aufmerksamkeit von außen ist die Zeit im Moment gut für Frauen. Es wird zum Beispiel bei allen Anlässen versucht, die Frauenquote zu steigern. Da es immer noch nicht so viele Frauen in Führungspositionen gibt, werde in unserem Büro meistens ich eingeladen – was auch wiederum unfair ist. Ich wünsche mir aber grundsätzlich, dass keine Gleichheit erzwungen wird, weil Unterschiede bereichernd sind.

Stimmt, wir sollten keine Gleichheit erzwingen, auf der anderen Seite aber auch keine Unterschiede machen, die einer Seite Nachteile bringen.

Das ist natürlich richtig. Ich habe schon immer einfach meinen Beruf ausgeübt und dabei keinen Nachteil für mich als Frau verspürt. Selbstverständlich können Frauen genauso viel wie die Männer. Das sollte heute nicht mehr infrage gestellt werden.

Trotzdem gibt es die Gehaltslücke und die fehlende Sichtbarkeit.

Wenn die fähigen Frauen nicht die Positionen besetzen, die sie besetzen könnten, bedeutet es einen Verlust an Kompetenz für die Gesellschaft. Es muss sich etwas an der Arbeitsstruktur ändern, damit Familienplanung gelingen kann. Darauf kommt es an.

 

DABthema DAT

Weitere Informationen und Interviews mit führenden Referenten sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie in unserem DABthema Deutscher Architektentag

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