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[ DAB-Leserumfrage ]

Alles so schön nachhaltig?

Wie weit innen sollte Innenentwicklung sein? Müssen Baumaterialien lange halten – oder gerade nicht? Und fällt uns ein besseres Wort für Nachhaltigkeit ein? Ergebnisse der DAB-Leserumfrage

Belebt: Das Gundeldinger Feld in Basel ist ein vorbildliches Beispiel für die 2.000-Watt-Gesellschaft.

Es gibt noch viel zu entdecken

Der Begriff der nachhaltigen Architektur und Baukultur ist in Deutschland nicht definiert. Zwar wird jedes Einfamilienhaus als nachhaltig verkauft, aber wie sieht nachhaltige Architektur heute aus? Anders als zum Beispiel bei den Ökosiedlungen der Achtziger entsteht kein einschlägiges Bild. Stattdessen wird der Begriff von jedem verwendet, der ihn gebrauchen kann. Auch ich habe kein Bild beizusteuern. Aber ich wünsche mir, dass nachhaltige Architektur und Baukultur in Deutschland auch mit einer guten Haltung assoziiert wird. Nach dem Drei-Säulen-Modell von Joseph Huber soll Nachhaltigkeit durch Konsistenz, Effizienz und Suffizienz erreicht werden. Mit den ersten beiden Begriffen können Architektinnen und Architekten viel anfangen. Die Suffizienz bleibt nebulös. Sparsamer bauen? Weniger bauen? Gar nicht bauen? Das widerspricht unserem Selbstverständnis und Gestaltungswillen. Doch es gibt viel zu entdecken. Die Schweizer machen es mit dem Konzept der 2.000-Watt-Gesellschaft vor: Da geht es am Ende nicht darum, was das Haus verbraucht, sondern was die Bewohner verbrauchen. Das denkt Mobilität, Bauweise und Nutzerverhalten zusammen. Dieser Ansatz, der mehr mit einem „guten Leben“ zu tun hat als mit Smarthomes, könnte unser Bild von nachhaltiger Baukultur (mit-)prägen.

Karin Hartmann, Architektin und Referentin für Baukultur im BBSR, Bonn


Zertifiziert: Der Neubau des WTC 7 in New York wurde mit LEED Gold ausgezeichnet und gilt so als „grünes“ Gebäude.

Ich kann es nicht mehr hören

Ich kann das Wort Nachhaltigkeit nicht mehr hören, weil es leider ausschließlich Fassade und Marketing-Schnickschnack ist. Ich war in den letzten Jahren an verschiedenen Projekten beteiligt, bei denen es um „LEED“ oder „DGNB“-Auszeichnungen ging. Ein Insider hat mir erklärt, dass diese „Zertifizierungs-Orgien“ ausschließlich aus Wettbewerbs- und Marketinggründen entstanden sind (wie so vieles heute). Die Zertifizierungs-Kriterien der unterschiedlichen Anbieter haben in den wenigsten Fällen mit wirklicher „Nachhaltigkeit“ zu tun. Das Ganze gibt es nur, weil viele Leute daran verdienen. Und die Bauherren und Nutzer bezahlen den ganzen Quatsch.

Stefan Dafeld, Architekt, Erkrath


Verbraucht: Erschließung eines Gewerbegebiets in einem Waldstück im Süden von Suhl, Thüringen.

Landschaft lässt sich nicht ersetzen

Das Thema verfolgt mich seit meinem TU-Berlin-Studium in den Fünfzigerjahren ständig, damals ausgelöst durch die Lehrveranstaltung im Waldbau. Womit ja schon der Ursprung des Wortes in der Forstwirtschaft benannt ist, wo ungezügelte Holzentnahme zur Forderung nach einer „nachhaltigen Bewirtschaftung” der Wälder führte. Das war lange Zeit in Deutschland die alleinige Lesart. Doch wie ging es weiter? Nimmt man zum Beispiel ein Lexikon von 1995, findet man das Wort „nachhaltig“ gar nicht! 2018 ist Nachhaltigkeit zum Schlagwort geworden: für das energiesparende Bauen ebenso wie für Konzepte, die gesellschaftliche Ungleichheiten überwinden wollen und eine Teilhabe aller an gesellschaftlichen Prozessen anstreben.

Einen Durchbruch in Richtung auf nachhaltige Landnutzung hat es – trotz jahrzehntelangen Bemühungen und Diskussionen – nicht gegeben. Im Gegenteil: Die eine Nachhaltigkeit ist inzwischen zum Gegensatz der anderen geworden: Biosprit gegen Landschaftsausräumung für die Maisäcker. Auch im Städtebau wird immer wieder versucht, dem Verbrauch freier Landschaft Grenzen zu setzen – mit wenig Erfolg. Meist sind die Forderungen nach „mehr Bauland“ auf der stärkeren Seite. Dann wird von den Vorschriften nach BauGB und BNatSchG geredet und von „Ausgleich und Ersatz“, bloß lässt sich freie Landschaft nicht „ersetzen“. In der Architektur ist das vielschichtiger. Hier steht Energieeinsparung an der Spitze – und ist Nachdenklichkeit dabei wichtiger, als es Vorschriften sein können.

In diesem Jahr wird der Club of Rome 50 Jahre alt. Er hat in diesem halben Jahrhundert unverdrossen darauf hingewiesen, was Nachhaltigkeit bedeutet. Doch der Begriff wird missbraucht und entstellt. Aber dieser allseits bekannte Unsinn darf den Berufsstand nicht bei seinen Bemühungen um Nachhaltigkeit behindern!

Kurt Reschke, Landschaftsarchitekt, Bremen


Suchen, schätzen, streiten

Nachhaltigkeit ist ein störendes Wort, weil es lang ist, viel benutzt wird und sich dahinter viele Meinungen, Interessen und Sachverhalte verbergen. Aber im Kern ist es genau das, worum es geht: Wir müssen uns um die Dinge um uns herum kümmern – dauerhaft. Es ist ein Glücksfall, wenn man sagen kann: „Die Ziegelfassade ist nachhaltig, weil sie lange hält und kaum Unterhalt braucht“ – Thema erledigt. Im Regelfall gibt es aber kein Patentrezept. Wir werden weiter Lösungen für Nachhaltigkeit suchen, schätzen, evaluieren und messen sowie darum streiten müssen. Vielleicht braucht es so etwas wie Liebe, um die nötige Ausdauer zu behalten. Und einen liebevolleren Begriff?

Christian Bogerts, Architekt, Darmstadt


Euphorischer Handlungswille

Nachhaltiges Wachstum,
nachhaltig stärken,
nachhaltig reformieren,
nachhaltige Entwicklungspolitik,
Nachhaltigkeitsstrategie,
nachhaltiger Zugang,
nachhaltige Energieerzeugung,
nachhaltig fördern,
nachhaltig verändern,
nachhaltige Mobilität,
nachhaltige Wachstumsstrategien,
nachhaltige Mieterstrommodelle,
nachhaltige Umstellung,
Nachhaltigkeitsbezug,
nachhaltige Modernisierung,
nachhaltige Landwirtschaft,
nachhaltige Lieferketten,
nachhaltige Nutzungsformen,
nachhaltige Fischerei,
nachhaltige Nutzung,
nachhaltiger Lebensstil,
nachhaltig gestalten,
nachhaltige Schritte,
nachhaltige Bodenpolitik,
nachhaltige Stadtentwicklung,
nachhaltige Absicherung,
nachhaltiger Konsum,
Nachhaltigkeitspolitik,
nachhaltige Schaffung,
nachhaltige Finanzierung,
nachhaltige Bekämpfung,
nachhaltiger Handel,
nachhaltige Lösungen,
nachhaltige Investitionen,
nachhaltig sicherstellen.

Diese Aussagen und Offenbarungen stehen im aktuellen Koalitionsvertrag. Angesichts dieses euphorischen Handlungswillens müssen wir uns um unsere Zukunft keine Sorgen machen. Nun denn, gestalten wir gemeinsam den drohenden Untergang nachhaltig.

Thomas Kölschbach, Architekt und Stadtplaner, Emmingen-Liptingen


Vermehrt: Wenn Wohnraum effektiver genutzt würde (hier: Treppenmöbel von Gerd Streng), wäre genug für alle da.

Ressource Raum

Oft wird behauptet, Innenentwicklung sei per se nachhaltig – doch häufig verbirgt sich dahinter eine „innere Außenentwicklung“: Die letzten Freiflächen innerhalb der juristischen Stadtgrenzen werden bebaut. Wirklich nachhaltig wäre eine „neue Innenentwicklung“, die Häuser von innen her entwickelt und dort neue Räume erschließt. Das beginnt mit der Wohnraumoptimierung durch Raumteiler, durch Farbe und Fenster, die Räume größer wirken lassen, oder mit der Entdeckung ungenutzter Ecken. Danach kommen Einbauten, Ausbauten, Umbauten. Schließlich folgt die Architektur gemeinschaftlichen Wohnens mit einer klugen Abstimmung privater und öffentlicher Räume, die es dank geteilter Bereiche erlaubt, auf weniger Fläche pro Person zu leben.

Daniel Fuhrhop, Buchautor, Oldenburg


Die Form folgt dem Nutzen aller

Architektinnen und Architekten setzen „Nachhaltigkeit“ gerne mit Haltbarkeit und Dauerhaftigkeit gleich. Diese kann jedoch sogar im Gegensatz zu ökologischer Qualität stehen. Denn unsere Technologie führt zu immer dauerhafteren Produkten, die immer mehr Widerstand gegen Veränderung leisten. Die energieintensive Herstellung heutiger Baumaterialien erzeugt Baustoffe, die kaum noch von Umwelteinflüssen verändert werden, also auch nicht natürlich abgebaut werden. Doch nicht jeder Bau ist für die Ewigkeit vorgesehen. Viele Baumaterialien bleiben uns lange entweder als Müll erhalten oder müssen mit großem Aufwand recycelt werden. Deshalb sollte bei der Materialwahl die Frage im Vordergrund stehen, welche Lebensdauer für das Gebäude vorgesehen ist und wie es altern kann. Außerdem muss der Preis bedacht werden, den die Umwelt auf allen Ebenen zu zahlen hat.

Seit der Mensch weiß, dass ein „Weiter so“ das Leben auf diesem Planeten gefährdet, hat sich das Bauen erstaunlich wenig verändert. Wir werden jedoch einen echten Paradigmenwechsel brauchen. Die Form sollte nicht mehr der Funktion folgen, sondern dem Nutzen aller – wobei sich „Nutzen“ als Nutzen für die Gemeinschaft allen Lebens definieren muss. Für eine zukünftige Baukultur, die diesen Namen verdient, sollten, erstens, Ressourcen geschont werden, indem möglichst viele stark verarbeitete durch gering verarbeitete Materialien ersetzt werden. Zweitens sollten Behaglichkeit und Schadstofffreiheit für alle gewährleistet werden. Drittens sollten gemeinschaftsbildende und naturnahe Außenräume geschaffen werden, die einen Mehrwert für Mensch und Natur bedeuten.

Nachhaltige Planung bewegt sich in einem Rahmen, der durch fundamentale Eigenschaften von Ökosystemen, wie Material-, Natur- oder Kleinklimakreislauf, abgesteckt ist. Das heißt nicht, dass es darin keine Gestaltungsfreiheit gäbe – ganz im Gegenteil. Doch bestimmte Konstruktionen und Tragwerke, die sich nur mit einem großen Anteil an Materialien mit energieintensiven und umweltzerstörenden Produktionsprozessen (Stahl, Zement, Aluminium etc.) realisieren lassen, müssen auf ein absolutes Minimum reduziert werden. Der Weiter- und Wiederverwendung ist der Vorzug zu geben.

Wir sollten endlich anfangen, die Diät, die uns verordnet ist, ernst zu nehmen! Dazu müsste besonders an den lehrenden Institutionen wie Hochschulen und Kammern sowie in den Fachverlagen die primär formale und stilistische Bewertung zugunsten der systemischen aufgegeben und eine andere Wahrnehmung von Planungen und Gebäuden eingeübt werden. Das beinhaltet auch die Entwicklung eines Bewusstseins für das Geflecht der natürlichen und sozialen Abhängigkeiten. Durch die Einsicht in das, was der buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh „Intersein“ nennt – die Tatsache, dass alles im Leben miteinander verbunden ist und sich gegenseitig bedingt –, können wir erkennen, dass jeder von uns ein integriertes und zugleich gestaltendes und damit mitverantwortliches Element eines dynamischen Ganzen ist. So lange wir uns als abgetrennt wahrnehmen, ist ein angemessenes Verhalten nicht möglich.

Annette Landgraf, Architektin, Lohmar


Wandelbar: Auf dem Berliner Gleisdreieck wurde aus einer Industriebrache durch eine Bürgerinitiative einer der vielseitigsten Parks der Stadt.

Freiraum für Veränderung

Nachhaltigkeit bedeutet für mich, Freianlagen so zu planen, dass sie für mindestens zwanzig  Jahre (fast) alle Entwicklungen mitmachen können. Das gilt zum einen für Hausgärten –  von denen ich schon einige seit Beginn meiner Tätigkeit Ende der Achtzigerjahre „aufgefrischt“ habe. Es gilt zum anderen aber auch für öffentliche Freianlagen. So freut es mich immer wieder, wenn ich Außenflächen sehe, die verschiedene Entwicklungen ermöglichen, obwohl sich Verantwortliche, Verhalten und Blickwinkel verändern. Natürlich wandeln sich Freianlagen allein schon durch Bepflanzung. Aber die grundsätzliche Struktur sollte eben bei allen Veränderungen einfach funktionieren.

Yvonne Göckemeyer, Landschaftsarchitektin, L­everkusen-Opladen


Beständig: der gründerzeitliche Bürgersteig als Sinnbild der Urbanität

Auf nachhaltigem Pflaster

Wann immer ich nach München-Schwabing oder Berlin-Prenzlauer Berg komme, wundere ich mich, mit welchem Anspruch diese Stadtviertel gebaut wurden: Erdgeschosse mit vier Metern Höhe, hölzerne Portale, luftige Treppenhäuser mit zarten Geländern, Wohnungen mit Oberlichtern und Jahrhundertböden. Diese Viertel gibt es in fast allen Großstädten der Republik, und sie leben immer noch von der Substanz der alten Tage. Da ist die Straßenführung, die durch Blockränder plastisch umbaut wurde; da sind Plätze und Hinterhöfe, die selbst nach Jahrzehnten mit Unbekanntem überraschen. Und wie ungeheuer nachhaltig war es etwa von den Stadtvätern Berlins, die Gehsteige mit dem typischen Pflaster zu belegen. Eine mittige Passage mit rechteckigen Platten und zwei Streifen Kleinsteinpflaster: „Hier gehen – dort stehen!“ Diese Botschaft wird allerorts verstanden, und wie wird dieser Raum genutzt! Wer nachhaltig baut, kann sogar so etwas Profanes zum Erkennungsmerkmal erhöhen.

Ulrich Kraus, Architekt, Schwabmünchen


Ruiniert: Abriss und Neubau tun meist dem Portemonnaie besser als der Umwelt.

Das Haus als Wegwerfobjekt

Der Duden definiert „nachhaltig“ zuerst als eine „über längere Zeit anhaltende Wirkung“ – also eigentlich gerade nicht als kurzfristige Einsparung bei aufgeschobener Entsorgungsproblematik und nicht als Produzieren einer determinierten Abrissarchitektur, die nur bei der Vermarktung „edel“ wirkt. Leider scheint jedoch das kurzfristige Marktdenken nach wie vor bestimmend zu sein.

In den Augen vieler scheint Architektur lediglich ein Technik-Träger zu sein, alles darüber hinaus wird als oberflächliches „Design“ abgetan – selbst im akademischen oder fachkundigen Milieu. Doch das nachhaltige Haus muss ohne ein Übermaß an Wartung und Reparatur über Generationen hinweg flexibel nutzbar bleiben. Es braucht Offenheit in Grundriss und Konzept, keinen zum Erbrechen wiederholten Minimalstandard im Maximalkonsens. Dazu muss sowohl der intellektuelle Aufwand in Entwurf und Planung als auch in der handwerklichen Ausführung ablesbar und erfahrbar sein. Das WDVS-bemäntelte Haus ist – von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen – nichts weiter als architektonische Selbstaufgabe, oft vom Bauherrn ohne besseres Wissen angeordnet. Sichtbare Nachhaltigkeit kann dann über ein Zertifikat erworben werden. Warum bis heute die grundsätzliche Lebensdauer eines Hauses kein Hauptkriterium im deutschen Zertifizierungssystem darstellt, erscheint sonderbar. Die Bewertung nach Lebenszyklus definiert das Haus nebenbei als recycelbares Weg-werfobjekt, alles als Cradle-to-cradle.

Nachhaltigkeit wird so zum Gefährt einer prozessoptimierten Konsum-Fluchtbewegung. Die Zeitlichkeit unserer gebauten Umwelt wird aufgegeben, das zeitgenössische Bauen verliert an Wert. Demgegenüber kann nur eine sich im Jetzt konstituierende, über die Einsparanforderungen hinaus auf Dauer ausgerichtete Architektur bestehen.

Levin Koch, Architekt, Stuttgart


Wer, wenn nicht wir?

Nachhaltigkeit – wir können es schon nicht mehr hören. Die absurdesten und dennoch zutreffenden Argumente werden bemüht, um unseren Anthropozentrismus zu rechtfertigen: „Alles so schön nachhaltig“. Wo ist die Alternative? Unser Planet braucht den Menschen nicht. Doch bis vor Kurzem war es schlicht nicht erforderlich, Verantwortung für das kleine Ellipsoid im Universum zu übernehmen. Heute erschrecken wir vor der Größe der Aufgabe und verdrängen die entscheidenden Themen der Zukunft. Dabei wäre etwas mehr Sportlichkeit und weniger Bequemlichkeit bei der Rettung unseres Daseins nicht nur gesünder, sondern machte auch deutlich mehr Freude als Drittwohnung, Viertwagen und Jetset. Und genau diese Freude darüber, wieder auf der Erde heimisch zu werden und mit ein wenig Demut anzunehmen, dass wir nur ein ganz kleiner Teil der Natur sind, ist es, die mich sehr zuversichtlich macht, dass der Mensch seinen törichten Anthropozentrismus überwindet.

Was das mit uns Architekten zu tun hat? Wir sind diejenigen, die über die größten Volumina und Flächen nachdenken, die wir Menschen auf der Erdkruste gestalten oder verunstalten. Auch wenn bei den meisten Bauten eher weniger nachgedacht wird und verantwortungsvolle Architekten zu selten beteiligt sind. Dennoch haben wir die größte Verantwortung für die Zukunft, denn wer, wenn nicht wir, soll über diese gigantischen Mengen an Beton, Stahl, Asphalt, Plaste, Holz und Glas sinnvoll nachdenken?

Andreas Rieger, Architekt, Lübben (Spreewald)


Unabdingbar und unbequem

Wenn es um Nachhaltigkeit geht, haben die meisten Baustoffe oder Herstellungsverfahren im Kopf. Doch Nachhaltigkeit geht weit darüber hinaus, hinein in die Entstehung einer Idee. Schon im Entwurf müssen wir uns damit beschäftigen, wie lange ein Produkt halten soll und wie es seine Notwendigkeit und Daseinsberechtigung behält. Es geht nicht darum, ständig neue Bedürfnisse zu befriedigen, sondern wortwörtlich „sinnvolle“ Problemlösungen zu entwickeln, die zeitlos sind und sich durch eine hohe gestalterische Qualität auszeichnen. Das macht unsere Arbeit als Architekten unabdingbar und wertvoll. Nachhaltigkeit bedeutet auch, das Konsumverhalten zu überdenken und Aufklärungsarbeit bei Auftraggebern zu leisten – auch wenn das manchmal unbequem und anstrengend ist.

Annika Wagener, Innenarchitektin, Hannover


Mehr Informationen und Artikel zum Thema finden Sie in unserem Schwerpunkt nachhaltig.

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