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[ DABthema: engagiert ]

Wirtschafts-Krise

Bauökonomie wird für Architekten immer wichtiger. Doch ausgerechnet an ihr sparen Deutschlands Hochschulen.

Text: Sebastian Zoeppritz

In der Architektenausbildung verliert die Bauökonomie an Gewicht; entsprechende Professorenstellen an Hochschulen werden gestrichen oder fachlich umgewidmet. Von den 17 Architekturstudiengängen an Universitäten waren schon 2012 nur 11 entsprechend ausgestattet; eine Hochschule hat mittlerweile die Professur gestrichen. Eine andere will die Vakanz nicht wiederbesetzen. Das ist besorgniserregend – zumal mehrere Stelleninhaber in einem Alter sind, welches Überlegungen zur Wiederbesetzung notwendig macht. An den fünf Akademien ist wegen ihres besonderen Profils die Bauökonomie ohnehin nicht vertreten.

Die Bauökonomie ist jedoch unverzichtbarer Bestandteil der Architektenaus­bildung. Die EU hat in elf Kriterien die Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen benannt, deren Erwerb das Architekturstudium sicherstellen muss. Eins davon sind „die technischen Fähigkeiten, die erforderlich sind, um den Bedürfnissen der Benutzer eines Gebäudes innerhalb der durch Kostenfaktoren und Bauvorschriften gesteckten Grenzen Rechnung zu tragen“.

Nicht ohne Anlass sind in der Novelle der HOAI 2013 die Leistungen der Kostenplanung erweitert worden. Darin drückt sich der berechtigte Anspruch der Gesellschaft an einen verantwortlichen Umgang mit der Kostenplanung für Bauwerke aus. Wenn die Kostenplanung mangels Architektenkompetenz oder nur mangels Zutrauen in diese Kompetenz an andere übertragen wird, hilft das unserem ganzheitlichen Anspruch an die umsichtige Planung guter Architektur nicht.

Die deutschen Architektenkammern haben 1996 das Baukosteninformationszentrum (BKI) gegründet. Dort werden Daten zu den Kosten realisierter Bauvorhaben gesammelt und systematisiert zugänglich gemacht – eine unverzichtbare Hilfestellung für die Architekten. Mit den Daten muss auch sachgerecht umgegangen werden können, die Zahlen müssen intelligent ausgewählt und integriert werden. Diese Fähigkeiten müssen in der Lehre angelegt werden.

Im Übrigen müssen die werdenden Architektinnen und Architekten auch damit vertraut gemacht werden, ihren eigenen Arbeitsaufwand zu planen. Das Überleben des Berufsstandes muss auch auf ein Kostenbewusstsein in der Arbeitsplanung bauen. Bürokalkulation ist ein wesentlicher Bestandteil der Bauökonomie.

Ein anderes wichtiges Ziel der Lehre in Bauökonomie muss sein, den Studierenden ein Verständnis der Marktmechanismen bei Gebäudeinvestitionen zu vermitteln – von der Standortbewertung bis zur Bauunterhaltsbetrachtung im Lebenszyklus – und damit die Zusammenhänge von Investition, Entwurf und Ergebnis zu verdeutlichen.

Großprojekte geraten ins Zwielicht – auch wegen Terminverzögerungen und Kostenentwicklungen. Die Politik versucht sich an ­Rettungsansätzen, die häufig in unangemessene, für Architekten gefährliche Richtungen weisen. Mal wird die Öffentlich-Private Partnerschaft gepriesen, mal in unausgereiften Planungsmethoden das Heil gesucht. Oder es werden im Bauverlauf Kosteneinsparungen beschlossen, um politisch vorgegebene Kosten zu halten, was sich später in Form von Funktionsmängeln rächt und aufwendige Nachrüstungen provoziert.

Wir Architekten müssen Aufklärungsarbeit leisten über die Gefahr politischer „erster Zahlen“, über die Notwendigkeit von Machbarkeitsstudien für erste Kostenangaben und über die langfristigen Kostenrisiken der ÖPP-Modelle. Wir müssen aber auch engagiert an unseren Kompetenzen in der Kostenplanung arbeiten: in der Praxis durch ständige Fortbildung, in der Ausbildung durch eine angemessene Berücksichtigung in der Lehre.

Wir müssen uns politisch dafür einsetzen, dass die Architekturabteilungen weiterhin Experten für die ganz unterschiedlichen Qualifikationen anbieten, welche das Berufsbild ausmachen. Dazu gehört die Bauökonomie, die bevorzugt von darauf spezialisierten Architekten vertreten werden muss. Für die Hochschulen für angewandte Wissenschaften ist eine weitsichtige Politik der Länder gefordert, welche die Kapazitäten zugunsten richtungsvielfältiger Strukturen an leistungsfähigen Standorten bündeln muss.

Ein Architekt aus den Hauptaufgabengebieten des Entwerfens und Konstruierens kann diese Sonderaufgabe selten mit dem notwendigen Tiefgang nebenbei erarbeiten, vermitteln und vorleben. Es braucht die oder den Bauökonomen, um die Themen auf der Basis einer eigenen Architektenausbildung mit Expertise und Leidenschaft vermitteln zu können.

Die Lehre und Forschung der Bauökonomie müssen an den Hochschulen angesiedelt sein. Stattdessen die Lehre auf die Fortbildung in den ersten zwei Jahren des Berufs zu verschieben, würde dazu führen, dass es an den Hochschulen keinen Nachwuchs und zukünftig keinen aktiven Stamm an Lehrern, Forschern und Entwicklern auf dem Gebiet der Bauökonomie geben wird. Dies wiederum beraubt die Disziplin der notwendigen Möglichkeiten, ihre Methoden und ihr Repertoire weiterzuentwickeln.

Universitäten mit ihrem breiteren Angebot an Experten für die Vielfalt der Aufgabenfelder haben die Chance, auch das Feld der Bauökonomie hauptamtlich zu besetzen – diese Chance müssen sie nutzen! Der Beirat des BKI-Baukosteninformationszentrums fordert mit Nachdruck:

• Die Notwendigkeiten der wirtschaftlichen Planung sind gebührend zu würdigen.

• Die Bauökonomie braucht Stellen für Lehre und Forschung.

• Diese Stellen sind mit Architektinnen und Architekten zu besetzen, die sich auf dem Gebiet ausgewiesen haben.Tabulator für rechte Ausrichtungn

Prof. Dipl.-Ing. Sebastian Zoeppritz ist Architekt und Stadtplaner in Stuttgart und Mitglied im Beirat des BKI.

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