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[ Lesenswertes ]

Über Berliner Architektur, das Leben von Wolf Schneider und warum wir andere Häuser brauchen

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Berliner Vielfalt

Glaubt man manchen Tages- und Fachblättern, dann führt Berlins aktuelle Architekturproduktion zu einem öden Einheitsbrei. Dieses Klischee widerlegt das Jahrbuch der Berliner Architektenkammer überzeugend. Zwar finden sich auch hierin einige Beispiele der Stadt-üblichen Bürohausfassaden mit dem immer gleichen Fensterraster. Aber es findet sich darin viel mehr – von der Barockhaus-Restaurierung über die Aufnahme traditioneller Bauhaus-­Motive bis zur gestalterischen Innovation. Ein ­wenig irritiert die breite geografische Streuung der Objekte. Denn es sind keine Berliner Projekte, sondern Werke Berliner ­Planer und Architekten in aller Welt, die die Vielfalt der hauptstädtischen Szene ­dokumentieren.

Architektenkammer Berlin (Hrsg.): Architektur Berlin, Band 4. Baukultur in und aus der Hauptstadt – Verlagshaus Braun, 2015, 184 Seiten, 29,90 Euro


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Sprachlehrer und Querdenker

Der Autor dieser eigenwillig betitelten Memoiren ist Journalist und Sprachpfleger und hat auch Architekten und Planern viel zu sagen. Erstens hat Wolf Schneider mit „Überall ist Babylon“ ein weltweit gelesenes Buch zur Stadtgeschichte geschrieben, in das auch über 50 Jahre nach Erscheinen noch ein Blick lohnt. Zweitens ist er nicht nur in Stadtfragen ein spielerisch provozierender, anregender Quer- und manchmal Vorausdenker. Das zeigt zum Beispiel eine Diskussion mit Richard Neutra, die Schneider in den Memoiren kurz erwähnt und in der er zur Dichte von Städten eine Position vertrat, die sich im Berufsstand erst Jahre später verbreitete. Drittens ist Schneider Deutschlands wichtigster Sprach- und Stillehrer – für Journalisten und alle anderen, also auch für schreibende Architekten und Planer. Viertens war er Deutschlands einflussreichster Journalisten-Ausbilder und hat Prinzipien geprägt und gepredigt, denen auch das Deutschen Architektenblatt zu folgen versucht.

Wolf Schneider:  Hottentottenstottertrottel. Mein langes, wunderliches Leben – Rowohlt Verlag, 2015, 448 Seiten, 19,95 Euro
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Blödes Volk und Besserwisser

Ein schwer erträgliches Buch, denn der Autor schreibt über das ach so blöde Volk und weiß viel besser als die Leute selbst, was ihnen guttäte: Eigenheime sind doof und Eigenheimer dumm. Abgeschottete Wohnungen für Familien, Paare, Kleinstgruppen oder gar Individuen stehen für ein falsches Leben. Maak propagiert das Wohnen mit Gemeinschaftsräumen oder -zonen für größere Gruppen und Rückzugsräumen für Einzelne. Es gibt ein paar historische Beispiele dafür und heute einzelne Projekte zum Beispiel in Berlin und Zürich, aber der größte Teil der Leute sucht nach wie vor daheim den Rückzug ins Private. Der Autor überlegt nicht, wie man die Wohnwünsche der Leute besser erfüllen könnte. Sondern er fordert, dass sie ganz andere Wünsche entwickeln.

Niklas Maak: Wohnkomplex. Warum wir andere Häuser brauchen – Hanser Verlag, 2014, 320 Seiten, 21,90 Euro

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