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[ Glosse ]

Bloß kein Städtebau!

Straßen und Plätze formen, Blöcke und öffentliche Räume gestalten? Das ist viel zu banal.

67_Glosse

Text: Roland Stimpel

Worum geht es im Städtebau? Dazu regnen seit Monaten Erklärungen, Statements, Manifeste und Thesen auf uns nieder. Laut einem Papier mit dem Titel „100 % Stadt“ betreibt man Städtebau für so ziemlich alles, nämlich für „Vielfalt und sozialen Frieden, für wirtschaftlichen Wohlstand und die ökologische Tragfähigkeit“. Es geht nicht so sehr um Häuser und Straßen: „Jede lebendige Stadt besteht vor allem aus den Erzählungen der Vergangenheit und den gegenwärtigen Erwartungen an die Zukunft.“ Also sei Städtebau ein Thema für viele, zum Beispiel „Politiker, institutionelle und private Investoren, Kreative, Soziologen, Klimaforscher, Lichtdesigner, Eventmanager“.

Die Autoren einer „Aachener Polemik“ meinen, Städtebau verlange vor allem die „Kenntnis von komplexen Akteursstrukturen, das Wissen um Entscheidungsprozesse in und außerhalb der politischen Systeme, die Sensibilisierung für die Interessen und Belange einer sich weiter ausdifferenzierenden Stadtgesellschaft“. Laut einer „Erfurter Einladung“ müssen vor jedem Städtebau erst mal „die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen, unter denen in der heutigen Zeit geplant wird, kritisch hinterfragt, deren Probleme identifiziert und kontrovers diskutiert werden“. Dann müsse „die Systemfrage gestellt werden“, welche auch immer. Nach Dirk E. Haas aus Essen braucht es „für heutige Städte, ihre Muster, ihre Brüche, ihre Polyrationalitäten höhere Mathematik“. Die Braunschweiger Professorin Vanessa Carlow schließlich propagiert unter anderem „Geoökologie, Genderstudies und Zugang zu Bildung“ als Themen für den Städtebau.

Das alles sind Antworten auf die „Kölner Erklärung“ einer Gruppe bodennaher Architekten und Planer. Die hatten eine Provokation gewagt, nämlich mehr Aufmerksamkeit für den „konkreten Stadtraum aus Straße, Platz, Block und Haus“ gefordert. Konkrete Räume? Das hat all den anderen gerade noch gefehlt, denn darin steckt für viele eine tückische Zumutung: Sie könnten sich nicht auf Systemfragen, Akteursstrukturen und Polyrationalitäten hinausreden, sondern müssten Verantwortung für die gebaute Stadt übernehmen.

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