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[ Glosse ]

Pop your store, break my heart

Deutsch-Englisch singen wie Elvis Presley? No problem für ein State-of-the-Art-Architekturbüro

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Wording: Roland Stimpel

Bremen und sein Vorposten Bremerhaven waren bis vor hundert Jahren wichtige Rampen für die Auswanderung nach Amerika. 1958 ging hier in Gegenrichtung der Wehrpflichtige Elvis Presley von Bord und sang ein deutsch-englisches Lied: „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus. Can’t you see: I love you. Please don’t break my heart in two.“

Transatlantische Mischkunst im Weser-Elvis-Style pflegen jetzt HPP Architects from Duzzleville on Rhine. Ihr Press Release zum Opening von „The Inspiration Store“ in Bremen kam am Tag nach Totensonntag, ist aber erst zum rheinischen Sprachkarneval veröffentlichungsreif. „,E-commerce goes stationary‘ und ,omni-channel retail‘ lautet die Devise“, heißt es darin. „,Online und offline‘ sind auch die Leitthemen der HPP-Planung für den Pop-up-Store. Die ,digitale Cloud‘ schwebt als Lichtinstallation über den Präsentationsmöbeln, beides wird von einer Lounge mit Bildschirmen eingefasst.“ Denn gemixt sind in dem Laden nicht nur Sprachen, sondern auch Vertriebsformen: Im Inspiration Store sollten „Kunden von allen Vorteilen des digitalen und des stationären Handels gleichzeitig profitieren“, hieß es überraschend deutschlastig. Dem dienten „elektronische Preisschilder, innovative Bezahlmöglichkeiten per PayPal, QR-Shopping-App und die Möglichkeit der Lieferung der Waren nach Hause“.

Aber schon ist die testweise „Zukunft des Einkaufens“ wieder vorbei und abgebaut. Und wir müssen uns entscheiden: zu Hause am Schirm einkaufen oder im Laden? Auf Englisch online bestellen oder mit dem Verkaufspersonal Bremisch schnacken? Und die Architektur muss ihre Inspiration wieder aus der analogen Welt holen – nichts ist mit der Abbildung virtueller Wolken, nichts mit Touchscreens und QR-Shopping-Apps als ultimativem Wanddekor. Form und Material werden dann wieder aufs Ödeste vorgestrig.

Aber nicht die Begriffe. Retail-Architektur und Shopping -Center, Clariant Innovation Center und Lanxess-Tower covert HPP ganz easy in wenigen Public-Relations-Zeilen seiner deutschen Projekte. Wenn schon nicht das physische Material zäh ist, lässt sich wenigstens die Sprache konsequent zum Städtele hinauspushen. Can’t you see?

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