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[ Schwerpunkt: Konkurrenz ]

Deutsches Haus

Warum und wie der Stuttgarter Architekt Manuel Schupp gleich drei Netzwerke pflegt

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Text: Roland Stimpel

Beim Erdenken möglicher Netzwerke fängt Manuel Schupp (Foto) ganz klein an. „Man stelle sich einen Kollegen vor, der Vogelhäuschen entwirft. Warum soll der sich nicht mit einem Vogelfutter-Hersteller zusammentun, mit einem Tischler und einem Hersteller von Federbetten?“ Hauptsache, man hat mit allen Berührungspunkte. Und wenn der eine einen Kunden hat, dann kann er den mit seinen anderen Netzwerkpartnern verbinden. So wird aus dem Geschäft für den einen ein Geschäft fürs ganze Netzwerk: Der Vogelfreund lässt beim einen bauen, kauft beim zweiten Futter und liefert dem Deckenhersteller Federn.

Schupp selbst macht das Gleiche in größeren Dimensionen und mit gleich drei Netzwerken: den „Architekten0711“ mit der Vorwahl seiner Stuttgarter Heimat, zur Zahl passend mit sieben Büros, Händlern und Handwerkern. Im Architekturexport-Netzwerk NAX der Bundesarchitektenkammer. Und schließlich im „european network architecture“ mit dem Kürzel ena und 17 planenden Mitgliedern aus dem Spektrum von Architektur, Fachplanung, Technik und Vermessung – allesamt aus Baden-Württemberg.

Gegründet wurde das ena-Netzwerk vor zehn Jahren, laut Schupp mit dem simplen Vorsatz: „Wir sollten öfter die Köpfe zusammenstecken und reden, statt dass jeder in seinem Laden nur sein eigenes Süppchen kocht.“ Die Teilnehmer wollten Erfahrungen in Organisationsfragen austauschen, aber vor allem ihre Kontakte zu potenziellen Bauherren und die Kenntnis von Projekten ballen. Schupp: „Mal erfährt der Statiker von einem bauwilligen Bekannten, mal vermisst der Geodät ein größeres Gelände – warum sollte sich so etwas nicht in einem Netzwerk herumsprechen?“

Das Netzwerk soll Aufträge bringen

Nicht als eigenständige Akquise-Agentur, sondern als Kommunikationsplattform. Laut Schupp stört es die Mitglieder gar nicht, dass sie dabei auch im Wettbewerb zueinander stehen könnten: „Konkurrenz gibt es sowieso mit Dritten genug, aber ein Informationsvorsprung ist fast exklusiv. Und wichtiger als die Konkurrenz untereinander ist die Kooperation. Zum Beispiel wenn in einem VOF-Verfahren bestimmte Bürogrößen und Erfahrungen gefordert sind.“ Ena arbeitet vor allem in Deutschland, aber auch international – etwa mit einer Präsenz am Stand des Architekturexport- Netzwerks NAX. Dieses wird vom Büro Wilford Schupp als Paten unterstützt. Schupps Motto für alle Netzwerke ist das gleiche: „Vor allem Kollegialität bringt uns weiter.“

Zu den ena-Planern kommen die Partner: derzeit 26 Industrie- und Handwerksfirmen – meist namhafte, ebenfalls baden-württembergische Unternehmen mit Bau-Bezug. Lieferanten in einem Netzwerk mit Planern – das klingt heikel: Wo bleibt die Hersteller-Unabhängigkeit der freien Architekten? Aber Schupp versichert, die Firmen würden ena nicht mit Geld unterstützen, und für die ena-Architekten sei jeder Griff zum Konkurrenzprodukt anderer Unternehmen so frei wie zuvor. Auch rechtlich sei die Sache mit der Architektenkammer Baden-Württemberg geklärt. Die Industrie dient dem Netzwerk für den gleichen Zweck wie die Vernetzung überhaupt: Man informiert sich über Märkte, Aufträge und eigene Bedürfnisse. „Einem Türtechnik-Hersteller habe ich mal gesagt, eine Software zur Türenplanung wäre sehr sinnvoll. Die hat er dann entwickelt“, berichtet Schupp. „Viele Hersteller wollen Architekten besser bedienen – aber sie kommen nicht immer selbst drauf, wie. Einer sagte zu uns: Der Kontakt zu den Querdenkern am Bau ist genau das, was wir brauchen.“

Im Netzwerk-Namen steckt das Wort „european“, aber Schupp definiert es als regionales Netzwerk von Baden-Württembergern. Das Regionale sei wichtig: „Wir haben das Prinzip, dass wir uns regelmäßig sehen.“ Außer den Treffen in der Heimat gibt es ena-Stammtische auf Messen und ein Intranet. Nachdem ena es auf 35 Mitglieder und Partner gebracht hat, will es „nicht mehr groß wachsen“. Aber Schupp wünscht sich viele regionale Netzwerke – breit organisiert, auf regelmäßigen Kontakt und Kollegialität ausgerichtet und mit Qualitätsbewusstsein. „Wo ein guter Architekt organisiert ist, kann zum Beispiel kein Hersteller schlechter Möbel dabei sein.“

Ena dient Schupps unmittelbaren Bürozielen, aber er verfolgt auch eine größere Mission: „Wir versuchen, die Wertschöpfungskette am Bau abzubilden, statt uns als Einzelkämpfer abzumühen.“ Denn die Welt wolle Gesamtpakete aus einer Hand. Schupp nennt zwei große Industriebau-Anbieter: „Firmen wie Goldbeck und Vollack sind auf ­Märkten stark, auf denen einzelne Architekturbüros keine Chance haben. Ein Netzwerk hat sie aber, wenn es das ganze Leistungsspektrum bieten kann.“

Da sieht Schupp vor allem im Ausland Chancen und spricht leicht martialisch von „gemeinsamer Markterschließung auf breiter Front“. Schupps Vision ist so etwas wie ein nationaler Markenbegriff: „Weltweit ist noch nie so viel gebaut worden wie heute. Wir sollten das, was wir in Deutschland hervorragend können, nach draußen vermitteln. Jeder in der Welt kennt das deutsche Auto – warum nicht eines Tages auch das deutsche Haus?“


NETZWERKE im NETZ

www.nax.bak.de
www.ena.ag
www.architekten0711.de

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