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[ Tag der Architektur ]

Paradies im Hotel, Piazza für Kinder

Wie Lokalzeitungen und Online-Dienste über den Tag der Architektur berichten

Zusammenstellung*: Roland Stimpel

Andrang im Musikzimmer

Am Samstagmorgen hat sich ein Menschenpulk vor dem Flachdach-Bungalow versammelt. Alle lauschen gebannt, trotz Nieselregens, den Ausführungen von Planer Reinhold Renn. Der Bungalow in H-Form, der Assoziationen zum Bauhaus weckt, sticht aus der Reihe ehemaliger Siedlerhäuschen hervor. Als Blickfang thront er majestätisch im hinteren Teil des erhöhten Grundstücks, das insgesamt etwa 300 Quadratmeter misst. Im Inneren bietet er 165 Quadratmeter Wohnfläche, die, nachdem alle Interessenten ihre Schuhe ausgezogen haben, neugierig ausgekundschaftet werden. Hier staunen die Besucher über das hohe Bad mit Dachluke, dort werden die Küche und ein Musik­zimmer inspiziert. Darmstädter Echo

Mit dem Herzen betreten

„Den Garten des Paradieses betritt man nicht mit den Füßen, sondern mit dem Herzen.“ Dieser Satz von Bernhard von Clairvaux steht im Foyer des neuen Hotels Kloster Haydau. Wie im Paradies fühlten sich am Samstag und Sonntag viele hundert Besucher, die das Seminar- und Kulturzentrum Kloster Haydau besichtigten. Die Zahl der Führungen musste

Foto: Regina Riedel / Stadtlandschaft
Aushängeschild einer Region: Das Tagungshotel Kloster Haydau in Morschen (Hessen). Foto: Regina Riedel / Stadtlandschaft

von 14 auf über 20 erweitert werden. Michael Kreter, Carsten Peters und Anke Lubenow vom Kasseler Architektur- und Ingenieurbüro Kreter Peters Lubenow gaben Einblicke in das Tagungsgebäude, das aus Marstall, Kutscherhaus, Klosterscheune und Burggrafenhaus entstanden ist. Jan Störmer von Störmer Murphy and Partners präsentierte das von ihm geplante Tagungshotel. Regina Riedel vom Kasseler Projektbüro Stadtlandschaft erläuterte die Veränderungen im Klostergartens mit klassischen Barock-Elementen. „Es ist ganz toll geworden“, sagten Besucher. Und: „Man kann stolz sein auf diese wunderschöne Gesamtanlage – ein Juwel für die Region.“ Hessische/Niedersächsische Allgemeine Zeitung, Kassel

Kritik an der Lüftung

Wie ein zur Seite gekippter Monolith liegt der neue Anbau der Walter-Hecker-Schule. Die dunkelgraue Fassade grenzt das Schulgeschehen im Inneren des Gebäudes von der Straße hermetisch ab. Im Gegensatz dazu ist die zum Hof hingewandte Seite völlig transparent. Eine Wand aus Glas gibt den Blick in Klassenräume und Werkstätten frei. Der Architekt Stefan Krahl präsentierte den im Jahr 2011 fertiggestellten und 4,5 Millionen Euro teuren Anbau. Im Inneren setzt sich die schlichte Ästhetik des Gebäudes fort, es dominieren Materialien, mit denen die Schüler auch arbeiten – Holz, Stein, Farbe. ­Alles wirkt modern und frisch. Aber es gibt auch Kritik. Die Klimatisierung funktioniert nicht, weil die Stadt aus Sicherheitsgründen Vorgaben macht, die das Lüftungssystem auf den Kopf stellen. So dürfen Fenster nachts und über die Wochenenden nicht geöffnet werden, obwohl das erforderlich wäre. Eine architektonische Idee kollidiert hier mit Lebensrealität. Auch der Austausch darüber gehörte zum Tag der ­Architektur. Hessische/Niedersächsische Allgemeine Zeitung, Kassel

Beim Einkochen zugucken

Etwas merkwürdig fühlt es sich schon an, mit einer Besuchergruppe plötzlich mitten im Wohnzimmer der Familie Martini zu stehen. Auch wenn man am Eingang die Schuhe ausgezogen hat, kommt man sich doch vor wie bei einer Ausstellung. Bilder oder Skulpturen sind hier allerdings keine zu bestaunen. Das Wohnzimmer selbst ist die Attraktion. Vor einem Jahr bauten die Martinis an ihre fast hundert Jahre alte Doppelhaushälfte einen hochmodernen Holzbau an, entworfen von orange ONE architektur aus Bielefeld. Während die Kinder im Wohnzimmer toben und in der Küche Marmelade eingekocht wird, schlendern einige Besucher mit Argusaugen um die Kücheninsel oder durch den Garten. Vor allem die Kombination aus dem klassischen Altbau auf der einen und dem doch sehr futuristischen Neubau auf der anderen Seite fasziniert die Besucher. www.derwesten.de, Essen

Davidstern in Gold

Die Architekten Jens Henningsen und Olaf Beckert sind sichtlich stolz, dass zum Tag der Architektur auch ihr „kleines Projekt“, die 2012 fertiggestellte jüdische Gedenkstätte in Bad Freienwalde, aufgenommen wurde. Am Sonntag stellten sich die Architekten den Fragen interessierter Besucher. Warum ist der Davidstern in Gold gehalten statt ihn in Blau-Weiß zu gestalten? Was haben sie sich bei der Gestaltung der einstigen Brachfläche gedacht? „Der goldene Davidstern wurde bewusst ausgewählt, um sich gegen die verbogenen rostigen Stahlträger als Zeichen der Zerstörung abzuheben“, erklärt Olaf Beckert. Insgesamt ein würdiger Platz, um an die ehemalige Wirkungsstätte von jüdischen Einwohnern der Stadt zu gedenken, so der Tenor der Besucher.Märkische Oder-Zeitung, Frankfurt (Oder)

Oase hinterm Reihenhaus

Ein schönes Beispiel für gelungene Garten­gestaltung konnten die Gäste beim Tag der ­Architektur am Frechener Kreuzacker entdecken. Hier hat die renommierte Kölner Landschaftsarchitektin Brigitte Röde einen rund 380 Quadratmeter großen Reihenhausgarten, der einst nur aus einer langweiligen Rasenfläche bestand, in eine grüne Oase verwandelt. Ein prägendes Element ist die Vielzahl von hoch wachsenden Schilfgräsern, Sonnenblumen und sorgsam ausgewählten Staudenpflanzen. „Unser Garten hat es sogar schon in Fachzeitschriften und auf das Titelbild eines Gartenbuches geschafft“, berichtet der Hausherr. Kölner Stadt-Anzeiger

Lichtes Gewerbe

Das Diktat des Sparens galt für den Neubau der Firma Wölpper. „Unsere Aufgabe war ein äußerst wirtschaftliches Firmengebäude“, fasst es Architektin Katja Pörtner vom Büro Luippold Pörtner Architekten zusammen. Die Fassade der Lagerhalle gestaltete Pörtner

Foto: Michael Heyde
Glänzend: Firmengebäude Wölpper in Kirchheim (Badem-Württemberg). Foto: Michael Heyde

mit Polycarbonat. Bauherr Matthias Wölpper ist auch ein Jahr nach dem Einzug immer noch überrascht, wie gut die Lichtverhältnisse in der Halle sind. „Bei trübem Wetter wirkt das Material wie ein Verstärker, ist es draußen sehr hell, funktionieren die Platten wie ein Diffuser“, erklärt er. Der Teckbote, Kirchheim (Baden-Württemberg)

Zurück in die Kindheit

Paul Gerhard Welp lässt stolz den Blick quer über die Piazza schweifen, kurz bleibt er bei den kleinen Tischen, Stühlen und Waschbecken hängen. Beim bundesweiten Tag der Architektur führten er und sein Kollege Bernard Hille-brand durch die von ihnen entworfene Kindertagesstätte „Il Nido“ in Greven. Grundidee des Aufbaus ist ein italienisches Dorf: ein großer Platz in der Mitte und viele kleine Gassen, die in die Gruppen- und Aktionsräume führen. „Die Piazza ist das Herzstück der Kita, da findet das Leben und das Zusammenkommen statt“, weiß Welp. Auch gestalterische Details des Kindergartens kamen bei der Führung zur Sprache, etwa die Treppe zum Wickeltisch, der Türschutz gegen einklemmende Finger und die Akustik beim Singen von Kinderliedern. Die Besucher zeigten sich beeindruckt. „Da möchte man ja selbst zurück in den Kindergarten“, schmunzelte ein älterer Besucher. Westfälische Nachrichten, Greven

Weißes Haus von innen

Besonders neugierig waren die Besucher auf die vor zwei Jahren neu gebaute Hauptverwaltung der Baustoff-Firma Xella in Huckingen. Wenn man dort vorbeikommt, zum Beispiel mit der Straßenbahn U79, macht der dreiteilige weiße Baukörper mit den

Foto: Xella
Einladend: Xella-Hauptverwaltung in Duisburg-Huckingen. Foto: Xella

schönen Innenhöfen zur grünen Seite hin schon von außen neugierig. Wie viele Besucher einhellig erklärten, war der Tag der Architektur jetzt die willkommene Gelegenheit, das Gebäude einmal von innen zu sehen. Die renommierte Innenarchitektin Claudia de Bruyn, die selbst mit ihrem Büro das an sich recht konventionelle Gebäude einrichtete, leitete die Führungen selbst. Anders als viele Leute dächten, sei Innenarchitektur die konsequent durchgeführte Corporate Identity einer Firma, stellte sie klar. Rheinische Post, Duisburg

Ein Schloss erlebbar machen

„Es war eine schwierige Situation, die wir damals vorgefunden haben“, sagte der Dresdner Architekt Eberhard Pfau, dessen Büro ab 2005 mit der Sanierung des Fürsten- und Querhauses des Rochlitzer Schlosses betraut war. Die mittelalterliche Anlage war durch die Jahrhunderte hindurch nicht nur mehrmals umgebaut worden. Die Sanierungsmaßnahmen in den 1990er-Jahren hatten deutliche Spuren hinterlassen, die teils wieder beseitigt werden mussten. „Die ehemals großen repräsentativen Räume waren in ihrem ursprünglichen Charakter nicht mehr oder nicht mehr ausreichend wahrnehmbar“, begründete der Architekt diesen Schritt. Generell bestand Pfaus Aufgabe darin, das Schloss wieder erlebbar und die verschiedenen Zeitschichten erkennbar zu machen. Der 28-jährigen Tina Böhringer gefiel das Verschmelzen von Historie und Moderne. „Das ist super gemacht“, kommentierte die Chemnitzerin die Leistung des Architekten.Freie Presse, Chemnitz

Mieter öffnen gern

Auch die Mieter am Dachsweg in Mülheim (Ruhr) öffneten ihre Wohnungstür, um (architektur-)interessierten Bürgern einen Einblick zu gewähren. So auch Horst Kroker. Er wohnt mit seiner Familie seit drei Monaten in der Erdgeschosswohnung. Ihm und seiner Frau hat die Wohnung auf Anhieb gut gefallen. „Durch die vielen Fenster ist alles so schön hell hier“, so Horst Kroker, „und auch die offene Aufteilung der Wohnung hat uns direkt angesprochen.“ Probleme damit, fremde Leute in die Wohnung zu lassen, hat Familie Kroker nicht, denn „so lernt man auch mal seine Nachbarn kennen“. Marcel Adamczak und seine Kollegen vom Architektenbüro Hütténes haben das Haus geplant. Die vielen großen Fenster haben die Mieterin Britta Oberlohbeck und ihren Freund sofort überzeugt. Auch sie hat keine Probleme damit, anderen Menschen ihre Wohnung zu zeigen, denn sie ist stolz darauf, in solch einer schönen Wohnung zu leben.www.derwesten.de, Essen

*Texte gekürzt und leicht redigiert

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