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[ Büro und Recht ]

Kleiner Fotokurs

Richtig gute Architekturbilder macht der Fotograf – handwerklich ordentliche kann man aber auch selbst erstellen. Tipps und Tricks für Ausrüstung, Aufnahme und Bearbeitung

Material wirken ­lassen: Gute Bilder vermitteln auch etwas von dem, was man nicht sieht – Wärme, Haptik, Weite.

Von Eva Mittner und Matthias Rosin
Bevor das Fotografieren beginnt, stellen sich Grund­fragen: Was sollen die Bilder bewirken? Welche Botschaft sollen sie wem übermitteln? Geht es um bestimmte Details oder soll mein Objekt umfassend verstanden werden – im Design und in seinen Elementen, im technischen wie in baulichen Details oder in seinem Gesamtcharakter? Sind die Bilder für die eigene Website, für Flyer, Prospekte, Bücher oder für Medien zum Abdruck gedacht? Dienen sie eher sachlicher Präsentation oder sollen Emotionen geweckt werden? Wie viele Bilder sind nötig, um das Gewünschte auszudrücken? Braucht es eher Detailbilder, Total-Ansichten oder Panoramen?

Oft stellt sich rasch die Frage: Macht man die Fotos selbst oder überlässt man das besser einem Profi? Das ist letztlich eine Frage des eigenen Anspruchs, der Erfahrung, der Ausrüstung und der Lichtquellen. In diesem Artikel geht es nicht um das perfekte, preiswürdige Bild – sondern eher um Tipps für eine Architektur-Exkursion, für die von jedermann zu leistende Erfassung des eigenen Baus.

Die Ausrüstung: Objektive und Sensoren

Manchmal wird auch einfach nur am falschen Ende gespart: Kompaktkameras (ganz zu schweigen von den allgegenwärtigen Fotohandys) und Schnell-Shootings sind wenig hilfreich. Es ist auch wenig erheblich, ob Sie eine Spiegelreflex- oder eine Kompaktkamera mit Wechselobjektiv wählen. Praktisch entschieden ist die Frage: digital oder auf Film? Letzterer entwickelt sich zum nostalgischen Refugium für Liebhaber.

Licht und Schatten: Das Motiv in einer Inszenierung von Hell und Dunkel; über Farbkontraste, Schärfe und die Wahl des Bildausschnitts entscheidet der Fotograf.

Das Kamerasystem sollte bei den Objektiven einen hinreichend großen Brennweitenbereich zulassen. Mindestens 15 mm Brennweite (Bezug: Kleinbildformat, 35 mm) sollten es schon sein, etwa für gute Innenraumaufnahmen. Weiterhin sollten die Objektive lichtstark sein, also wenigstens Blendenzahlen von 2,8 oder darunter bieten – notfalls ab Blende 3,5. Wo ohne Stativ fotografiert wird, sind Objektive mit integriertem optischem Stabilisator gegen Verwackeln sehr nützlich. Fein, doch kostspielig ist das Tilt-Shift-Objektiv. Durch das Verschwenken der Bildebene lassen sich hiermit ganz wunderbar stürzende Linien reduzieren (Perspektivenkorrektur). Die Tiefenschärfe lässt sich auch ohne Blendenverstellung beeinflussen. Eine Empfehlung: in der Google-Bildersuche nach Tilt-Shift forschen. Interessante Alternative ist die Tilt-Shift-Variante „Lensbaby“.

Die Kamera selbst sollte einen möglichst großflächigen Bildsensor aufweisen. Er sollte höchstens zwei Jahre auf dem Markt sein. Die Entwicklungsschübe in diesem Bereich waren in der vergangenen Dekade so groß und so schnell, dass ältere Foto-Hardware kaum je ein Schnäppchen ist. Größere Bildsensoren bieten mehr Lichtempfindlichkeit und Abbildungsleistung. Es geht um das tatsächliche geometrische Sensor-Format, nicht um die Zahl der Mega-Pixel. Diese ist nach heutigem Stand der am Markt angebotenen Geräte für die Bildqualität so gut wie unerheblich. Optimal für die meisten Zwecke im Architektur-Bereich sind die Sensoren im vollen Kleinbild-Format (35 mm), gerade wegen ihrer exzellenten Lichtstärke (ISO-Bereich und Rauschverhalten). Aber auch die Sensoren-Klasse direkt darunter im sogenannten APS-C-Format bietet noch gute bis hochwertige Abbildungsleistungen.

Lichtakzente setzen: Die Qualität der Fotos ist keine Frage von Mega-Pixeln, sondern hängt von den verwendeten Bildsensoren ab.

Aufnahmetechnik: Licht, Licht und nochmals Licht

Angeblich machen heutige Geräte fast alles vollautomatisch. Laut Werbung finden die „genialen digitalen Alleskönner“ in jeder Lichtsituation die richtige Kombination aus Blende, Verschlusszeit und sonstigen Parametern. Wozu also noch fotografieren lernen und theoretische Grundlagen büffeln? Doch die meiste Schönheit entsteht nach wie vor mithilfe des Auges des fotografierenden Betrachters. Tatsächlich ist jede Kamera seit der Erfindung der Fotografie nicht viel mehr als ein „schwarzer Kasten mit einem Loch“ und es ist am Benutzer, das Licht so vorausblickend und umfassend zu gestalten, wie es gerade in der Architekturfotografie nötig ist. Das A und O in der Foto­grafie ist und bleibt in jedem Fall immer das planvoll gesetzte Licht im Sinne der Bildaussage.

Grundsätzlich gibt es drei Arten von Licht, die beim ­fotografischen Gestalten zu berücksichtigen sind: zunächst natürliches Licht, in der Regel die Sonne. Dann das am Ort vorhandene Kunstlicht als meist gewollt darzustellender Gebäudebestandteil, und drittens das vom Fotografen gezielt hinzuzusetzende Licht in Form von Blitz- oder Dauerlichtquellen. All diese Lichtarten besitzen ihre ganz spezifischen Eigenheiten: Die Farbtemperatur der Sonne ändert sich ­im Tagesverlauf mit dem Sonnenstand, außerdem mit wechselnder Wetterlage und Bewölkung. So ergibt die Mittagssonne ein sehr hartes Licht, dessen Farbtemperatur in etwa der eines typischen Fotoblitzes entspricht. Ein bewölkter Himmel hingegen macht das Licht sehr weich und diffus und hebt die Farbtemperatur schnell mal um einige Tausend Kelvin an (Verschiebung hin zu Blau).

Einige Grundregeln für die Gestaltung mit Licht

Fotografieren Sie möglichst früh am Morgen oder am Abend, wenn die Sonne niedrig steht, und versuchen Sie, das Restlicht der Sonne mit Kunstlichtquellen zu mischen. Hierbei kommt es auf das gekonnte Mischungsverhältnis zwischen natürlichem und künstlichem Licht an. Um die Mittagszeit bei klarem Himmel ist dies unerreichbar, weil die Sonne mit ihrer Strahlkraft nahezu jedes Kunstlicht förmlich niederbügelt – abgesehen von Hochleistungs-Blitzanlagen. Beim Mischen der Lichtarten wird die Menge des natürlichen Lichts am besten über die Verschlusszeit gesteuert, die Menge des Blitzlichts über die Blende der Kamera.

Mobilisieren Sie möglichst alle vorhandenen Lichtquellen. Innenaufnahmen profitieren fast immer vom Lichtspiel vorhandener Leuchten. Bei Außenaufnahmen ist es von Vorteil, wenn das Gebäude durch Fensterflächen von innen heraus leuchtet. Unbeleuchtete, dunkle Glasflächen an einem Gebäude erzeugen fast immer einen kalten, unbelebten Eindruck. Dies kann je nach angestrebter Bildaussage aber auch erwünscht sein.

Setzen Sie möglichst mehrere Blitz-Quellen ein und blitzen Sie möglichst indirekt. Die Ansteuerung der Blitze erfolgt idealerweise drahtlos per Funk. Systeme, die per Infrarot synchronisieren, sind stark im Nachteil und nur in Innenräumen einigermaßen praktikabel, da sie den Sichtkontakt von Blitzgeräten und Kamera untereinander erfordern und starkes Umgebungslicht dabei stört. Indirektes Blitzen heißt, ohnehin vorhandene Reflektorflächen zu nutzen und Licht mithilfe von eigens eingesetzten Reflektoren und Lichtformern auf das Objekt zu lenken oder zu reflektieren.

Die harten Kontraste der Mittagssonne sind manchmal im Sinne der Bildaussage erwünscht. Hier lassen sich großflächige Reflektoren einsetzen, um die harten Schatten aufzuhellen. Reflektoren können sich zudem selbst regulieren. Sobald sich etwa Wolken vor die Sonne schieben, sinkt die Menge des reflektierten Lichts im gleichen Maße. Allerdings wird beim Einsatz von Reflektoren ein Stativ oder eine helfende Hand benötigt. Es muss übrigens nicht immer ein Reflektor aus dem Foto-Zubehör sein: Auch großflächige weiße Kartons, große Styropor- oder Aluminiumplatten bzw. Folien können als improvisierte Aufheller ausgezeichnete Dienste leisten.

Benutzen Sie Blitzlicht vorwiegend so, dass die Lichtquelle sich möglichst in großem Abstand zur optischen Achse des Kamera-Objektivs befindet. Direkt frontal geblitzte Objekte werden flach und zeigen meist hässliche Glanzlichter; eine seitliche Ausleuchtung hingegen bringt die so oft gewünschten Konturen viel besser ins Bild und unterstreicht die Dreidimensionalität der Objekte.

Stehen Ihnen nur sehr begrenzte Möglichkeiten der Ausleuchtung zur Verfügung, so nutzen Sie die relativ junge Disziplin der HDR-Fotografie. HDR steht für High Dynamic Range – ein digitales Bild, das die in der Natur vorkommenden großen Helligkeitsunterschiede detailreich speichern kann. Hierzu benötigen Sie lediglich ein Stativ für Ihre Kamera. Ein Drahtauslöser ist hilfreich, und Ihre Kamera sollte möglichst in der Lage sein, Bilderserien in kurzen Abständen mit wechselnden Belichtungszeiten zu schießen (Bracketing). Die so entstehenden Belichtungsreihen werden später per Software, wie zum Beispiel Photomatix, miteinander verrechnet.

Versuchen Sie das Licht möglichst so zu setzen, dass die wichtigen Bildteile heller ausgeleuchtet sind. Auf einem Foto nämlich wandert das Auge des Betrachters immer wieder zu den helleren Bildstellen und verweilt dort länger.

Perspektive und Licht: Dass es bei dieser Aufnahme nicht um das Auto geht, erfasst der Betrachter instinktiv. Der Fotograf hat seinen Standort freilich bewusst gewählt.

Bildgestaltung und –ausschnitt: Weniger ist oft mehr

in Bild lässt sich vielfältig gestalten: durch sein Hell-Dunkel-Verhältnis, durch Farbkontraste, Schärfen und Unschärfen, Bildaufteilung, Objekt(e) und Hintergrund, Tiefe oder Flachheit, Weite oder Kompression. Die wichtigste Regel für die Aufnahme: Packen Sie nicht zu viele Details hinein. Rücken Sie dem Hauptmotiv förmlich „auf die Pelle“. Wenn Sie Unterschiedliches zeigen wollen, zeigen Sie es lieber auf mehreren Bildern. Ein wichtiges Thema ist die Weite des Blicks. Gerade bei Architektur-Motiven ist angezeigt, mit besonders starken Weitwinkelobjektiven zu arbeiten, etwa um vollständige Areale komplett darzustellen, um Räume größer wirken zu lassen oder aber, um räumliche Höhe oder Tiefe von Fassaden zu betonen. Bei der Fotografie von Räumen per Weitwinkel kommen allerdings viele Details aufs Bild. Dem sollte zumindest mit einer gewissen Aufgeräumtheit der Objekte im Raum entgegengewirkt werden. Den Bildausschnitt müssen Sie noch nicht gleich beim Fotografieren bestimmen. Wenn Sie ihn etwas größer wählen als am Ende voraussichtlich geplant, können Sie das Bild nachher am Computer zuschneiden.

Bildbearbeitung: Formate und Programme

In der elektronischen Nachbearbeitung lässt sich aus dem Bild das Optimum herauskitzeln. Viele fotografische Schnitzer lassen sich nachträglich ausbügeln. Fotografieren Sie im Format RAW. Dieses Format liefert die echten, unverfälschten Sensor-Rohdaten, die von der Kamera noch nicht bearbeitet sind. Mit diesen Rohdaten haben Sie alle gestalterischen Freiheiten in Ihrer Hand. Wenn Sie es Ihrer Kamera überlassen, bereits umgerechnete JPG- oder TIFF-Dateien zu liefern, dann geben Sie bereits einen großen Teil der Freiheit im Entwicklungsprozess aus der Hand. Von Ihrer Kamera gerechnete und gelieferte JPG- und TIFF-Dateien mögen vielleicht in vielen Fällen ausreichende Bilder liefern – doch keine so guten wie die RAW-Entwicklung.

Für die elektronische Bildverarbeitung (EBV) empfiehlt sich das Programm Adobe Lightroom. Es bietet Funktionen zu RAW-Entwicklung, Bildarchivierung und Korrektur.

Alternativ kommt der RAW-­Entwickler DXO Optics Pro ab Version 6 von DXO-Image Sciences in Frage, der weitere Vorteile bei automatischen Objektivkorrekturen bietet und bereits im ­Automatik-Modus RAW rohes Bildmaterial ganz ausgezeichnet optimiert (Bildrauschen, Schärfe, Weißabgleich usw.). Auch einfachere Retusche-Ansätze lassen sich mit diesem Programmen realisieren.

Wer tiefer in Themen wie Retusche und Composing einsteigen möchte, wird sich früher oder später mit Photoshop auseinandersetzen. Die in Umfang und Funktionen mächtige Software leistet in der aktuellen Version (12 bzw. CS5, Stand 2010) jede Aufgabe in Sachen Bild-Korrektur oder Arrangement. Doch sie ist teuer und verlangt gründliche Schulung. Einfachere Alternativen sind Photoshop Light (SE), das kostenlose, aber sehr leistungsfähige Programm GIMP oder einfachere Tools wie Freeware ShiftN, die nur einzelne, spezielle Funktionen mit besonderer Relevanz für Architekturfotografie besitzen – etwa die Korrektur stürzender Linien.

Eva Mittner ist freie Journalistin; Matthias Rosin ist ein auf Hotel- und Architekturfotografie spezialisierter Fotograf in ­Vaterstetten bei München.

(www.actcom.de)

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