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[ Normenpolitik ]

Wer normiert, hat Macht

Die Kammern engagieren sich verstärkt dafür, dass Normen für Architekten gut handhabbar sind. Wir müssen aktiv sein!

Von Rudolf Scherzer

Immer neue Normen – und kein Ende. Inzwischen gibt es fast 24 000 DIN-Normteile, die für das Bauwesen relevant sind. Etwa 2 500 betreffen die Kernaufgaben von Architekten. Schon lange engagieren sich die Architektenkammern deshalb in der Normungsarbeit. Bisher ging es vor allem darum, nur das Sinnvolle zu normieren und Planungsvielfalt zu erhalten. Architekten besuchten daher fast nur die Fach- und Arbeitsausschüsse des DIN, nicht aber seine politischen Kontrollgremien.

Im November 2010 beschloss der Vorstand der Bundesarchitektenkammer, das Engagement in der Normen-Arbeit deutlich auszuweiten. Das gilt vor allem auf der politischen Ebene: Länder, Bund und Europäische Union. Hier wollen wir immer wieder bewusst machen, welche Folgen ein unkontrolliertes Wuchern von Normen hat – und wie der Staat ebenso Einfluss nimmt, wenn er auf Normgremien vertraut, statt ein Thema selbst in die Hand zu nehmen. Neben dem politischen Engagement arbeiten die Kammern natürlich wie bisher an technischen Regeln. Hierfür stimmen sie sich in bewährter Weise eng ab, um dann mit einer Stimme das Gewicht der 120 000 Architekten und Planer in Deutschland in die Waagschale werfen zu können.

Um unsere Argumente zu stärken, soll jetzt ein wissenschaftliches Gutachten vorbereitet werden. Es soll klären, ob Normung wirklich die Qualität erhöht und ob es bei der heutigen Regelungsdichte überhaupt noch möglich ist, ein mängelfreies Werk abzuliefern. Darüber hinaus soll es die wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Folgen der Normung untersuchen und die Frage behandeln, ob Normen Innovationen beschleunigen oder ob sie nicht im Gegenteil den Fortschritt hemmen, wenn das Neue nicht ins normierte Konzept passt.

Solches Engagement ist nötig, weil starke ­Interessengruppen die Normflut verstärken. Wirtschaft und Industrie – auch im Baubereich – erhoffen sich von stärkerer Normierung mehr internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die Bundesregierung unterstützt sie und hat dazu 2009 ein „Normungspolitisches Konzept“ erarbeitet. Auch manche Forschungseinrichtungen sind gern beim Normieren dabei.
Wer normiert, hat Macht.

Bequemer Ausweg für den Staat

Ein starker Antrieb für das sich immer rascher drehende Normen-Karussell ist die Europäische Union: Schon bei 80 Prozent der Normungsvorhaben im DIN geht es darum, deutsche Regeln an EU-Vorgaben anzupassen. Zugleich zieht sich bei uns der Staat Stück für Stück aus seiner Verantwortung zurück, wenn er Dinge nicht selbst regelt, sondern in Gesetzen und Verordnungen auf Normen oder den Stand der Technik verweist. Früher waren zum Beispiel wesentliche technische Anforderungen in den Bauordnungen verankert; Normung wurde eher als technische Hilfestellung gesehen. Jetzt rückt die Norm in den Mittelpunkt – etwa in der HOAI-Vorschrift, nach der die Kostenschätzung auf Grundlage der DIN 276 zu erstellen ist.

Derzeit erarbeitet die Bundesarchitektenkammer – und in ihr vor allem der Ausschuss Planen und Bauen – ein Organisationskonzept, um das schwierige und wichtige Thema Normung optimal zu behandeln. Engagierte Architekten aus ganz Deutschland trafen sich Ende Januar zu einem Workshop in Berlin.

Sicher ist: Wir bekommen das Thema nur in den Griff, wenn die Kenntnisse und Erfahrungen der Architektinnen und Architekten in die Normung aktiv einfließen. Engagieren Sie sich in den Ausschüssen und Arbeitskreisen Ihrer Architektenkammer, um die Normung im Sinne von uns Architekten zu beeinflussen!

Rudolf Scherzer ist Architekt und Stadtplaner in Nürnberg und Vizepräsident der Bayerischen ­Architektenkammer.

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