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[ Architekten in der Politik (II) ]

„Was kann dir Besseres passieren?“

Wie es die Architektin Jutta Kalepky in die Politik verschlug – und wie sie dort Beruf und Kammerarbeit fortsetzt.

Interview: Roland Stimpel

20 Jahre als freie Architektin, dann plötzlich Bau­stadträtin im Berliner Stadtbezirk Friedrichshain-Kreuzberg – wieso macht man das?

Ich habe mich immer viel mit Stadtentwicklung beschäftigt und Architektur in diesem Zusammenhang gesehen. Und ich hatte viele Projekte, bei denen es auch ums politische Aushandeln ging. Ich denke, das ist ein nicht unwesentlicher Bestandteil unseres Berufs. In meiner Lebensplanung war das zwar so nicht vorgesehen, es ist aber in Ordnung.

Wie ist es dann passiert?

Nach der letzten Kommunalwahl 2006 hat mich die Partei Bündnis 90/Die Grünen gefragt, da sie die Position für die Legislaturperiode besetzen konnten. Das war für mich eine ziemliche Überraschung, zumal ich kein Mitglied bin. Aber einige kannten mich von meinen Projekten im Bezirk. Ich habe zwei Tage überlegt und mich dann entschlossen, das Angebot anzunehmen.

Wollten Sie im Amt Dinge bewegen, die Sie als freie Architektin nicht bewegen konnten?

Ich wusste anfangs nicht genau, wo die Handlungsspielräume liegen würden – und gerade das hat mich gereizt. Ich habe mir gesagt: Teste mal, was du da richten kannst. Es war und ist viel Neugier dabei und es ist ein Weg, viel zu lernen. Ich dachte mir: Was kann dir im Leben Besseres passieren als das?

Was können Sie richten und lernen?

Ich habe hier vier Ämter mit jeweils großen Aufgabenbereichen und trotz aller Geldknappheit einigen Handlungsmöglichkeiten. Es gibt zum Beispiel einen unglaublichen Schatz an Spielplätzen und Grünflächen in unserem Bezirk, die man weiterqualifizieren kann. Oder Schulen von Stadtbaurat Ludwig Hoffmann aus der Zeit um 1900 – heruntergekommene Gebäude, für die wir zum Teil Geld aus dem Konjunkturprogramm aktivieren konnten.

Außer Stadträtin sind Sie auch Vorstandsmitglied der Berliner Architektenkammer – Wie passen Politik und Berufspolitik zusammen?

Zunächst kann ich mit meiner Arbeit schlicht etwas für das Ansehen unseres Berufsstands in der Verwaltung und der Presse tun – das ist nämlich nicht überall ideal. Ein anderes großes Thema ist die Vergabe von Planungsleistungen auch im Sinne der Baukultur. Das gehe ich von beiden Seiten her an. Als Stadträtin bitte ich die Kammer, in unserer Behörde über Vergabemöglichkeiten zu informieren. In der Verwaltung gibt es zwar viel guten Willen, aber teils einfach nicht genug Kenntnis über die unterschiedlichen Möglichkeiten. Und in der Kammer vertrete ich offensiv die Ausschreibungsverfahren, die wir im Amt praktizieren – manchmal zehn bis zwölf zugleich. Andere Stadtbezirke werden auf diese Vorgehensweise aufmerksam und wollen ebenso verfahren, das heißt gute Beispiele finden Nachahmer.

Läuft Politik in Kammern und Parlamenten ähnlich?

In der Kammer als Körperschaft des öffentlichen Rechts wünsche ich mir viel mehr politisches Bewusstsein an der Basis. Sie wird von Mitgliedern bisher viel zu wenig als Selbstverwaltung gesehen, die man auch prägen und beeinflussen kann.

Vermissen Sie die Arbeit im Architekturbüro?

So anders war die gar nicht. Ich habe jetzt durch meine Bauämter nach wie vor viel mit Architektur zu tun. Auch im eigenen Büro war die Arbeit immer schon sehr politisch. Ein Hausbau wirkt oft auf die Stadt und die Gesellschaft ähnlich stark wie ein politischer Beschluss – und meist viel länger.