DABonline | Deutsches Architektenblatt
Menü schließen

Rubriken

Services

Menü schließen

Rubriken

Services

Zurück
[ DAB Jahreskongress ]

Architektur vor Technik

Auf dem DAB Jahreskongress spricht Stefan Behnisch über Architektur und Demokratie. Uns hat er vorab erzählt, warum für ihn die architektonische Lösung immer vor der technischen kommt – und wieso es keine demokratischen Materialien gibt.

Haben Sie ein Lieblingsmaterial?

Tatsächlich gibt es kein bevorzugtes Material, sondern eher welche, die ich weniger schätze. Dazu gehören die PU-Schäume und alle nicht abbaubaren Kunststoffe, die uns für immer begleiten werden – im Meer, im Essen, in der Umwelt. Ansonsten hat aber jedes Material seine angemessene Anwendung, entsprechend seinen Eigenschaften, Qualitäten und der Bauaufgabe.

Wann kommen Material und Technik beim architektonischen Entwurf ins Spiel?

Ich glaube an „Performance by Design“, also an die architektonische Lösung. Wo diese nicht ausreicht oder versagt, kommt die Technik zum Einsatz. Materialien sind Teil des architektonischen Konzepts. Sie haben ihre Eigenschaften, Qualitäten und Funktionen, aber auch ihre Herkunft, Vergangenheit und Zukunft. Und so müssen wir sie gemäß ihrer Eignung wählen. Und natürlich dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass wir auf Materialien reagieren, dass sie Atmosphäre und Stimmungen erzeugen und dementsprechend eingesetzt werden sollten.

Welche Material-Trends beobachten Sie?

Nach unserer Erfahrung ist ein intensiver Wunsch nach Bauen mit Holz erkennbar. Dieses Material wird nicht nur für Bekleidungen und Möbel, sondern auch für Tragwerk und Hülle immer häufiger eingesetzt. Nicht zuletzt durch die Debatte um ein nachhaltigeres Bauen getrieben, scheint Holz mit seinen nachwachsenden Eigenschaften der geeignete Baustoff für viele Aufgaben zu sein. Er hat aber auch Schwächen, so zum Beispiel bei der Speicherfähigkeit von Kälte oder Wärme.

Auf dem DAB Jahreskongress werden Sie über Architektur und Demokratie sprechen. Welche Rolle spielt dabei das Material?

Ein demokratisches Material im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Demokratie ist ja eine Gesellschaftsordnung und keine Eigenschaft. Jedoch gab es die Debatte, welche Materialien unsere Demokratie gut symbolisieren könnten. In einem eher direkten oder einfältigeren Verständnis wurde Glas oft als „demokratischer“ Baustoff zitiert. Die Transparenz symbolisiere unser Streben nach Offenheit. Wäre das Opake dann undemokratisch? An sich ist Glas ja nicht immer transparent, denn Bankentürme stehen für alles andere als für Offenheit und Demokratie, sie symbolisieren Macht und Abschottung. Insofern fällt es mir schwer, Materialien symbolische Eigenschaften zuzuordnen. Stein und Beton sind nicht böse, Holz nicht per se gut, Glas nicht demokratisch, Stahl oder Kunststoff nicht undemokratisch. Wir müssen auch immer den Gegenpol betrachten.

Welches Material sollte noch erfunden werden?

Generell benötigen wir Materialien, die weniger Raumverbrauch bei vergleichbaren Eigenschaften gegenüber traditionellen Baustoffen haben. Carbonitfolien oder Memory-Metallschäume sind hier auf einem guten Weg. Auch wären dünne Folien mit hoher Temperaturspeicherfähigkeit oder zum Beispiel neue Phase-Change-Materialien für das Bauen der Zukunft wünschenswert. Auch Bioplastik, also biologisch abbaubarer Kunststoff, könnte für den Einsatz in der Architektur weiterentwickelt werden.

Die Fragen stellte Heiko Haberle


Mehr Informationen zum DAB Jahreskongress 2018 im DABthema DAB Jahreskongress und auf www.DAB-kongress.de

Weitere Artikel zu:

Schreibe einen Kommentar