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[ DAT 2015 ]

Bühne der Berufspolitik

Der Deutsche Architektentag 2015 diskutiert aktuelle Themen – Spezialisierung, Haftung, BIM, Vergabe, Energiewende und mehr. Nehmen Sie daran teil!

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“Zukunft planen“ lautet das Motto des Deutschen Architektentags 2015, zu dem alle Architekten und Planer für den 11. und 12. Oktober nach Hannover eingeladen sind. Zur Eröffnung am 11. Oktober um 19 Uhr im Auditorium des Sprengel-Museums sprechen Bundesarchitektenkammer-Präsidentin Barbara Ettinger-Brinckmann und Kanzleramts-Chef Peter Altmaier; um 19.45 Uhr steigt im neuen Erweiterungsbau des Museum das große Architektenfest. Am 12. Oktober geht es ab 10.30 Uhr im Schloss Herrenhausen weiter. Zum Programm gehören eine Rede des Zukunftsforschers Horst W. Opaschowski und berufspolitische Positionsgespräche. Deren Themen sind unter anderem die Energiewende, die Vergabe von Architektenleistungen, Haftungsfragen, Digitalisierung und BIM. Teilnehmer an den Diskussionen stellen Ihnen in diesem und den folgenden Ausgaben des Deutschen Architektenblatts ihre Positionen vor. Wir beginnen mit einer Diskussion zum Architektentags-Thema „Generalisten und Spezialisten“.

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Joachim Brenncke ist Vizepräsident der Bundesarchitektenkammer und Leiter ihrer Projektgruppe GeneralistPLUS.

Kernkompetenz Ganzheitlichkeit

Das Planen und Bauen wird komplexer. Brandschutz, Energieeffizienz oder Haustechnik sind derart anspruchsvolle Fachthemen geworden, dass niemand auf allen Gebieten völlig kompetent sein kann. Immer häufiger fragen darum Bauherren nach Architekten, die sich auf diese Gebiete spezialisiert haben.

Das bedeutet für uns Chancen, aber auch Gefahren. Eine große Chance besteht darin, dass wir unsere baukulturelle Kernkompetenz mit speziellem Know-how auf dem einen oder anderen Gebiet verknüpfen und dafür sorgen können, dass das Spezialthema angemessen in das große Ganze integriert wird. Nur so kann zum Beispiel die Energiewende auch gestalterisch gelingen: Wir können nämlich dort baukulturelle Ziele implementieren, wo der Bauherr vielleicht anfangs nur den Energieverbrauch reduzieren will.

Auf der anderen Seite liegt eine Gefahr darin, dass wir nur noch als Spezialisten gefragt und wahrgenommen werden. Darüber droht unsere architektonische Kernkompetenz verloren zu gehen – zuerst in der öffentlichen Wahrnehmung, dann aber auch in der Planung und auf der Baustelle. Diese Kernkompetenz besteht gerade nicht in der engen Fokussierung auf ein Gebiet, sondern in der ganzheitlichen Planung und Integration aller Belange. Diese können nur wir leisten – wir sind sozusagen die Spezialisten für das Generelle. Und diese Integration müssen wir leisten, damit ein Projekt nicht in einem unkoordinierten Nebeneinander von Einzelqualitäten endet, die keine Gesamtqualität ergeben.

Je komplexer ein Projekt ist, desto drängender stellt sich die Frage der Bürogröße und der Kooperation von Büros. Treten wir mit gebündelten Spezialkenntnissen in einem Büro oder als Team vernetzter Büros auf, dann können wir sowohl den generalistischen Anspruch wahren als auch die verlangten Spezialisierungen bieten. Auf diese Weise können wir gefragte Fachkenntnisse einbringen und zugleich die Regie in Architektenhand belassen. Auch so können wir unsere wichtigste Qualität bewahren: Architektur als umfassende, integrierende und zwischen den Spezial-Anliegen ausgleichende Disziplin.

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Matthias Grzimek ist Vorsitzender des Bezirks Stuttgart der Architektenkammer Baden-Württemberg.

Generalist und Spezialist: Kein Widerspruch

Häufig fragen potenzielle Bauherren bei den Architektenkammern nach Mitgliedern, die Spezialkenntnisse für bestimmte Bauaufgaben haben. Was sollen die hauptamtlichen Mitarbeiter tun? Sie könnten die Antwort unter Hinweis auf die hohe Qualifikation aller Mitglieder verweigern. Damit ist aber weder Bauherren noch Architekten geholfen. Mitarbeiter könnten Architekten empfehlen, die ihnen als besonders kundig auf dem gefragten Gebiet erscheinen. Das wäre aber willkürlich und hätte den Anschein von Protegierung. Der goldene Mittelweg sind Fachlisten: Verzeichnisse von Mitgliedern mit besonderer Qualifikation auf einzelnen Gebieten, die von der Kammer überprüft sind. Die grundsätzliche Frage der Einführung von Fachlisten stellt sich eigentlich nicht mehr, da die meisten Länderkammern bereits solche haben.

Wie das Prozedere ausgestaltet werden kann, ist beispielsweise in Baden-Württemberg durch eine Geschäftsordnung geregelt, die der Landesvorstand der Architektenkammer 2013 verabschiedet hat. Danach gibt es für jede Liste ein dreiköpfiges, vom Vorstand unabhängiges Gremium, das über die Anträge entscheidet. Die Qualifikation ist durch eigene Projekte und fachspezifische Fortbildung nachzuweisen. Wir sehen in anspruchsvollen Fachlisten einen höheren Vermarktungswert als zum Beispiel in Internet-Verzeichnissen, in die sich jeder aufgrund der Selbsteinschätzung mit bestimmten Spezialisierungen eintragen kann.

In Baden-Württemberg gibt es sechs Fach­listen für Denkmalschutz, Energieeffizienz, Preisrichter, Wettbewerbsbetreuer, Sachverständigenwesen sowie Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordination. Insgesamt sind rund 600 der 25.000 baden-württembergischen Kammermitglieder eingetragen; das ist ein Anteil von 2,4 Prozent. Auch wenn es mit der Zeit mehr werden, sind die Eingetragenen weit davon entfernt, bestimmte Gebiete zu monopolisieren. Die Listen dienen nicht als Zugangsschranken, um andere Mitglieder von Aufträgen fernzuhalten, die nicht gelistet sind. Es sind lediglich Verzeichnisse derer, die aufgrund ihrer nachgewiesenen Qualifikation hier eintragen werden. Der Bauherr ist natürlich frei in seiner Entscheidung, wen er beauftragt. Die Kammer kommt ihrem Dienstleistungsauftrag nach und leistet einen Beitrag zum Verbraucherschutz.

Wir wollen keine Inflation von Fachlisten, sondern nur wenige ausgewählte Vertiefungsgebiete, anderen freien Berufen entsprechend.

Wir vertreten weiterhin den umfassenden generalistischen Ansatz des Architektenberufs und sehen den Entwurf als ­unsere Kernkompetenz mit Alleinstellungsmerkmal. Es ist kein Widerspruch, Generalist und zugleich Spezialist zu sein. So können wir unseren gesellschaftlichen Auftrag, die bauliche Gestaltung der Zukunft, besser sichern oder zurückerlangen und in Rand- und Spezialgebieten neue Felder hinzugewinnen.

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