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[ Kreuzfahrtschiffe ]

Die Gestaltungs-Kapitäne

Partner Ship Design gehört zu den wenigen Unternehmen, die Kreuzfahrtschiffe entwerfen – nach dem Prinzip „Erst die Funktion, dann die Gestaltung“

Maritime Entwerfer: Siegfried Schindler und Kai H. E. Bunge besetzen mit ihrem Büro eine kleine, feine Nische.
Maritime Planer: Siegfried Schindler und Kai H. E. Bunge besetzen eine kleine, feine Nische. Foto: Partner Ship Design

Text: Nils Hille

Bescheidene Ziele hatten Kai H. E. Bunge und Siegfried Schindler, als sie 1990 ihr Unternehmen Partner Ship Design in Hamburg gründeten. Schindler: „Da wollten wir zu zweit ein paar Aufträge bekommen und vielleicht mal bis zu fünf Mitarbeiter haben.“ Doch dann kam alles anders. 1991 suchte die Deutsche Seereederei für ihre MS Arkona kurzfristig Planer, die innerhalb von neun Wochen ein Restaurant umbauen konnten. Eine eigentlich unmögliche Aufgabe in der kurzen Zeit, doch Bunge und Schindler waren voller Ehrgeiz und bissen an. Sie reservierten schon vor der Freigabe ihres Entwurfs die Bauzeiten bei den passenden Handwerkern und klärten mit ihnen sämtliche Preise. Als dann die Reederei die Gestaltung für gut befand, legte das Team sofort los – und war pünktlich fertig. „Da war unser Auftraggeber so beeindruckt, dass wir von ihm für den anstehenden Neubau angefragt wurden“, sagt Schindler. Heute beschäftigt Partner Ship Design 35 qualifizierte Mitarbeiter, die nach eigenen Angaben 20 Prozent aller Kreuzfahrtschiffe weltweit gestalten. Bunge schüttelt über sein Wachstum noch heute ungläubig den Kopf: „Dass diese Branche so boomt, hätten wir nie gedacht. Da aber die Begeisterung dauerhaft anhält, können wir permanent wachsen.“
In dieser Branche mit ihren wenigen großen Betreibern kennt jeder jeden. So blieb es kein Geheimnis, wer hier einen guten Job gemacht hatte. Partner Ship Design übernimmt nun schon seit Jahren immer wieder die Planung von Fluss- und Kreuzfahrtschiffen der zwei großen deutschen Anbieter Hapag Lloyd und Arosa. Zudem arbeitet PSD für Carnival Corporation, die größte Reederei-Gruppe weltweit. Zu ihr zählen unter anderem Aida Cruises, Costa Crociere und Princess Cruises. Auf der Referenzliste steht ein Neubau nach dem anderen, meist laufen zwei bis drei Großprojekte sogar ­parallel. Partner Ship Design sorgt dabei nicht nur für die umfassende Innengestaltung, sondern entwickelt vorab gemeinsam mit Experten der Reedereien die Generalpläne, bis sie so umfassend und zugleich detailliert sind, dass sie an die Werft gehen können. Schindler: „Wir sind keine Schiffsbauingenieure, aber wir sorgen zum Beispiel dafür, dass das Rastermaß auf die verschiedenen Kabinentypen abgestimmt ist.

Ausstattungsmerkmal: Schwimmbäder an Bord gehören zum Standard – gefällig, aber nicht eben spektakulär gestaltet.
Ausstattungsmerkmal: Schwimmbäder an Bord gehören zum Standard – gefällig, aber nicht eben spektakulär gestaltet. Foto: Hapag-Lloyd Kreuzfahrten

Das Schiff wird von Anfang an so zurechtgeschneidert, dass wir ein perfektes Ganzes gestalten können – innen wie außen.“ Nach Angaben der beiden Inhaber leistet diese konzeptionelle Arbeit kein Architekturbüro weltweit. In der Entwurfs- und Detailplanung sind 15 bis 20 Kräfte gleichzeitig tätig – an einem Schiff für 15 bis 18 Monate. Bunge erklärt den Aufwand an einem Beispiel: „Wegen all der Versorgungsleitungen in den Decken gibt es nur wenig Spielraum. Da müssen wir jede noch so kleine Lampe zentimetergenau einplanen.“ Dabei gilt auch bei ihnen immer: „form follows function“. Erst die Funktion, dann die Gestaltung.

Bauherr Reederei

Letztere orientiert sich immer an den Trends in der Hoteleinrichtung und nach der jeweiligen Zielgruppe. Waren es zu Beginn ihrer Arbeit zum Beispiel noch mehr möglichst üppig gepolsterte Sitze und Sofas sowie verspielte Wanddesigns, so sind die Kabinen heute schlichter und an der Gestaltung der gehobenen Hotellerie ausgerichtet. In den öffentlichen Bereichen, wie Bars und Theater, setzen vor allem Teppiche und Bezüge Farbakzente, teilweise mit sehr prägnanten Mustern. Bei denen fällt dann aber auch der strapazierende Dauergebrauch nicht so auf. Die Restaurants sollen nicht mehr nach Speisesaal für die hungrige Masse wirken, sondern dem Gast ein edles Ambiente vermitteln und den Anschein von Individualität geben.

Schwimmende Showbühne: Mit prägnanten Mustern und Farben fällt strapazierender Dauergebrauch weniger auf.
Schwimmende Showbühne: Mit prägnanten Mustern und Farben fällt strapazierender Dauergebrauch weniger auf. Foto: Ingrid Fiebak Fotografie

Die Außenbereiche kommen nicht schwach beleuchtet daher, sondern werden nachts durch farbige Lichter illuminiert.
Bei schnellen Rücksprachen und kurzfristigen Änderungswünschen helfen den Planern die klaren und festen Strukturen beim maritimen Bauherrn – bei so großen Hochbauprojekten eher eine Seltenheit. Der Ansprechpartner von PSD ist immer nur die Reederei. „Wir müssen uns nicht mit verschiedenen Investoren und Betreibern auseinandersetzen, die unterschiedliche Ziele verfolgen“, so Bunge. Schindler hakt ein: „Da hat auch nicht jeder Beteiligte bei Besprechungen seinen Anwalt dabei.“ Das ihnen gesetzte Ziel ist klar: Das Schiff muss nach einer Bauzeit von rund drei Jahren zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig sein. Schließlich werden die genauen Routen des schwimmenden Hotels schon ein Jahr vor Fertigstellung vermarktet und in den Verkauf gegeben. Dann müssen Bausummen von 300 bis 700 Millionen wieder eingefahren werden – allein für jeden der 30 bis 35 öffentlichen Bereiche auf solchen Kreuzfahrtschiffen fiel bis dahin eine Ausbausumme von etwa zwei bis fünf Millionen Euro an. Dann ist es so weit: Eines der „Kinder“, wie Schindler und Bunge ihre Schiffsprojekte nennen, verlässt die vertraute Heimat und macht sich auf den Weg. Zumindest so lange, bis ein Umbau ansteht. Dann meldet sich die Reederei wahrscheinlich wieder bei Partner Ship Design.

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