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[ Schwerpunkt: Kommunikation ]

Haus-Mitteilung

Gute Öffentlichkeitsarbeit ist niemals umsonst. Das kann man durchaus im Doppelsinn verstehen, wie das Beispiel vom Büro Behnisch Architekten zeigt

Großformat: Das Behnisch Architekten Magazin hat ein professionelles Erscheinungsbild und mehr Seiten als herkömmliche Fachblätter.

Text: Cornelia Dörries

Dass sie nicht mehr entwirft und plant, findet die Architektin Bettina Wassermann gar nicht so bedauerlich. Denn mit Architektur hat sie trotzdem zu tun, wenn auch auf andere Weise. Die 35-Jährige mit Ingenieur-Diplom und einem Abschluss als Master of Business Administration (MBA) leitet seit 2012 die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Behnisch Architekten in Stuttgart. Das Büro mit seinen insgesamt 100 Mitarbeitern an den Standorten Stuttgart, München und Boston leistet sich eine eigene PR-Abteilung, in der Bettina Wassermann zusammen mit ihrer amerikanischen Kollegin Elizabeth Cerda sämtliche Kommunikationsaufgaben betreut, die bei den vielfältigen Projekten – von Einzelgebäuden, Quartieren und Gartenarchitektur über Möbeldesign bis hin zu städtebaulichen Planungen – anfallen.“ Dazu gehören das Schreiben von Pressemitteilungen, die Pflege von Kontakten zu Bauherren und Journalisten, aber auch die Organisation von Foto- und Interviewterminen sowie das Erstellen von Projektbeschreibungen und Präsentationen. Außerdem erarbeite ich anhand der Werkpläne gut lesbare Veröffentlichungspläne”, fasst Wassermann ihre Arbeit knapp zusammen.

So weit nichts Besonderes – wäre da nicht der Anspruch, mit der Öffentlichkeitsarbeit nicht nur das Pflichtprogramm zu absolvieren, sondern sich auch mit einer Kür zu präsentieren. Und so entstand die Idee, abgeschlossene Projekte, aber auch nicht realisierte Wettbewerbsbeiträge eines bestimmten Zeitraums in einer Art Werkbericht zu präsentieren – als ansehnlich aufbereitete Information für Kunden, Bauherren und Presse. Die Idee eines Jahrbuchs wurde jedoch als zu prätentiös verworfen. „Die schwergewichtige Anmutung eines gebundenen Buchs erschien uns für diese Art der Publikation unpassend“, so Bettina Wassermann. „Daher haben wir uns für ein Magazin entschieden.“ Dessen erste Ausgabe erschien Anfang dieses Jahres und widmet sich dem Thema „Wohnen“. Die Publikation ist etwas anders geworden als herkömmliche Imagebroschüren von Architekturbüros. Zunächst im Umfang: Mit seinen 156 Seiten im großen Sonderformat ist das „Behnisch Architekten Magazin“ fast so schwer wie ein Buch und dicker als einschlägige Fachblätter. Während sich der hintere Teil des Heftes den abgeschlossenen und laufenden Projekten des Büros widmet – sehr großzügig gestaltet und anhand von Plänen, Grundrissen und großformatigen Fotos dokumentiert –, gehört der erste Teil dem Schwerpunkt „Wohnen“. Die von einem Fachjournalisten betreuten Texte sind durchgehend zweisprachig deutsch und englisch und greifen das Thema auf verschiedene Weise auf: mal in Form eines Essays, mal als Interview oder als knapp betextete Bildstrecke.

Die erste Ausgabe wurde an Auftraggeber des Büros, Fachplaner, Kollegen und die Presse geschickt. „Die Resonanz auf das Magazin war sehr positiv“, sagt Bettina Wassermann. „Gelobt wurden vor allem die gut lesbaren Texte und die Art der Aufbereitung.“ Auch das gesamte Team von Behnisch Architekten steht auf dem Verteiler der PR-Abteilung. „Für unsere Mitarbeiter bietet so eine Publikation die Möglichkeit, Familie, Freunden und Bekannten zu zeigen, an welchen Projekten sie mitarbeiten. Das wird sehr gut angenommen.“ Als Medium der internen Kommunikation soll das Heft jedoch nicht dienen – eher als repräsentatives Zeugnis des eigenen Tuns in all seiner Komplexität.

Die guten Rückmeldungen auf das Magazin führt die PR-Fachfrau auch auf das Thema zurück. „Mit dem Schwerpunkt ‚Wohnen‘ erreicht man ein größeres Publikum, da es nun mal alle etwas angeht“, so Wassermann. Ähnlich strategisch geht sie auch bei ihrer täglichen Arbeit vor: Wendet sie sich mit einer Pressemitteilung an eine Tageszeitung oder eine Publikumszeitschrift, sucht sie gezielt nach einer Ansprache und einem thematischen Aufhänger mit Breitenwirkung; die Fachpresse erreicht sie eher mit einer auf Kollegen und Experten zugeschnittenen Information. Auch die Fotos wählt sie entsprechend der Zielgruppe aus: „Die Publikumspresse zeigt nur Fotos, auf denen auch Menschen zu sehen sind, während die Fachpresse natürlich den Fokus auf die Architektur richtet.“

Ob sich der Aufwand für diese ambitionierte Öffentlichkeitsarbeit rechnet? Bettina Wassermann zögert kurz. „Ich glaube nicht, dass sich die Wirksamkeit von PR-Arbeit messen oder gar quantifizieren lässt“, sagt sie. „Aber ich werte es als Erfolg, wenn ein Redakteur anruft und um die Stellungnahme des Büros zu einem bestimmten Thema bittet. Das bedeutet ja, dass wir in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Und das freut einen immer.“ Dass Behnisch Architekten präsent sind, beweisen nicht zuletzt die zahlreichen ausländischen Studentengruppen, die sich für eine Bürobesichtigung anmelden: Öffentlichkeitsarbeit, um die sich Bettina Wassermann sehr gern kümmert. „Das sind schließlich unsere Mitarbeiter von morgen.“

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