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[ Konjunktur ]

Architekten merklich zuversichtlicher

Ergebnisse der Befragung des if- Instituts zur Auftragssituation der freischaffenden Architekten im Januar/Februar 2011

Von Erich Gluch

Nach den Umfrageergebnissen des ifo Instituts hat sich das Geschäftsklima bei den freischaffenden Architekten zu Beginn des 1. Quartals 2011 etwas verbessert. Die leichte Aufhellung resultiert dabei ausschließlich aus einer deutlich optimistischeren Einschätzung der zukünftigen Entwicklung als in den beiden Vorquartalen; die derzeitige Geschäftslage wurde dagegen von den Testteilnehmern nicht mehr ganz so gut beurteilt. Die relativ besten Klimawerte wiesen – neben Hamburg und dem Saarland – Bayern und Bremen auf. Besonders unterkühlt war das Geschäftsklima weiterhin in Sachsen und Berlin. In den übrigen Bundesländern lagen die Klimawerte relativ nah am Durchschnittswert für Deutschland insgesamt.

Die befragten Architekten beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage zurückhaltender als vor drei Monaten. Nur noch drei von zehn Testteilnehmern (Vorquartal: 35%) waren mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden; der Anteil der Architekten, die ihre Geschäftslage mit „schlecht“ bezeichneten, sank allerdings geringfügig von rund 27 auf 26%. Die Abweichungen gegenüber diesen Durchschnittswerten waren in einigen Bundesländern ganz beträchtlich: So wertete jeweils fast die Hälfte der Architekten in Bayern, Schleswig-Holstein, Hamburg und im Saarland ihre derzeitige Lage als „gut“. Demgegenüber waren 40% der Architekten in Sachsen sowie etwa die Hälfte der Berliner Architekten mit ihrer aktuellen Lage nicht zufrieden.

Bezüglich der Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate nahm die Zuversicht spürbar zu. Der aufwärts gerichtete Trend, der nunmehr bereits seit gut fünf Jahren zu beobachten ist, setzte sich damit – nach einer „Konsolidierungsphase“ in 2010 – weiter fort. Jeder sechste Testteilnehmer (Vorquartal: 14%) erwartete, dass seine Auftragssituation in etwa einem halben Jahr voraussichtlich „eher günstiger“ sein wird. Die Zahl der Skeptiker verringerte sich gleichzeitig erheblich: nur noch 20% – nach 27% im Vorquartal – gingen von einer „eher ungünstigeren“ Entwicklung in den kommenden sechs Monaten aus. Die Geschäftserwartungen fielen bei den Architekten in Hamburg, aber auch im Saarland sowie in Sachsen-Anhalt und Thüringen überdurchschnittlich „gut“ aus; besonders skeptisch bezüglich der Entwicklung in den nächsten Monaten waren lediglich die befragten Architekten in Sachsen.

Im Durchschnitt aller 16 Bundesländer konnten im 4. Quartal 2010 rund 51% der Testteilnehmer neue Verträge abschließen. Die „magische“ 50%-Marke wurde damit wieder überschritten. Deutlich über dem Durchschnitt liegende Abschlussquoten waren in Hamburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu registrieren. Auf der anderen Seite meldete in Sachsen nur knapp ein Viertel und in Berlin nur gut ein Drittel der befragten Architekten neue Vertragsabschlüsse.

Im Berichtsquartal lag das geschätzte Bauvolumen aus den neu abgeschlossenen Verträgen (Neubauten ohne Planungsleistungen im Bestand) gut ein Zehntel über dem Niveau des Vorquartals. Dabei war das insgesamt von den Architekten akquirierte Planungsvolumen im Wohnungsbau rund ein Sechstel größer als im 3. Quartal 2010; im Nichtwohnbau erhöhte sich die Auftragssumme gegenüber dem Vorquartal um rund 10%.

Die Aufträge zur Planung von Ein- und Zweifamilienhäusern lagen im 4. Quartal 2010 um 12% über dem Niveau des Vorquartals. In dem Aufwärtstrend, der seit Ende 2007 zu beobachten ist, wurde damit eine neue Höchstmarke erreicht. Das durchschnittliche Auftragsvolumen, das die Architekten in diesem Teilsegment in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre erhielten, war aber noch rund 30% größer. Deutlich besser als im Durchschnitt war die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen sowie in Ostdeutschland. Dort konnten die von uns befragten Architekten im Durchschnitt um fast 50% höhere Aufträge zur Planung von Ein- und Zweifamilienhäusern akquirieren als noch im Vorquartal.

Nach einer sehr erfreulichen Entwicklung im Verlauf des 1. Halbjahrs 2010 mussten die von uns befragten Architekten bei den Planungsaufträgen für Mehrfamiliengebäude im 3. Quartal einen herben Rückschlag hinnehmen. Mit einem Anstieg des Planungsvolumens um rund 20% im Berichtsquartal konnte jedoch nur rund die Hälfte dieses Einbruchs wieder wettgemacht werden. Am  „erfolgreichsten“ waren dabei die Architekten in Nord- und Ostdeutschland. Hierbei muss allerdings auch berücksichtigt werden, dass dort im Vorquartal – neben Nordrhein-Westfalen – die größten Rückgänge zu verzeichnen waren.

Der Umfang der Planungsaufträge von privaten und gewerblichen Auftraggebern bewegte sich im 4. Quartal 2010 nur unwesentlich (+2%) über das Niveau des Vorquartals. Ähnlich umfangreiche Aufträge akquirierten die Architekten auch bereits in den ersten beiden Quartalen. Berücksichtigt man den jähen Einbruch im 3. Quartal 2009, so ist die Erholung um gut 50% seitdem eine komfortable Entwicklung. Mit Ausnahme von Nordrhein-Westfalen und Bayern, wo die hohen Volumina vom Vorquartal nicht wieder erreicht werden konnten, erfolgte in den übrigen Großregionen bzw. Bundesländern eine zum Teil sogar recht positive Entwicklung.

Die befragten Architekten konnten im Berichtsquartal zum dritten Mal in Folge die von öffentlichen Auftraggebern erhaltenen Planungsaufträge deutlich steigern. Mit einem Plus von rund 20% wurden fast doppelt so umfangreiche neue Planungsaufträge hereingenommen wie im 1. Quartal 2010. Davon profitierten die Architekten in allen Bundesländern – mit Ausnahme der in Ostdeutschland tätigen.

Die durchschnittliche Reichweite der Auftragsbestände der befragten Architekturbüros stieg weiter an. Die Auftragspolster betrugen zum Jahresende 2010 rund 5,7 Monate. Der letzte „Spitzenwert“ vom Frühjahr 2010 (5,9 Monate) wurde nur knapp verfehlt. Die im Durchschnitt größten Auftragsbestände meldeten die freischaffenden Architekten in Schleswig-Holstein (6,4 Monate), gefolgt von Hamburg, Bayern und dem Saarland, die ebenfalls die 6-Monats-Marke noch übertrafen. Deutlich unter dem Bundesdurchschnitt lagen die durchschnittlichen Auftragspolster der befragten Architekten in Mecklenburg-Vorpommern (3,5 Monate).

Erich Gluch ist Wissenschaftler am ifo Institut für Wirtschaftsforschung in München.

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