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[ Baukosten ]

Solides Zahlenfundament

Das Baukosteninformationszentrum BKI sucht weitere Architekten, die ihm gegen Honorar Kostendaten übermitteln

Von Rebecca Weiand-Schütt

Seit der HOAI-Novellierung 2009 ist die Kostenberechnung noch wichtiger, da mit ihr das Architektenhonorar in einem sehr frühen Stadium nahezu verbindlich festgeschrieben wird. In der Praxis gelingt das kostenoptimierte Planen nur auf Grundlage fundierter Daten. Für diesen Zweck wurde vor mehr als 14 Jahren das Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern (BKI) in Stuttgart gegründet. Das Ziel war und ist es, eine aktuelle, breit angelegte Baukosten-Datenbank zur Unterstützung der Architekten bereitzustellen. Rund 50 000 Nutzer, also fast jeder zweite deutsche Architekt, bedienen sich mittlerweile dieser Dokumentation. Gründe für die Vertrauenswürdigkeit der Werte nennt der Hamburger Architekt Karsten Holst: „Es ist ein gemeinschaftliches Werk unseres Berufsstands, da die Daten ausschließlich aus abgerechneten Projekten von Architekten stammen. Das macht sie sehr verlässlich und durch die detaillierten Quellenangaben gut nachvollziehbar.“

Mehr als 1 700 Objekte stehen derzeit zur Verfügung, aufgegliedert in Neu- und Altbauten, energiesparendes ­Bauen sowie Freianlagen. Doch Gesetzesänderungen, weiterentwickelte Baustoffe und Materialien sowie steigende energetische Anforderungen verändern fortlaufend sowohl die Rahmenbedingungen als auch die Bauprozesse selbst. „Neue Objekte sind jederzeit willkommen, denn wir benötigen aus allen Regionen und quer über alle Bauwerksarten hinweg Zahlen, um unseren hohen Standard als aktuelle und repräsentative Datenbank zu halten“, erklärt BKI-Geschäftsführer Professor Georg Wiesinger. Die Architektenschaft verwendet diese Werte in unterschiedlicher Art und Weise – mal als Ausgangsannahme, bevor Ausschreibungsergebnisse vorliegen, mal als Vergleichsbasis für eigene Zahlen, mal als einzelne Bausteine für bestimmte Positionen. Selbst wenn ein Büro nach langer Berufspraxis einen umfangreichen Datenbestand hat, ist dieser nicht immer so aufbereitet, dass er zur Kostenberechnung neuer Aufträge taugt. Werden die Werte hingegen an die Datenbank weitergegeben, bleiben sie zukunftstauglich. Den größten Vorteil daraus haben die Datenlieferanten selbst, meint Architekt Werner Miller von der Werksgruppe Freiburg: „Die Kennzahlen aus der Auswertung der eigenen Objekte sind methodisch so exakt strukturiert, dass sie sich sehr gut für Folgeprojekte nutzen lassen.“

Wenig Aufwand und hoher Informationsertrag

Den Ausgangspunkt dafür bilden Checklisten, die den Architekten genau angeben, welche Unterlagen benötigt werden. BKI-Mitarbeiter prüfen, ob die eingehenden Planunterlagen, Fotos und Beschreibungen vollständig und plausibel sind. Ob daraus eine Grob- oder Feindokumentation entsteht, ist abhängig vom Umfang der Abrechnungsunterlagen. Wurden viele Leistungen pauschal vergeben oder gab es Eigenleistungen in hohem Umfang, bietet sich eine Darstellung auf der ersten Ebene der DIN 276 an, was mit 150 Euro honoriert wird. 700 Euro erhalten Architekten für Datenmaterial, das der dritten Ebene entspricht. Die zeitliche Belastung für das Aufbereiten und Darstellen der Daten ist für Büros mit strukturierter Kostenplanung gering und wird auf einige Stunden bis maximal einen Arbeitstag geschätzt. „Die Honorierung war eine zusätzliche Vergütung für wenig Aufwand“, berichtet Carsten Eichholz aus dem Büro Barthelmey, das bereits 13 Objekte geliefert hat.

Seit Kurzem können sich die Büros bei der Zusammenstellung der Daten direkt vor Ort von BKI-Mitarbeitern unterstützen lassen. Von Duisburg aus betreut Bettina Böhmer Datenlieferanten aus dem westlichen Nordrhein-Westfalen, Andreas Hecker in Dortmund ist für den östlichen Landesteil zuständig. In Mainz ist Philipp von Mann für Hessen und Rheinland-Pfalz der Ansprechpartner, und von Brandenburg aus ist Constanze Kreiser in Berlin und den neuen Bundesländern behilflich.

Aufbereitet werden die Daten von den Fachleuten des BKI, die die Positionen aller Gewerke mit Kurztext, Menge und Einheitspreis erfassen und den Kostengruppen der DIN 276 und den Leistungsbereichen des STLB zuordnen. Bei größeren Projekten geht es oft um mehrere tausend Einzelposten. Zudem werden aus den Zeichnungen Flächen, Rauminhalte und Elementmengen herausgemessen. Aus diesen Rohdaten entstehen die Planungs- und Kostenkennwerte. So wird jedes Projekt sauber aufgeschlüsselt und gut vergleichbar. Hinzu kommen Fotos und Pläne.

Die Veröffentlichung setzt die Zustimmung der Bauherren voraus. Das ist in aller Regel kein Problem. Im Gegenteil: Viele sind stolz darauf, dass ihr Haus so umfangreich dokumentiert wird und als Vorbild für andere dient. „Die BKI-Sonderdrucke der eigenen Projekte wirken bei der Akquise von privaten Bauherren als vertrauensbildende Maßnahmen, vergleichbar einem Qualitätskriterium“, sagt Hans Peter Benl aus dem bayrischen Neuötting, der seit mehr als zehn Jahren die Datenbank nutzt und zugleich beliefert. Er schätzt besonders, dass über Zu- und Abschläge alle Kennwerte deutschlandweit auf jede Region umgerechnet werden können.

Möglich machen das Daten aus allen Bundesländern. Allein durch das Nord-Süd-Gefälle gibt es bei einzelnen Gewerken Preisdifferenzen von bis zu 20 Prozent. Die Datenbank ist somit in mehrfacher Hinsicht ein Spiegelbild der deutschen Baurealität. Die Gebäude entsprechen in ihrer Aufteilung in Wohn-, Gewerbe- und öffentlichen Bau genau dem, was tatsächlich geplant und errichtet wurde. Und sie zeigt einen Querschnitt durch die Werke der Architekten, vom freischaffenden Einzelkämpfer bis hin zu großen Büros mit vielen Angestellten.

Rebecca Weiand-Schütt betreibt das Büro rws’ KOMMUNIKATION in Schönaich.

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