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[ Modulbau ]

Rasch montieren

Der Modulbau ist eine standardisierte Bauweise, die sehr flexibel ist, sagt Architekt Stefan Egelhof

Modular gefertigt, individuell gestaltet: Die Christian-Schmidt- Schule in Neckarsulm (links) und die Fassade in Lamellenoptik des neuen Wohntraktes der Deutschen Botschaft in Kabul (rechts) sind aus Modulen gefertigt.

Interview: Marion Goldmann

Was genau ist unter Modulbau zu verstehen?

Der Modulbau ist eine Fertigbauweise, mit der alle erdenklichen Gebäudetypen wie Büro- und Verwaltungsbauten, Schulen und Kitas oder Krankenhäuser gebaut werden können. Durch die witterungsunabhängige Vorfertigung der Module im Werk und die schnellere Montage vor Ort wird die Bauweise immer dann interessant, wenn kurze Bauzeiten ausschlaggebend sind. Modulgebäude sind nicht zu verwechseln mit Containergebäuden, die eine Zwischenlösung sind. Der Hauptunterschied besteht darin: Container sind maßlich standardisiert, Modulgebäude sind in Abmessung und Formgebung flexibel.

Das heißt, auch die Gebäudeform ist frei wählbar?

Ja, im Prinzip ist jeder architektonische Entwurf realisierbar. Das Bauras ter von Modulgebäuden ist flexibel und wird dem jeweiligen Grundriss angepasst. Kein Modul gleicht also dem anderen, es gibt weder festgelegte Maße noch Standardwände oder -dächer. Dadurch sind auch geschwungene Bauformen realisierbar. Statt die Rundungen in Ortbeton herzustellen, können sie auch in Leichtbauweise vorgefertigt und auf der Baustelle zusammengesetzt werden. Viel zu selten wird das praktiziert. Üblich sind Raummodule mit einer kubischen Grundstruktur. Die tragende Konstruktion besteht aus Stahl; Wände, Decken, Fußböden bzw. Dach werden inklusive Öffnungen sowie Installationen objektbezogen ausgeführt. Soweit ich weiß, ist bislang noch kein Gebäude mit unterschiedlich großen, ineinander verschobenen Kuben in Modulbauweise realisiert worden. Dabei ist gerade diese Formensprache hierfür ideal.

Was ist an Fassadengestaltung und Innenausstattung möglich?

Architekten und Bauherren können hier frei wählen. Von den unterschiedlichsten Fassadenmaterialien bis hin zu hochwertigen Ausbaulösungen. Als Projektleiter habe ich in dieser Bauweise von einem beschusssicheren Botschaftsgebäude in Tiflis bis zu OP- und Intensivstationen in Krankenhäusern der VAE und Großbritannien viele anspruchsvolle Objekte realisiert. Je höher das Niveau und je weiter der Weg, desto geringer ist der Preisunterschied zu konventionellen Bauweisen.

Der entscheidende Faktor ist also die Bauzeit?

Die ist extrem kurz. Noch während der Fundamentarbeiten auf der Baustelle werden die Raumzellen im Werk gefertigt und ausgebaut. Je nach Objekt beträgt der Vorfertigungsgrad bis zu 95 Prozent. Auch die üblichen technologischen Bautrocknungszeiten entfallen. Eine OP-Abteilung für ein Krankenhaus lässt sich zum Beispiel in nur vier Wochen erstellen.

Sind dem Modulbau Grenzen gesetzt?

Immer dann, wenn die logistischen Anforderungen an den Transport nicht mehr zu bewältigen sind, wird die Modulbauweise uninteressant. Beispielsweise sind Module mit Abmessungen von 20 mal 20 Metern nicht mehr transportierbar. Somit scheiden Bauvorhaben mit ausgesprochen großen Räumen wie Sta dien, Konzert- oder Kinosäle aus.

Foto: Hersteller

EnEV 2009-konforme Raum-Module

Mit der EnEV 2009 gelten auch für temporäre Gebäude mit einer Nutzungsdauer von zwei bis maximal fünf Jahren strengere Auflagen. Um diese gesetzlichen Anforderungen sicher zu stellen, hat die Alho Systembau GmbH mit Sitz im nordrhein-westfälischen Morsbach das Energy Modul entwickelt. Die Beheizung erfolgt standardmäßig über eine Konvektorheizung, die an eine Brennwerttherme sowie an regenerative Wärmeversorgungen wie Sonnenenergie, Wärmepumpen, Fernwärme über Kraftwärmekopplung (KWK) etc. angeschlossen werden kann. Die Raumkühlung im Sommer erfolgt über ein zuschaltbares Kühlgerät. Hergestellt werden die Energy Container ausschließlich mit emissionsarme Materialien. Die Verwendung von Trockenbaustoffen stellt sicher, dass die Raummodule sofort nutzbar sind. Und Schallschluckdecken sorgen für eine ausgewogene Raumakustik. Energetisch optimierte

Der Fagsi Energy Container lässt sich entsprechend des Einsatzbereiches konfigurieren

Fensterkonstruktionen mit einem Wärmedurchgangskoeffizienten von UW 1,2 W/m²K inklusive Isolierverglasung (UG 1,0 W/m²K) ergänzen das Gesamtkonzept. Dabei verleihen großflächige Fensterelemente im Wechsel mit horizontal verlegten Alu-Siding-Paneelen im einheitlichen Farbton dem Energy Container eine ästhetische Eleganz. Die ersten Module sind bereits im Einsatz: So entscheid sich das Land Hessen beim Bau dringend benötigter Schulungsräume für die Fachhochschule Gießen dafür. Das angemietete temporäre Gebäude ist für eine Nutzungsdauer von 24 Monaten vorgesehen. Neben den energetischen Vorteilen überzeugte die Möglichkeit, das Gebäude unkompliziert und schnell aufzustocken oder auch wieder zurückzubauen zu können.

Kaum noch als Container zu erkennen: Das „Mobile Home“ von ELA mit attraktiver Fassadengestaltung.

Haus zum Mitnehmen

Mit dem Projekt „Create Your Mobile Home“ setzt der emsländische Containerspezialist ELA aus Haren auf ein neues Konzept: Schlüsselfertige und transportable Häuser aus beliebig vielen Containerbausteinen bieten zum Beispiel Pendlern oder Arbeitnehmern mit ständigem Wohnortwechsel eine hohe Flexibilität. Das erste Musterhaus steht in Haren. Es wurde in Zusammenarbeit mit dem Architekten Gerrit Termöhlen aus Papenburg innerhalb von nur zwei Monaten entwickelt und umgesetzt. „Das war für mich ein außergewöhnliches Projekt, zeigt es doch, dass Containerbauten durchaus ansprechende Lösungen bieten.“

Das „Mobile Home“ wird auf eigenen Wunsch voll ausgestattet geliefert.

Die in Holzlack verkleidete Außenfassade lässt kaum noch erkennen, dass es sich um eine Containeranlage handelt. Der Außenbereich mit einer umlaufenden Terrasse schließt sich über eine Schiebetür nahtlos an den Wohnbereichbereich an. Auch Dämmung, Klimatisierung und Heizung genügen modernen Komfortansprüchen. Das Musterhaus bietet auf einer Fläche von 54 Quadratmetern Platz für zwei Personen und kann je nach Bedarf – wie das eigene Haus – individuell eingerichtet werden. Bad, Küche, Schlaf- und Wohnraum des Prototyps sind zur Veranschaulichung bis hin zum Schuhschrank bis aufs letzte Detail durchdacht und voll ausgestattet.

Der Raumbedarf kann jederzeit um weitere Module vergrößert, beziehungsweise verkleinert werden. Somit kann der Nutzer den Wohnraum im Rahmen der wahlweise 3 mal 3 oder 6 x 6 Meter großen Containerbausteine seinen Lebensbedürfnissen individuell anpassen. Durch das dichte Vertriebsnetz und den großen eigenen Fuhrpark stellt ELA neben der schnellen Montage auch einen zügigen Standort-Wechsel sicher.

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