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[ Objektbericht ]

Charme und Effizienz

Industriedenkmal: Wie sich energiesparende Fassadentechnik und historische Sprossenverglasung verbinden.

Das Offenbacher „Kesselhaus“ ist Teil eines Elektrizitätswerks aus dem Jahr 1904. Die Gründerzeithalle, in der früher Turbinen Dampf für Drehstromgeneratoren erzeugten, hat Architekt Gunter Lehmann aus Lahr zu einem funktional und energetisch nachhaltigen Bürogebäude umgebaut. Planungsziele waren der behutsame Umgang mit der wilhelminischen Industriearchitektur, die um einen möglichst zeitlose moderne Architektursprache ergänzt werden sollte, und die Funktionsänderung hin zu einer weitgehend mieterunabhängigen Büronutzung. Im Inneren sollte das Gebäude modular arrangierbar sein, um auf Mieterwechsel etwa mit schnellem Umbau vom Großraum- zum Zellenbüro reagieren zu können.

Höhe und Raum: Neu aufgebaut wurde die Ostfassade mit vertikalen Fensterbändern. Im Inneren wirkt die alten Fassade dank des raumhohen Foyers vor den drei neu eingezogenen Geschossen.

Denkmalschutzauflagen betrafen vor allem die Giebelseiten des Gebäudes. Beide besitzen Stahlsprossenverglasungen, deren guter Erhaltungszustand eine Restauration begünstigte. Um für ausreichend Sonnenschutz und Wärmedämmung zu sorgen, wurden die alten Einfachverglasungen mit einer von außen unsichtbaren zweiten Fensterebene zu Kastenfenstern ausgebaut. Sie erfüllen zum Einen die energetischen Anforderungen – auch dank Aluminium-Profiltechnik von Schüco –, zum Anderen hilft ein integrierter textiler Sonnenschutz, das Raumklima des sonst unklimatisierten Gebäudes zu regulieren.

Im Inneren entstanden, im Einklang mit den Denkmalschutzauflagen, drei zusätzliche Obergeschosse mit einer Fäche von 1.500 Quadratmetern. Die historischen Giebelfassaden blieben davon unbeeinflusst, im südlichen Eingangsbereich lässt ein bis zum Dachraum geöffnetes Foyer die stilprägenden Sprossen auch von innen wirken.

Um den Lichteinfall zu erhöhen, sah die Planung für die Ost- und Westfassade raumhohe Fensterelemente mit Lüftungsflügeln zur Nachtauskühlung vor. An der besser erhaltenen Westfassade stellten die Architekten die noch in großen Teilen vorhandene Klinkerfassade einschließlich des historischen Klinkerfrieses wieder her und ersetzten nach dem Krieg errichtete Betonpfeiler durch Giebelspitzen aus dem ursprünglich verwendeten Sandstein. Die kaum sanierbare Ostfassade wurde mit geschosshohen, vertikal arrangierten Fensterbändern neu aufgebaut.

Sie tragen zur Maximierung des Tageslichteinfalls genauso bei wie Dachverglasungen und transparente Tür- und Trennwandsysteme für den Brandschutz.

Die großen Fensterflächen erforderten einen wirkungsvollern und denkmalschutzgerechten Sonnenschutz. Zum Einsatz kam das neu entwickelte Schüco-Sonnenschutzsystem CTB wegen der nahezu flächenbündigen Integration in das Fensterelement und der schlanken Aluminiumlamellen. Auch funktional bewährt sich das erstmals im großen Maßstab eingesetzte System – der Lichteinfall ist angenehm diffus, die Lamellenrollos laufen leichtgängig und selbst bei hohen Windgeschwindigkeiten treten keine Flatter- oder Pfeifgeräusche auf.

Das System ist automatisierbar und kann in den Büros und Konferenzzonen individuell geregelt werden. Nicht zuletzt hilft es, den Kühlbedarf im Sommer zu reduzieren, was ergänzend zur Grundwasserkonvektorenkühlung und zur Nachtauskühlung via Klappflügel eine mechanische Klimatisierung überflüssig macht. Und ist es kalt, wärmen eine moderne Pellet-Brennwertheizung und hochgedämmte Fenstertechnik.

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