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Innendämmsysteme

Neues Merkblatt zur Planung und Ausführung

Von Anatol Worch

Die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden kann in vielen Fällen nur durch die Anbringung einer innenliegenden Dämmung erreicht werden. Die durchaus bestehenden Risiken sind bekannt und können durch die intelligente Planung und den bewussten Einsatz von Baumaterialien beherrscht werden. Die Konzeption einer Innendämmung setzt sich zusammen aus dem komplexen Zusammenspiel zwischen der vorhandenen Konstruktion, dem Dämmstoff, gegebenenfalls zusätzlich erforderlichen Schichten (zum Beispiel Dampfbremsen), der raumseitigen Bekleidung und dem Gesamtsystem Bestandsgebäude. Nur bei der Beachtung aller Komponenten ist eine fachgerechte Planung, Ausführung und Nutzung einer innenliegenden Dämmung möglich.

Mit dem Merkblatt Innendämmung nach WTA I: „Planungsleitfaden“ werden dem Planer und Anwender erstmals Informationen, Planungshinweise bis hin zu Ausführungsempfehlungen zum Thema Innendämmung und energetische Sanierung im Bestand zur Verfügung gestellt. Zielgruppe sind Bauherren, Architekten, Bauingenieure, Bauträger, Behörden und Ausführende. Es ist Teil einer geplanten Merkblattserie, in der neben der reinen Planung auch Bemessungswerte für den computergestützten Nachweis und Ausführungsempfehlungen für Wärmebrücken, einbindende Bauteile und weitere erarbeitet werden.
Zu Beginn einer geplanten Dämmmaßnahme bei bestehenden Gebäuden muss immer eine Bestandserfassung und eine Definition des Ziels der Dämmmaßnahme erfolgen: Steht die Erzielung des hygienischen Mindestwärmeschutzes oder eine energetische Sanierung auf EnEV-Niveau im Vordergrund?

Vollständiger Planungsleitfaden zur Innendämmung

Zur Darstellung eines vollständigen Planungsleitfaden werden kurz Vor- und Nachteile der Innendämmung und die wichtigen Kenngrößen vorgestellt, die für eine feuchtetechnische Beurteilung von Innendämmsystemen notwendig sind. Neben der Definition wesentlicher hygro-thermischer Einflussgrößen, die bei der Planung berücksichtigt werden müssen, werden bauphysikalische Auswirkungen diskutiert. Die Verringerung des Austrocknungspotentials wird ebenso angesprochen wie der Tauwasserausfall in Folge von Diffusion und in Folge von Konvektion.
Weiterhin wird die Problematik der Wärmebrücken thematisiert. Die sich bei der Anbringung einer Innendämmung deutlicher ausbildenden Wärmebrücken begrenzen das Einsparpotential der transmissiven Wärmeverluste. Fenster- und Türlaibungen sowie komplexe Anschlussbereiche (zum Beispiel Balkenköpfe) sind durch die sich ausbildende Temperaturabsenkung gefährdet und müssen auf jeden Fall näher betrachtet werden. Hier sind weitere Merkblätter der WTA in Bearbeitung.

Für eine umfassende Beurteilung ist eine Begehung beziehungsweise eine Inaugenscheinnahme des Objektes dringend erforderlich. Zu berücksichtigen sind unter anderem die allgemeinen Gebäudedaten, vorhandene Baustoffschichten und Oberflächen¬beschaffenheiten, Feuchtezustände der Bauteile, raumklimatische Belastungen sowie wärmetechnische Details wie Wärmebrücken.

Vermeidung feuchtetechnischer Schäden

Kernstück des Planungsleitfadens ist die Definition eines vereinfachten Nachweises der feuchtetechnischen Risiken bei der Anbringung einer Innendämmung. Innerhalb bestimmter Grenzen der wärmeschutztechnischen Verbesserung, dem inneren Wasserdampfdiffusionswiderstand und der Kapillarität des Untergrundes können die Schlagregenbeanspruchung und die Tauwasserbildung getrennt voneinander nachgewiesen werden. Nachdem die Überprüfung eines ausreichenden Schlagregenschutzes stattgefunden hat, ist es möglich, graphisch die erforderliche Diffusionsdichtigkeit der inneren Schichten so zu dimensionieren, dass eine Gefährdung in Folge von Tauwasser ausgeschlossen werden kann. Hierbei ist besonders hervorzuheben, dass mit der getroffenen Fallunterscheidung modernen Baustoffentwicklungen, wie zum Beispiel kapillaraktiven Innendämmsystemen, Rechnung getragen wurde.

Innerhalb der im Merkblatt angegebenen Grenzen und Voraussetzungen zeigt die Erfahrung, dass bei der Anwendung des vereinfachten Nachweises mit keinen feuchtetechnischen Schäden zu rechnen sein wird. Außerhalb dieser Grenzen ist jedoch ein exakter Nachweis mit Hilfe der modernen Rechenverfahren durchzuführen.
Das erste Merkblatt der Serie Innendämmung nach WTA ist im Juli 2009 im Blaudruck erschienen und kann sowohl über die WTA als auch über den Fraunhofer IRB Verlag bezogen werden.

Hydrophile Mineralschaumplatte KEIM iPor-System

KEIM iPor-System

Basis des Innendämm-Systems der Keimfarben GmbH ist die neue hydrophile Mineralschaumplatte iPor. Der faserfreie Dämmstoff ist dampfdurchlässig, nach DIN 4102 A1 nicht brennbar und besitzt eine Wärmeleitfähigkeit von 0,040 W/mK. Durch die kapillaraktive Eigenschaft des Materials erübrigt sich der Einsatz einer Dampfsperre. Die Platte ist leicht, dabei aber massiv und formstabil; Zuschnitte und Bohrungen sind einfach und präzise auszuführen. Weitere System-Komponenten sind: Mycal-Fix zur Grundierung, Mycal-Por für Armierung und Verklebung sowie Oberputz und Anstrich.

TecTem von Knauf Perlite: Ein kapillaraktives Innendämmsystem

TecTem von Knauf Perlite

Die vollständige Bezeichnung des neuen kapillaraktiven Innendämm-Systems von Knauf Perlite lautet TecTem Insulation Board Indoor. Wie der Firmenname schon vermuten lässt, besteht die Dämmplatte aus dem mineralischen und natürlichen Rohstoff Perlit. Kennwerte sind unter anderem: Wärmeleitfähigkeit von
λ = 0.045 W/mK, Wasserdampfdiffusionswiderstand µ von 5 – 6, Wasseraufnahmekoeffizient AW 1,98 kg/m² s0,5; nicht brennbar – Baustoffklasse A1 nach DIN EN 13501-1. Zum System gehören weiterhin eine Grundierung sowie der Flächenspachtel zum Einbetten des Gewebes – Gesamtdicke 4 – 5 Millimeter. Als Schlussbeschichtung eignen sich diffusionsoffene Silikat-, Kalk- oder Kreidefarben oder leichte Papiertapeten.

iQ-Therm von Remmers

iQ-Therm von Remmers

Das diffusionsoffe und kapillaraktive Innendämm-System von Remmers zeichnet sich besonders durch die niedrige Wärmeleitfähigkeit der iQ-Therm-Platte von 0,031 W/mK aus. Dafür hat das Unternehmen eine Polyurethan-Hartschaumplatte entwickelt, die mit einem kapillaraktiven mineralischen Material gefüllt ist. Die Platten werden mit einem auf das System abgestimmten mineralischen Klebemörtel auf die Innenwandoberflächen aufgebracht und abschließend mit einem porosierten mineralischen Leichtmörtel überputzt, der die Sorptions- und Installationsschicht darstellt.

Ytong Multipor von Xella: Dämmung ohne Dampfsperre

Ytong Multipor von Xella

Mit der Mineraldämmplatte Ytong Multipor bietet Xella ebenfalls ein diffusionsoffenes, kapillaraktives System an, das eine Innendämmung ohne Dampfsperre ermöglicht.
Die Platten werden aus den mineralischen Rohstoffen Kalk, Sand, Zement und Wasser unter Dampfdruck faser- und schadstofffrei hergestellt. Dabei ist die hohe Porosität für die Wärmedämmung mit einer Wärmeleitfähigkeit von λ = 0,045 W/(mK)verantwortlich. Tauwasser, das sich während der Nutzung innerhalb der Platte bildet, wird von den Zellwänden der Luftporen aufgenommen und durch das natürliche Austrocknungsverhalten des Materials der Raumluft wieder zugeführt. Der Wärmedämmwert bleibt dabei erhalten.
Multipor ist der Baustoffklasse A1 nach EN 13501-1 nicht brennbar zugeordnet.

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