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[ Konjunktur ]

Lichtblicke

Alle reden von Krise – bei Architekten haben sich im Frühling jedoch Stimmung und Auftragslage leicht verbessert.

Erich Gluch

Das Geschäftsklima zu Beginn des zweiten Quartals 2009 hat sich wieder etwas aufgehellt, wie die vierteljährliche Umfrage des ifo Instituts bei den freischaffenden Architekten zeigt. Die Befragten waren mit ihrer aktuellen Geschäftslage sichtlich zufriedener als im Vorquartal. Immerhin 27 Prozent bezeichneten ihre derzeitige Auftragssituation als „gut“; im Vorquartal waren es nur 24 Prozent gewesen. Gleichzeitig sank der Anteil der „schlecht“-Urteile von 37 auf 35 Prozent. Bemerkenswert ist, dass in den ostdeutschen Bundesländern sogar rund 40 Prozent der Befragten ihre aktuelle Lage mit „gut“ bewerteten – allerdings mit Ausnahme von Berlin.

Auch die Geschäftserwartungen fielen zuversichtlicher aus als vor drei Monaten. Seinerzeit hatten noch 26 Prozent eine „eher ungünstigere“ Auftragsentwicklung für das kommende halbe Jahr befürchtet; jetzt nur noch rund 20 Prozent. Rund zwei Drittel der Befragten erwarteten in den nächsten Monaten keine Veränderung der Auftragssituation. Und der Anteil der Optimisten, die für das kommende Halbjahr mit einer „eher günstigeren“ Geschäftsentwicklung rechnen, verharrte bei 12 Prozent.

Im ersten Quartal 2009, das in der Umfrage bilanziert wurde, konnten im Durchschnitt der Bundesländer rund 54 Prozent der freischaffenden Architekten neue Verträge abschließen. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als im Vorquartal und immer noch zwei Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. Jedoch schrumpfte der Umfang der Projekte: Das geschätzte Bauvolumen aus den neu abgeschlossenen Verträgen für Neubauten lag um knapp 10 Prozent unter dem Niveau des Vorquartals. Die Zahl der Aufträge für Ein- und Zweifamilienhäuser legte im ersten Quartal 2009 zwar um fast ein Fünftel zu – allerdings von sehr niedrigem Niveau aus. Im Geschosswohnungsbau ist die Situation anhaltend desolat. Hier hat seit 2006 das Ende der degressiven Abschreibung die Nachfrage gebremst. Jetzt forderten verschiedene Experten und Interessengruppen, sie wieder einzuführen. Dadurch dürften potenzielle Investoren vermehrt auf eine Wiedereinführung spekulieren und sich deshalb vorerst zurückhalten.

Auch im gewerblichen und öffentlichen Bereich schrumpften die Auftragsvolumina. Der Umfang der neuen gewerblichen Aufträge war in zwei Quartalen dramatisch eingebrochen; jetzt sank er nur noch marginal. Bei den öffentlichen Auftraggebern gingen dagegen die Auftragsvolumina im ersten Quartal 2009 um rund ein Sechstel zurück. Diese Entwicklung war allerdings zu erwarten gewesen; schließlich hatte sich im Vorquartal der Umfang der Aufträge mehr als verdoppelt. Nach den eingegangenen Meldungen erreichten die Auftragsbestände zum Ende des ersten Quartals 2009 im Durchschnitt der Bundesländer erstmals seit Mitte der Neunzigerjahre wieder 5,3 Monate.

Erich Gluch ist Wissenschaftler am ifo Institut für Wirtschaftsforschung in München.