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[ Objektbericht ]

Temperierte Fuge

Vollverglast: Wie fünf transparente Stockwerke energetisch effizient klimatisiert werden.

40 Meter lang, 18 Meter hoch und fünf Meter breit ist das 2008 fertiggestellte gläserne Eingangsbauwerk, das Gerber Architekten in Zusammenarbeit mit den Fachplanern Professor Pfeifer und Partner und dem Ingenieurbüro Landwehr für die Wilo SE in Dortmund realisiert haben. Die Herausforderung des Entwurfs bestand in der Zusammenführung zweier Bürogebäude, die Wilo im Zuge des Unternehmenswachstums in den 60er- und 80er-Jahren nur wenige Meter nebeneinander, aber mit unterschiedlichen Geschosshöhen und Baufluchten errichten ließ.

Über insgesamt fünf Geschosse galt es, zwischen den horizontalen und vertikalen Versprüngen der zwei Bauten behindertengerecht zu vermitteln und zugleich ein repräsentatives zentrales Element für das Gesamtensemble zu schaffen. Als transparente Fuge verbindet die filigrane Stahlkonstruktion zwei bestehende Gebäude zu einer Einheit und stößt als abgerundeter Baukörper weit in den Straßenraum vor. Die Fassade wurde als komplexe, vorgespannte Tragkonstruktion ausgebildet; abgelöst davon scheinen Treppen, Stege und Rampen innerhalb der Glashülle zu schweben.

Repräsentativ: Auch die inneren Werte des Empfangsgebäudes der Wilo SE stimmen dank Geothermie und Wärmepumpe.

Für ein solch transparentes Gebäude spielt der sommer­liche Wärmeschutz eine maßgebliche Rolle. Da massive Wandflächen zur Montage üblicher Heizsysteme fehlen und aus nutzungstechnischen Gründen eine vollwertige Ausheizung erforderlich ist, waren intelligente Heiz- respektive Kühlsysteme gefragt. Die Fachplaner der Haustechnik, das Ingenieurbüro Landwehr aus Dortmund entschied sich für eine geothermisch betriebene Heizung und Kühlung des Objekts. Die Stirnseiten (ehemalige Außenwände) der beiden Verwaltungsgebäude, die jetzt die Glashalle verbindet,  erhielten eingeputzte Kapillarrohre zum Heizen und Kühlen. Das Kühlen unterstützt zusätzlich eine Fußbodenheizung in verdichteter Ausführung. Weitere aktivierte Restflächen komplettieren das System.

Dank der Anordnung und Ausrichtung separat regelbarer Heizgruppen kann je nach Raumtemperatur, die an mehreren Stellen, räumlich intelligent verteilt, gemessen wird, dem Bedarf entsprechend geheizt oder gekühlt werden. Eine Simulationsrechnung wies nach, dass bis auf wenige Tage das ganze Jahr in der Empfangszone behagliche Bedingungen herrschten. Im Sommer bildet sich durch die Anordnung der Kühlflächen ein „Kaltluftsee“ im Erdgeschoss aus, so dass trotz des Glaskörpers angenehme Bedingungen erreicht werden.

Der Einsatz der Geothermie mit sechs circa 100 Meter langen Pfählen erlaubt über eine Wärmepumpe (Hersteller: Stiebel Eltron) Systemtemperaturen von circa 35 Grad Vorlauf bei einer entsprechend hohen Leistungszahl. Die Kühlung erfolgt direkt, das heißt ohne zusätzliche Kältemaschine, nur über die Energie aus den geothermischen Bohrungen. Dort herrschen Systemtemperaturen von rund zehn Grad, die wiederum Temperaturen von 16 beziehungsweise 19 Grad im Kapillarrohr- und Fußbodensystem ermöglichen. Die den Planungen vorausgegangenen Simulationsrechnungen führten zudem dazu, dass die prognostizierten Gesamtkosten der Geothermieanlage deutlich unterschritten wurden.