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[ Objektbericht ]

Rund ums Atrium

Goldenes DGNB-Gütesiegel: Der jährliche Primärenergiebedarf des Kölner Bürogebäudes Etrium liegt unter 120 kWh pro Quadratmeter.

Das Etrium (Benthem und Crouwel, Amsterdam/Aachen, 2008) ist ein dreigeschossiges Passivbauwerk mit rund 3 700 Quadratmetern Nutzfläche. Die Gebäude gruppieren sich um ein überdachtes Atrium, das mehrere Funktionen erfüllt: Es dient als kommunikatives Zentrum, es versorgt die angrenzenden Räume mit Tageslicht und es ist die zentrale Pufferzone eines nachhaltigen Heiz- und Lüftungssystems.

Energieeffizienz + Atrium = Etrium: Der verglaste Innenhof ist der Dreh- und Angelpunkt des Heiz- und Lüftungs­systems.

Im Untergeschoss stellt eine Grundwasserwärmepumpe Warmwasser zur Beheizung bereit, für zusätzliche Kühlung im Sommer nutzt sie Grundwasser aus dem Brunnen. Ein Zentrallüftungsgerät von Menerga temperiert die Gebäude mit einem Luftvolumenstrom von bis zu 14.000 m³/h. Die durch das Wärmerückgewinnungssystem aufgewärmte Zuluft leiten Induk­tionsauslässe in die einzelnen Räume. Von dort gelangt die Luft über Flure und Nebenräume in das Atrium, wo sie abgesaugt wird. Über 90 Prozent der Wärme gewinnt die Lüftungsan­lage zurück und deckt so den Heizwärmebedarf von höchstens 10 kWh/m2a fast vollständig ab.

Betonkerntemperierung mit Zuluft

Unterstützend wirkt eine Betonkerntemperierung, die anstelle von Wasser mit Zuluft arbeitet. Das System Concretecool der Kiefer Klimatechnik lässt die Außenluft zuerst durch in die Decken integrierte Alu­miniumkühlrohre strömen. Decken und Räume werden kühler und die Zuluft gleichzeitig nachgewärmt. Das träge System ohne Regelung bietet sich dann an, wenn wie im Etrium eine mechanische Lüftung existiert. Mit einem Wärmeübertragungsgrad von 90 Prozent benötigt es keine Primärenergie und kann im Vergleich zu einer wassergekühlten Decke und Quellluft bis zu 50 Prozent Energie einsparen.

Im Eingangsbereich wie im Glasdach des Atriums dienen sich automatisch öffnende Fenster im Sommer zur freien ­Be- und Entlüftung. Sind sie geöffnet, passt sich das Steuerungs- und Regelungssystem der Lüftungsanlage dem neuen Tem­peratur- und Lüftungsbedarf an und hält das gewünschte Temperaturniveau der Raumluft konstant.

Groß ausgelegte Luftkanäle reduzieren die Luftgeschwindigkeit der Anlage und erhöhen den Temperaturwirkungsgrad bei gleichzeitig hoher Feuchterückgewinnung und niedrigerem Strombedarf der Ventilatoren. Zur Stromversorgung des Etriums tragen Photovol­taikmodule auf dem Dach mit jährlich rund 30 000 kWh bei.

Die zentrale Lüftungsanlage im Keller

Voraussetzung für das regenerative Energiekonzept war die Abstimmung aller Beteiligten bereits in der Planungsphase. Die Koordination übernahm das Energieberatungsunternehmen Ecofys. Das Institut für angewandte Energiesimulation (ifes) untersuchte in Luftströmungssimulationen unterschiedliche thermische Szenarien, um die Funktionsfähigkeit des Konzepts auch bei Extremwetterlagen zu belegen und Rückschlüsse auf eine ganzjährige Behaglichkeit zu ziehen.

Insgesamt blieben die Zusatzinvestitionen für das energetische Gesamtkonzept mit elf Prozent im überschaubaren Rahmen. Dank Nebenkosten von 50 Cent pro Quadratmeter aber liegt die Warmmiete trotz Anrechnung der Mehrkosten auf die Nettokaltmiete unter dem ortsüblichen Standard.

 

Energetische Baumaßnahmen und Technik:

  • Dreifach verglaste Fenster: U-Wert 0,76 W/m²K
  • Tageslichtnutzung
  • Betonkernaktivierung mit Zuluft
  • Photovoltaikanlage: 32 kWp Leistung
  • Grundwasserwärmepumpe: 48 kW Leistung
  • Zentrallüftungsgerät, Wärmerückgewinnungsgrad über 90 Prozent
  • Passive Kühlung durch Grundwasservortemperierung und Fensterlüftung

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