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[ AVA-Systeme ]

Mehr drin, als draufsteht

AVA-Software erleichtert nicht nur Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung.

Gesine Liskien-Penning
Sie sind wahre Pioniere der Bau-IT. Die ersten Systeme für die Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung von Bauleistungen (AVA) kamen bereits in den Siebzigerjahren auf den Markt, als an PCs, grafische Benutzeroberflächen und Internet noch nicht zu denken war. Dieser langen Marktpräsenz ist es zu verdanken, dass AVA-Systeme heute in puncto Leis tung und Handhabung ausgereift sind: In mehr als dreißig Jahren war genug Zeit, alle mehr oder weniger notwendigen Funktionen zu integrieren, die die Abwicklung von Bauleistungen erleichtern.

Die gut 40 Lösungen, die in Deutschland rund um das Thema AVA zu haben sind, setzen ganz unterschiedliche Schwerpunkte. So verstehen sich einige Systeme hauptsächlich als reine Ausschreibungspakete, die genau das anbieten, was die Bezeichnung verspricht. Andere haben sich die Integration in den alphanumerischen und grafischen Planungsprozess auf die Fahnen geschrieben, teils durch die Kopplung mit CAD, teils durch die Verbindung mit Kostenplanung und Projektmanagement. So unterschiedlich wie das Leistungsspektrum ist auch das Preisniveau: Es variiert ja nach System und Lizenzart zwischen rund 400 und 3 000 Euro.

Schnell und wirtschaftlich

Die Leistungsphasen 6 bis 8 der HOAI sind die Hauptaufgabe der AVA-Systeme. Sie unter stützen den Planer dabei, vollständige, eindeutige, rechtssichere und technisch aktuelle Leis tungsverzeichnisse (LVs) möglichst schnell und wirtschaftlich zu erstellen. Außerdem erleichtern sie die Angebotsprüfung, das Erstellen von Preisspiegeln und unterstützen die Abrechnung und Vergabe. Darüber hinaus beinhalten viele Systeme Mengenberechnungs- und Büromanagementfunktionen. Zum Umfang gehören weiterhin Schnittstellen wie GAEB für den Austausch von LVs zu kommerziellen Textanbietern sowie zu Excel und Word.

In puncto Handhabung und Oberfläche orientieren sich AVA-Systeme am Standard, den Microsoft mit seinen Office-Programmen gesetzt hat. Hierarchische Strukturen in Explorer-Manier und intelligente, grafische Oberflächen mit Kontextmenüs und Assistenten sorgen dafür, dass sich auch weniger versierte Nutzer darin zurechtfinden. Das Erstellen von Leistungsverzeichnissen wird durch die Drag-and-Drop-Funktionalität erleichtert, mit deren Hilfe sich Ausschreibungstexte schnell integrieren und nach Belieben verschieben lassen.

Ausschreibungstexte bilden das Herz der AVA, da sie das LV mit Inhalt füllen. Dabei können eigene Stammkataloge verwendet werden, aber auch Texte und Baupreise von Anbietern wie StLB Bau/Dynamische Baudaten, Heinze BauOffice oder sirAdos – bei Bedarf auch online. Der Vorteil: Die Texte sind aktuell und berücksichtigen alle Änderungen baurelevanter Normen und Vorschriften. Der Planer muss sich nicht mehr selbst um die Aktualisierung kümmern. Er erhält vollständige und rechtssichere Texte und ist so weitgehend vor kostspieligen Nachträgen geschützt.

Vergabe auch online

Anbindungsmöglichkeiten an das Internet betreffen neben der Suche nach Leistungsverzeichnistexten oder -preisen auch Vergabeplattformen, über die Ausschreibungen und
die Auftragsvergabe elektronisch abgewickelt werden können – ein Weg, mit dem sich immense Papierberge vermeiden und damit Zeit und Kosten einsparen lassen. Noch scheuen manche Architekten die Internetoptionen, wie Achim Warkotsch von G & W Software feststellt: „Viele fürchten, dass das, was in einer Onlineausschreibung oder in einem Online angebot herausgegeben wird, nicht identisch ist mit dem, was man abgeben wollte.“

Erik von Stebut von der RIB Software AG hat die Erfahrung gemacht, dass viele Planungsbüros bereits intensiv mit den Vergabeplattformen der Bundesländer Berlin und Bayern oder der Städte Wuppertal und Stuttgart arbeiten, bei denen der gesamte Vergabeprozess online abgewickelt wird. „Die Planer, die Auftraggeber und die Handwerker“, so von Stebut, „wollen diese Lösungen dann auch nicht mehr missen.“

LV auf Knopfdruck?

Leistungsbeschreibung und Menge ergeben zusammen das LV. Wie aber kommt der Planer möglichst schnell und einfach an Flächen und Massen? Seitdem es CAD-Systeme gibt, besteht der Wunsch nach einer Ausschreibung auf Knopfdruck – schließlich sind in ihnen die Mengen bereits enthalten; warum also nicht Flächen und Massen automatisch ermitteln und an die AVA übergeben? Ganz so einfach ist das nicht, denn bei Weitem nicht alles, was für eine Mengenermittlung benötigt wird, konstruieren Architekten tatsächlich im CAD-System. Außerdem planen viele noch, während bereits die Ausschreibung beginnt, und selbst später ist die Planung ständigen Änderungen unterworfen.

Nacharbeit ist auch dann weiter erforderlich, wenn Architekten Mengen aus dem CAD-System in die Ausschreibung automatisch übernehmen, etwa nach der Elementmethode mithilfe von vorgefertigten Kostenelementen. Auf Standardbauwerke, sagt Wolfgang Reinecke von RIB, seien Kostenelemente recht gut anwendbar, problematisch werde es aber, wenn es um ganz individuelle Bauten gehe: „In der Zeit, die der Planer dafür braucht, eigene Kostenelemente zu erstellen, hat er eigentlich auch schon das individuelle LV erstellt und direkt mit Mengen aus den Plänen versehen.“

Neuer Aufschwung durch BIM

Mit dem Building Information Modeling, kurz BIM, hat die Kopplung von CAD und AVA neuen Aufschwung erfahren. Es bezeichnet die durchgängige Verwendung intelligenter Gebäudedaten über den gesamten Planungs-, Bau- und Nutzungsprozess hinweg. Ein virtuelles Gebäude im Rechner enthält dabei neben den geometrischen Daten auch sämtliche Eigenschaften wie Bauteilinformation, Mengen, Kosten und Zeit (lesen Sie dazu auch DAB 01/2009). So stehen im digitalen Gebäudemodell letztendlich auch alle Daten für AVA und Kostenplanung zur Verfügung und lassen sich per Knopfdruck übergeben – eine Verbindung, für die es mittlerweile einige Lösungsansätze gibt.

Neben der Kopplung mit CAD spielt die Einbettung der AVA in Kostenplanung und Projektmanagement eine herausragende Rolle. Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung mit Kostenschätzung, -anschlag und -feststellung sind nur eine punktuelle Sicht auf die Baukosten, während der Bedarf an wirtschaftlichen Informationen über die gesamte Bauzeit hinweg und später noch besteht. Letztendlich wollen Planer und Bauherr zu jeder Zeit wissen, wie der Stand in puncto Baukosten ist – vor und nach der Ausschreibung und Vergabe.

„In den meisten deutschen Planungsbüros erfolgt die Kostenplanung immer noch mit Excel“, sagt Warkotsch, „losgelöst davon die Ausschreibung und Vergabe am AVA-System, während die Abrechnung schließlich wieder mit Excel bearbeitet wird.“ Nicht selten kommt es dann in der Ausschreibung und Vergabe zu bösen Überraschungen, weil die realen Preise der Baufirmen ganz anders ausfallen als die Annahmen des Architekten. Einige AVA-Hersteller legen daher ihr Augenmerk auf die Dokumentation der Kosten in allen Projektstadien. Damit ermöglichen sie es dem Architekten, über den gesamten Projektverlauf hinweg für die Einhaltung von Budgetvorgaben zu sorgen, und bieten so weit mehr, alsdas Kürzel AVA verheißt.

Gesine Liskien-Penning ist Diplom-Ingenieurin der Architektur und freie Fachredakteurin in Heidelberg.


Das Leistungsspektrum von AVA-Systemen reicht von einfachen Ausschreibungspaketen bis hin zu umfassenden Managementlösungen. Die Kosten fallen so sehr unterschiedlich aus.

Allplan BCM 2008 (Nemetschek)

Das Programm steht für Building Cost Management und somit, laut Nemetschek, für transparente Baukostenplanung sowie AVA. Mit ihm sollen sich Leistungsverzeichnisse einfach erstellen lassen. Analytische Preisvergleiche helfen, die richtige Entscheidung in der Vergabe zu treffen. Planer können bereits in einer frühen Projektphase Kosten genau ermitteln und bis hin zur Abrechnung verfolgen und analysieren. Zusammen mit Allplan BIM Architektur und Allplan IBD bildet Allplan BCM die Basis für eine Mengen- und Kostenermittlung auf Basis eines Gebäudemodells, kurz: Design2Cost. Allplan BCM ist über autorisierte Händler erhältlich und kostet ab 1 495 Euro.

ARRIBA planen (RIB)

Mit der Version 12.4 bietet die RIB Software AG, Anbieter von Projektmanagement-Softwarelösungen für alle Bauprozesse in Planung und Ausführung, eine Software für AVA, Kostenmanagement und Projektsteuerung. Zugeschnitten auf die Anforderungen von Architekten, Ingenieuren, Fertigungsindustrie und öffentlicher Hand unterstützt ARRIBA planen Projekt- und Nachunternehmersteuerung branchenübergreifend. Die Software ist als Vollversion zum Preis von 2 700 Euro und als ARRIBA planen KOMPAKT für 1 900 Euro erhältlich.

ASBwin – AVA 10.0 (Heitker)

Das Angebot von Heitker ist ein umfassendes AVA-System, das den Fokus auf leichte Bedienbarkeit und eine selbsterklärende Oberfläche legt. Das Programm lässt sich ohne Schulungen und in vielen Fällen ohne Handbuchstudium intuitiv bedienen, verfügt dennoch über alle Funktionen und Schnittstellen eines ausgereiften AVA-Systems. Auf der Homepage des Herstellers findet sich eine Liste mit Referenzen und Kundenmeinungen. ASBwin – AVA ist ab 400 Euro (SBE-Version) erhältlich.

AVANTI (Softtech)

Das AVA-System von Softtech wird in allen Fachbereichen eingesetzt und bietet nach Herstellerangaben eine strukturierte Benutzeroberfläche sowie einen reibungslosen Datenaustausch. Neu ist eine PIN-Funktion, die bei der Verwaltung von Notizen und To-do-Listen hilft. Um noch tiefer in die Preisanalyse einzusteigen, können Einheitspreisanteile aus StLB-DBD Baupreise EFB direkt übernommen werden. Für eine optimierte Terminplanung ist das LV über eine Schnittstelle an die Terminplanungssoftware ProPlan und MS Project angebunden. Ein Einstiegs assistent bietet bereits beim Programmstart eine schnelle Orientierung. AVANTI pro 15 kostet in der Erstlizenz 3 300 Euro, als Basis­lösung für kleine Büros ist es für 950 Euro zu haben. Der Preis für jede weitere Lizenz reduziert sich auf die Hälfte.

BUILDUP ava (Bauer Software)

Das Programm von Bauer Software ist eine durchgängige Lösung für die Planung und Abrechnung von Bauleistungen. Es zeichnet sich durch eine hohe Bedienungsfreundlichkeit aus und ist dank der Office2007-Oberfläche intuitiv bedienbar. Mehr Sicherheit bietet eine Undo-Funktion. Die aktuell zertifizierte GAEB-DA-XML-Schnittstelle, sowie alle weiteren sollen einen zuverlässigen Datenaustausch gewährleisten. Weitere Funktionen sind eine Änderungshistorie, die dokumentiert, wer, wann, wo eine Modifikation vorgenommen hat. Zudem kann in der Bieterauswahl auf eine Statistik zurückgegriffen werden, die zeigt, wie oft der Bieter zur Angebotsabgabe aufgefordert wurde, ein Angebot abgegeben und einen Zuschlag erhalten hat.

CALIFORNIA 3000 (G&W)

Das AVA- und Kostenkontrollsystem der Münchener G&W Software Entwicklung GmbH richtet sich an Architekten, die planen, ausschreiben und Baumaßnahmen aller Art überwachen. Es bietet eine Optimierung des gesamten Planungs- und Ausführungsprozesses sowie Kostenoptimierung bei Bau- und Unterhaltsmaßnahmen. Das System ist modular aufgebaut und passt sich jeder Bürostruktur und Aufgabenstellung an, wahlweise als Business-Edition, Small-Business-Edition oder Enterprise-Edition. CALIFORNIA 3000 kostet ab 490 bis 2 990 Euro.

ProjektPro (mairpro)

Mit dem Modul AVA bietet mairpro eine Lösung an, die sowohl als bedarfsgerechte günstige Stand-alone-Anwendung als auch innerhalb der kompletten Geschäftslösung ProjektPro zusammen mit Controlling, Office- und Projektmanagement arbeitet. Das Programm ist für die Betriebssysteme MacOS und Windows erhältlich. Die neue Generation ProjektPro ‚09 mit zahlreichen Veränderungen im Modul AVA wie Drag-and-Drop-Funktionalität in der LV-Erstellung, fast unbegrenzten Preisspiegelauswertungen und GAEB-DA-XML-Schnittstelle kann bereits bestellt werden. Der Preis für AVA LV beträgt 600 Euro, AVA XT kostet 900 Euro.

ORCA AVA (ORCA)

Das Komplettprogramm von ORCA bietet Kostenschätzung, Ausschreibung, Vergabe, Abrechnung und Kostenverfolgung von Bauleistungen. Die Anwendung ist nach Angaben des Herstellers intuitiv zu bedienen. Sie läuft auf allen modernen Microsoft-Betriebs sys temen und ist für Mischnetzwerke mit Linux-Servern geeignet. Für den korrekten Datenaustausch stehen zahlreiche Standardschnittstellen zur Verfügung. ORCA AVA ist GAEB-XML-zertifiziert. Das Komplettprogramm kostet 2 590 Euro pro Hauptlizenz.

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