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[ Versorgungswerk ]

Doppelt krisenfest

Wie sich die Versorgungswerke der Architekten in der akuten Finanzkrise und der chronischen Rentenkrise behaupten.

Entspannt in die Zukunft: Die Architektenrenten sind trotz weltweiter Krise an den Finanzmärkten sicher.

Fred Wagner
Gesetzliche Rentenversicherung oder Versorgungswerk? Wenn es um die Rente geht, haben Architekten keine Wahl: Sie müssen per Gesetz dem Versorgungswerk ihrer Kammer beitreten. Eine angenehme Pflicht: Die Absicherung durch ein Versorgungswerk kombiniert die Vorteile der gesetzlichen Rentenversicherung mit denen der privaten Lebensversicherung. Gleichzeitig entfallen viele Nachteile beider Systeme.

Der wohl wichtigste Unterschied ist die Art und Weise, wie die Renten finanziert werden. Die gesetzliche Rentenversicherung funktioniert nach dem Umlageverfahren. Das heißt, sie muss die eingehenden Beiträge sofort an die Leistungsbezieher auszahlen. Konkret: Die folgende Generation ist dazu verpflichtet, die Altersversorgung der aktuellen Rentenbezieher zu sichern. Dieser Generationenvertrag kann aber nur dann funktionieren, wenn die erwerbstätige Generation Kinder in ausreichender Zahl großzieht und diese dann auch als Erwerbstätige Versicherungsbeiträge einzahlen. Doch seit Jahren schon reichen die Beiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber nicht aus, sodass die staatlichen Renten zu rund 30 Prozent durch Bundeszuschüsse, also aus Steuermitteln finanziert werden.

Die Versorgungswerke für Architekten dagegen sind zu einhundert Prozent kapitalgedeckt und arbeiten nach dem Anwartschafts-Deckungsverfahren. Im Klartext: Jedes Mitglied finanziert während seiner Anwartschaftszeit seine individuelle Rentenhöhe selbst. Je höher die Beiträge, desto höher fällt die Alters- und Berufsunfähigkeitsrente aus. Bei dem vom Versorgungswerk der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen praktizierten „offenen Deckungsplanverfahren“ sparen die Beitragszahler kollektiv ein Deckungskapital an, das ihre künftigen Rentenansprüche befriedigen soll.

Auch deshalb bekommen Architekten für die gleichen Beiträge wesentlich höhere Leistungen als bei der gesetzlichen Rentenversicherung. Dazu trägt auch bei, dass Versorgungswerke gemeinnützig tätig sind und keinen Erwerbszweck verfolgen. Die Leistungen werden nicht geschmälert durch Provisionszahlungen, Werbemaßnahmen, interne Abschlusskosten, Steuern oder Rückversicherungsbeiträge. Demografische Entwicklungen wirken sich allerdings durch die gestiegene Lebenserwartung der Teilnehmer und die damit verbundene längere Rentenbezugsdauer aus. Auch für diese finanziellen Mehrbelastungen bilden die Versorgungswerke Rückstellungen.

Wie sicher sind die Einlagen?

Sicherheit geht vor Rendite: Die Anlage der Vermögen der einzelnen Versorgungswerke erfolgt nach den strengen Bestimmungen des Versicherungsaufsichtsgesetzes. Dieses schreibt vor, dass mindestens 70 Prozent der Vermögensanlage in festverzinsliche Wertpapiere zu erfolgen hat. Nur maximal 30 Prozent dürfen die Versorgungswerke als so genannte Risikokapitalquote in Aktien oder andere Anlageprodukte stecken. Professionelle Anlagespezialisten sollen dafür sorgen, dass eine gleich hohe und gleich sichere Vermögensanlage gewährleistet ist.

Daraus folgt, dass das Zinsniveau an den Kapitalmärkten den größten Einfluss auf die Entwicklung der Vermögen hat. Steigende oder fallende Aktienkurse wirken sich weniger stark aus. Ihr Einfluss richtet sich auch nach der Anlagepolitik des einzelnen Versorgungswerkes. Diese wird regelmäßig in der Vertreterversammlung durch die Geschäftsführung des Versorgungswerkes dargelegt.

Zur Berechnung der Renten und Anwartschaften geht man überwiegend von einem Rechnungszins in Höhe von vier Prozent aus. Liegen die tatsächlich erwirtschafteten Erträge darüber, steigen die Renten und Anwartschaften, liegen sie darunter, müssen sie jedoch nicht unbedingt fallen. „Versorgungswerke bauen Verlustrücklagen auf, mit denen sich Verluste aus Kursschwankungen, Kurseinbrüche oder Bankinsolvenzen ausgleichen lassen“, erklärt Walter Köckeritz, Vorsitzender des Verwaltungsausschusses beim Versorgungswerk der Architektenkammer Sachsen.

Reaktionen auf die aktuelle Finanzmarktkrise bleiben deshalb aber nicht aus. Etwa bei der Bayerischen Versorgungskammer, die die Gelder für verschiedene Versorgungswerke verwaltet und mit rund 40 Milliarden Euro Vermögen Deutschlands größter Kapitaltopf ist. „Im vergangenen Jahr haben wir begonnen, die Aktienquote zu senken, und das in diesem Jahr fortgesetzt. Die Quoten der einzelnen Versorgungswerke schwanken jetzt zwischen drei und acht Prozent, im vergangenen Jahr waren sie teilweise zweistellig“, sagt André Heimrich, Leiter Wertpapiermanagement.

Auch Rolf Schulze, Geschäftsführer des Versorgungswerkes der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, sieht keine Gefahr: „Derzeit besteht überhaupt kein Anlass, sich Sorgen zu machen. Unser Aktienanteil ist, gemessen am Gesamtvermögen, sehr gering und beträgt unter zehn Prozent. Das Versorgungswerk betreibt eine konservative Anlagepolitik, die Sicherheit steht an erster Stelle. Wir hoffen natürlich alle, dass sich die Finanzkrise nicht weiter ausbreitet. Wenn sie in dem Umfang bleibt wie bisher, haben die Versorgungswerke nichts zu befürchten.“

Welche Leistungen gibt es?

Jedes der fünf großen Versorgungswerke (siehe Kasten) regelt seine Aufgaben autonom. Unterschiedliche Mitgliederzahlen und Altersmischungen ergeben Unterschiede bei den Leistungen. Einzelheiten sind in den jeweiligen Satzungen festgelegt. Die Leistungen sind jedoch einheitlich für alle Mitglieder der angeschlossenen Bundesländer. Zu den grundsätzlichen Leistungen gehören Berufsunfähigkeitsrente, Altersruhegeld, vorgezogenes Altersruhegeld und Hinterbliebenenversorgung.
Auch was die Höhe der zu erwartenden Renten betrifft, gibt es Unterschiede. Vorbildlich informiert zum Beispiel die Architektenkammer NRW im Internet (www.architektenversorgung-nrw.de) über deren Höhe.

Eine Beispielrechnung für einen Architekten, der mit 40 Jahren in der Lage ist, den Normalbeitrag zu zahlen, und 2008 mit 65 Jahren in Rente geht. Der Normalbeitrag entspricht dem Höchstbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung – derzeit monatlich 1 054,70 Euro, den bei Angestellten zur Hälfte der Arbeitgeber zahlt.  Er erhält dann eine Rente von rund 3 000 Euro. Ein Nichtarchitekt, der den Höchstbeitrag in die staatliche Rentenkasse gezahlt hat, erhält eine Rente von rund 1 500 Euro.

Wie hoch sind die Beiträge?

Der Beitrag ist einkommensabhängig und richtet sich nach dem Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung. Aktuell beträgt der Satz 19,5 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze bei fest angestellten Architekten (jeweils zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber), freie Architekten zahlen circa 16 bis 18 Prozent. Bei nachweislich geringerem Einkommen kann der Beitrag auf die Hälfte reduziert werden, weitere Sonderregelungen gibt es je nach Versorgungswerk, beispielsweise für Existenzgründer. Allerdings gilt die Selbstverständlichkeit: Wer heute weniger zahlt, bekommt morgen weniger Rente.

Die Satzungen bieten unterschiedliche Möglichkeiten, um auf die momentane finanzielle Situation des Teilnehmers einzugehen: So ist für Architekten in Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen-Anhalt in den ersten fünf Jahren der Teilnahme am Versorgungswerk eine Beitragsermäßigung von bis zu einem Vierteil des Regelbeitrages möglich. Anschließend besteht die Möglichkeit, wenn das Einkommen die Beitragsbemessungsgrenze nicht erreicht, 18 Prozent Beitrag auf das tatsächliche Jahresberufseinkommen zu zahlen. Liegt das Jahreseinkommen eines freischaffenden Teilnehmers unter 20 Prozent der Jahresbeitragsbemessungsgrenze, kann ein Ruhen der Beitragspflicht beantragt werden.

Auch eine freiwillige Mehrzahlung ist in einigen Versorgungswerken möglich: Zum Regelbeitrag können dann zusätzlich sowohl von freiberuflich tätigen als auch von angestellten Architekten monatlich noch freiwillige Mehrzahlungen bis zu 50 Prozent des Regelbeitrages für das laufende Jahr gezahlt werden, um die Anwartschaften auf die Alters- beziehungsweise Hinterbliebenenrente zu erhöhen.

Sonnige Aussicht: Bei der Anlage ihrer Vermögen setzen Versorgungswerke auf Sicherheit und vermeiden riskante Anlagen.

Fünf Versorgungswerke kümmern sich um die Altersversorgung für den gesamten Berufsstand:

Bayerische Versorgungskammer: für Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner in Bayern, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz

Versorgungswerk der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen: für Kammermitglieder in Nordrhein-Westfalen, Hessen, im Saarland und in Bremen

Versorgungswerk der Architektenkammer Berlin: für Kammermitglieder in Berlin und Brandenburg

Versorgungswerk der Architektenkammer Sachsen: für Kammermitglieder in Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern

Versorgungswerk der Architektenkammer Baden-Württemberg: für Kammermitglieder in Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Hamburg


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