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[ Technik gestalten ]

Der „Schnittsteller“

Innovative energieoptimierte Gebäude erfordern, dass Gestaltung und Technik miteinander verschmelzen, meint Christian Huber, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Bauklimatik und Haustechnik der TU München.

Marion Goldmann

In Ihrem Studiengang „Climadesign“ bilden Sie Architekten zu Klimaexperten aus, weil diese am Markt fehlen. Wo sehen Sie die Defizite?

Überall dort, wo Architekten bewusst wird, dass die Gebäudetechnik in den Entwurf miteinfließen muss. Es ist dabei wichtig, nicht irgendeine Technik auszuwählen, sondern eine sinnvolle. In der Praxis schwanken hier viele Architekten. Nicht in jedem Fall sind die allerneuesten Innovationen auch die effektivsten. Zum Beispiel fragen derzeit viele nach Mikro-Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen oder Brennstoffzellen für das Einfamilienhaus. Doch erst bei größeren Objekten wie Siedlungen oder mehrgeschossigen Wohnhäusern rentieren sich diese Techniken.

Sie favorisieren demnach den Rückgriff auf altbewährte Systeme der Gebäudetechnik?

Nein. Wir begrüßen diese Technikbegeisterung sehr. Architekten müssen über die neuesten Entwicklungen sogar gut informiert sein und die Bildung sollte nicht auf der Produktebene enden. Erkenntnisse aus Forschungsarbeiten gehören ebenso dazu, auch wenn man die innovativen Techniken aktuell nicht einsetzen kann.

Wie tief greifend sollten die Kenntnisse sein?

Architekten müssen die technische Gebäudeausrüstung in das ohnehin schon breite Spektrum ihrer klassischen Kernkompetenzen einbinden. Sie müssen den Überblick über die möglichen Systeme haben und diese im Zusammenspiel mit dem Baukörper bewerten können. In unserem Studiengang liegt beispielsweise auch ein Schwerpunkt auf Simulationen. Man muss wissen, welche Programme es dafür gibt, wie sie funktionieren und wo sich Fallstricke verbergen. Gleiches gilt für die Gebäudetechnik. Man muss die Komponenten kennen und auch eine Grobdimensionierung beherrschen. Eine über die Werkplanung hinausgehende Berechnung ist für diese Aufgabe nicht erforderlich.

Architekten nehmen also bei der Gebäudetechnik eine Vermittlerrolle ein?

Ja, und dieser Vermittler muss sowohl die Sprache des Architekten als auch die der Fachplaner sprechen und verstehen. Es geht darum, ganzheitlich zu planen: genau das, was die eigentliche Kernkompetenz eines Architekten ausmacht. Wobei wir an unserem Lehrstuhl glauben, dass sich das Planungsteam bei großen Bauvorhaben, bei denen Projektsteuerer involviert sind und wo viele Fachplaner an einem Tisch sitzen, in den Architekten für die Gestaltung, den Tragwerksplaner sowie einen Vermittler aufteilen sollte. Bei kleineren Bauvorhaben kann der Architekt dagegen alle drei Funktionen in einer Person vereinen.

Wie schätzen Sie den Informationsbedarf der Bauherren ein?

Der ist nach unseren Erfahrungen sehr hoch, was uns die zahlreichen Anfragen nach Beratungsleistungen zeigen. Den Bauherren ist zunehmend an neutralen Bewertungen gelegen. Sie wollen wissen, ob die vorgeschlagenen Lösungen richtig sind oder ob es Alternativen gibt.

Wie müssen Fachplaner und Architekten heute zusammenarbeiten?

Heute ist es wichtig, im Team zu arbeiten. Fachplaner sind es aus der Vergangenheit nicht gewohnt, dem Architekten ein Feedback zu geben. Nur selten hat einer nachgefragt, ob der Architekt zum Beispiel den Anteil der Fensterflächen zugunsten einer optimierten Anlagentechnik verändern könne, sondern der Fachplaner hat stets versucht, die Anlage in seinem Bereich zu optimieren. Inzwischen verlaufen die Prozesse vielfach schon Hand in Hand und Fachplaner merken energetisch ungünstige Entwurfsdetails wesentlich früher an. Aufgabe des Klimaexperten ist es, hier rechtzeitig mitzuwirken.

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