DABonline | Deutsches Architektenblatt
Menü schließen

Rubriken

Services

Menü schließen

Rubriken

Services

Zurück
[ Tag der Architektur ]

Harmonischer Auftakt

Beim Bundesauftakt zum Tag der Architektur vermittelten Berufsvertreter und Volksvertreter einander ihre Anliegen im Gespräch.

Gut gestimmt: Bundesarchitektenkammer-Präsident Arno Sighart Schmid und Bundesbauminster Wolfgang Tiefensee im bayerischen Landtag

Tanja Waldmann
Was den Opernfreunden die Premiere der Bayreuther Festspiele, das ist den Architekturfreunden der Bundesauftakt zum Tag der Architektur. Dieses Jahr hätte beides fast am gleichen Ort stattfinden können, wäre die Baugeschichte des 19. Jahrhunderts ein wenig anders verlaufen.

Austragungsort des Bundesauftakts war der Plenarsaal des Bayerischen Landtags im Münchener Maximilianeum, der 2005 von Volker Staab saniert und umgebaut wurde. Das Gebäude hatte 1857 Maximilian II. beauftragt und Friedrich Bürklein umgesetzt. Maximilians Nachfolger, Ludwig II., hatte gemeinsam mit seinem Freund Richard Wagner große Pläne. Nördlich des Maximilianeums sollte auf der Isarhöhe das „Theater der Zukunft“ entstehen. Mit der baulichen Umsetzung sollte Gottfried Semper betraut werden. Doch der verschwendungssüchtige Wagner musste Bayern verlassen; Ludwig gab auf Drängen seiner Familie das Projekt auf. Später wurde die Festspielhaus-Idee nach den Plänen Sempers von dem Architekten Otto Brückwald umgesetzt – nur eben in Bayreuth, nicht in München.

Der Austragungsort des Bundesauftakts ist Sinnbild für die Verflechtung von Architektur und Politik. Doch nicht nur Großbauten der Politik oder der Kultur prägen das Bild der Städte, betonte Bundesarchitektenkammer-Präsident Arno Sighart Schmid in seiner Festrede. Er dankte Bundesminis­ter Wolfgang Tiefensee, der mit seiner auf EU-Ebene eingebrachten und verabschiedeten Leipzig Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt die richtigen Weichen gestellt habe.

„Die Ergebnisse dieser Politik sind schon jetzt sichtbar: Innerstädtische Bau­lücken werden geschlossen, ehemals gewerblich genutzte Räume erfahren eine Umnutzung, ­innerstädtische Infrastrukturen werden leistungsfähiger. ­Diese Entwicklung müssen wir fortsetzen“, so Schmid.

Wolfgang Tiefensee wiederum würdigte in seiner Eröffnungsrede den Architekten als Vorreiter und Vorbild der Gesellschaft. Eine große Aufgabe und Herausforderung seiner Arbeit sei es, stets den gesellschaftlichen Kontext bei der Umsetzung eines Projektes im Auge zu behalten. Persönlich setze er sich für den Erhalt aller Leistungsphasen der zu novellierenden HOAI ein, so Tiefensee.

Auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann sprach sich gegen eine Novellierung der HOAI aus, die zu Billigarchitektur führen würde. Ein weiteres Element zur Wahrung von Qualität sei die Durchführung von Architektenwettbewerben. Lutz Heese, Präsident der Bayerischen Architektenkammer, konnte hier die Bauherren seiner Heimat loben: Bundesweit habe Bayern vergangenes Jahr mit 82 Wettbewerben unangefochten an der Spitze gelegen.

2009 wird der Bundesauftakt wieder in einem politischen Bauwerk stattfinden: dem Hambacher Schloss, jetzt von Max Dudler saniert und um einen Erweiterungsbau ergänzt. Hier forderten 1832 fast 30 000 Menschen eine Verfassung und die nationale Einheit. Seitdem gilt es als Wiege der deutschen Demokratie – Politik und Architektur sind wieder dicht beisammen.

Tanja Waldmann ist Referentin für Öffentlichkeitsarbeit der Bundesarchitektenkammer.