DABonline | Deutsches Architektenblatt
Menü schließen

Rubriken

Services

Menü schließen

Rubriken

Services

Zurück
[ Schulengagement ]

Tulpen für Tische

Wie eine Berliner Architektin Geld für humanere Schulräume eintreibt.

Roland Stimpel

Die Berliner Rothenburg-Grundschule genießt pädagogisch einen guten Ruf. Doch baulich hat sie schon bes­sere Tage gesehen: Draußen bröckelt Putz; die Turnhalle ist verschimmelt und verschlossen, von der jüngsten Toilettenrenovierung künden Wasserflecken in den Räumen darunter. Auch für die Kinder der Berliner Architektin Astrid Lohss war dies das Lernmilieu.

Wie Hohn lasen sich für sie die gern gebrauchten Sätze, die auch das Bundesbildungsministerium im Internet verkündet: „Ein Kind hat drei Lehrer: Der erste Lehrer sind die anderen Kinder. Der zweite Lehrer ist der Lehrer. Der dritte Lehrer ist der Raum.“ Der dritte aber, sagt Lohss, „ist ziemlich krank“. Und das nicht nur in der Rothenburgschule: „Durch die Arbeit für die Kammerinitiative ,Architektur und Schule‘ komme ich in viele solcher Gebäude. Und je mehr ich von ihnen sehe, desto schlimmer finde ich das Ganze. Da lässt man Kinder in einer kaputten Welt aufwachsen.“ Lohss sann auf Selbsthilfe: eine Sammelaktion. Der Termin lief auf den Valentinstag zu – also etwas mit Blumen.

Neues Raumgefühl für Kinder

Das ergab schließlich ein Motto, das inzwischen halb Berlin kennt: Tulpen für Tische. Kinder und Eltern verkaufen Blumen an Passanten. Vom Erlös wird angeschafft, was in den Schulräumen Not tut. Lohss’ Initiative startete vor drei Jahren und ist inzwischen eine feste Größe im Berliner Stadtbild. Dutzende Schulen machen mit. „Es betrifft ja viele“, berichtet Astrid Lohss.

Zigtausende Tulpen werden an jedem Aktionstag ver­kauft. Der Blumengroßmarkt verschenkt sie oder gibt das Stück für zehn Cent ab. Hartnäckige Kinder lassen die Passanten nicht los, bevor nicht ein Euro dafür gespendet worden ist. Die Schulfördervereine kaufen von den Einnahmen Tische oder Klaviere, streichen Wände oder erwerben eine Chemieausrüstung. Und obwohl alles nur ein Tropfen auf den bröseligen Stein sein kann, ist Lohss zufrieden: „Vor allem sollen die Kinder erkennen, dass sie selbst etwas bewegen können. Sie gewinnen eine neue Wertschätzung für ihre Räume, wenn sie sich für sie engagieren.“

Weitere Artikel zu: